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Medien Dresden-Premiere für Anne Clark-Doku
Nachrichten Medien Dresden-Premiere für Anne Clark-Doku
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21:00 19.01.2018
Anne Clark Quelle: PR/Verleih
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Dresden

Ihr letztes Konzert spielte Anne Clark im März 2016 in der Reithalle. Zuvor war die heute 57-jährige Britin regelmäßig in der Stadt. Ihr Dresdner Fankreis ist groß und stabil. Kein Wunder bei dieser wandelbaren Ikone pop-elektronischer Musik und nachhaltiger Lyrik, Schöpferin solch unsterblicher Hits wie „Abuse“ und „Our Darkness“, die dann ihre Liebe zu experimenteller Akustik sowie Klangcollagen entdeckte. Weitere Live-Auftritte aber wird es hier auf absehbare Zeit nicht geben, denn Anne Clark hat sich ein Stoppzeichen in punkto Touren gesetzt.

Claus Withopfs gelungenes Film-Essay „Anne Clark – I’ll Walk Out Into Tomorrow“ erscheint da wie eine Brücke. Am Sonntag hat es in Dresden Premiere. Ein Gespräch mit dem deutschen Regisseur über Entstehungsprozess, Gefahren und Glück.

Herr Withopf, Sie haben insgesamt zehn Jahre am Film gearbeitet. War Anne Clark von vornherein integriert und bedeutete diese Zeit vor allem auch Sammeln von Material?

Claus Withopf: Anne hat es von vornherein gewusst, denn genau das war die Idee. Ich wollte diesen Film mit ihr zusammen realisieren und nicht als außenstehender Beobachter. Es sollte ein persönlicher Film über ihr Schaffen werden. Ich hatte vor über zehn Jahren alles vorbereitet, bin auf das damals nächstliegende Konzert in Brüssel gegangen, habe sie danach angesprochen und das Projekt vorgestellt.

Und Annes Reaktion war …

…Begeisterung. Es gab ja noch keinen Film über sie.

Resultierte Ihre Motivation aus einem Fan-Status? Der könnte tückisch sein für einen Film...

Diese Tücke war in meinem Unterbewusstsein präsent. Deshalb bin ich anders herangegangen. Zunächst habe ich rein formal nach einem Thema für meinen ersten Dokumentarfilm gesucht, das mich so stark beschäftigt, dass es diesen langen Zeit- und Kraftaufwand lohnt. So kam ich schnell zu Anne Clark, denn ich habe ihr Werk und ihre Entwicklung seit meinen frühen Jugendtagen verfolgt. Ihre Musik und ihre Texte haben mir immer schon sehr viel bedeutet, waren gewissermaßen treue Begleiter. Trotzdem wollte ich ihr nicht als Fan gegenübertreten, sondern als Filmemacher. Auch deshalb hatte ich das Projekt im Vorfeld schon konzipiert.

Quelle: Stefan Freund

Jetzt, da „Anne Clark – I’ll Walk Out Into Tomorrow“ im Kino startet, sollte er im besten Falle trotzdem den treuen Clark-Fan erreichen und Unkundige neugierig machen. Komplettwissen gegen Nichtwissen. Macht so etwas Druck?

Ich hatte das große Glück, völlig frei zu agieren. Anfangs habe ich komplett selbst produziert, also ohne Co-Produzenten im Hintergrund. So konnte ich nach und nach Interessenten und Geldgeber für das Projekt gewinnen. Wie den Verleih Neue Visionen, der jetzt für den Kinoeinsatz sorgt. Das empfand ich als großes Glück, es war aber eine bewusste Entscheidung. Und mir war stets klar, dass der Film den Fan erreichen, aber auch anderen die Chance offerieren sollte, Anne Clark als facettenreiche Künstlerin kennenzulernen.

Der Film ist ausschließlich auf Anne Clark fokussiert, so mit Interviews aus unterschiedlichen Jahren. Es gibt dazu keine erklärenden Schrifttafeln, dafür animierte Textauszüge aus Clark-Songs. Ebenfalls verzichten Sie auf die gängigen „sprechenden Köpfe“, also Musikerkollegen oder Familienmitglieder. Stand diese Struktur von vornherein fest?

Es sollte ein künstlerischer Dokumentarfilm werden, Anne Clarks Schaffen sollte also eindeutig im Vordergrund stehen. Deshalb wollte ich von Anfang an keinen chronologisch-biografischen Film machen. Vor allem Annes Texte sollten Rückschlüsse auf ihre Person erlauben. Ich wollte zudem verschiedene visuelle Ebenen kreieren, darunter experimentelle Techniken mit Analogfilm und diese in der Typographie unterschiedlich animierten Textauszüge.

Dabei ist der Film mit 80 Minuten erstaunlich knapp geworden. Und das nach so vielen Jahren Sammeln von Material.

Ich habe versucht, stets konzentriert zu drehen, wenn sich die Möglichkeit ergab, Anne auf Tour oder im Studio zu begleiten. Zuviel Material existierte also gar nicht. Schon die zwischenzeitlichen Rohschnitte waren nie länger als 80, vielleicht 85 Minuten. Ich wollte das künstliche Verlängern unbedingt vermeiden. Die Versuchung gibt es aber.

Sicherlich auch jene, namhafte Kollegen von Anne Clark zu integrieren…

Ja, aber ich wusste von vornherein, dass es Künstler sein müssten, die wirklich intensiv mit Anne gearbeitet haben. Mit Paul Weller habe ich ein Gespräch geführt, aber schnell verworfen, es auch zu verwenden. Ich wollte wirklich bei Anne Clark bleiben, ich hatte die Möglichkeit dazu.

Haben Sie trotzdem während des Schneideprozesses die Gefahr gespürt, Ihre persönliche Vision des Films könnte sich von Anne Clark entfernen, ästhetische Ideen könnten sich verselbständigen?

Die Gefahr besteht immer, doch ich bin allein von den Texten und der Musik Anne Clarks ausgegangen. Dieser Prozess hat mich am Ende noch näher zu ihr hingeführt, als ich es am Anfang gedacht habe. Es wurde in den Interviews immer persönlicher, und das wiederum hat sie in ihrer Kunst und als Mensch noch besser erklärt.

Musik-Dokumentationen in allen stilistischen Formen marmorieren in Deutschland immer wieder den Kinoalltag. Es reichte zuletzt von Sixto Rodriguez, Janis Joplin, Conny Plank und Tangerine Dream bis Silly. Die Resonanz ist zumeist eher bescheiden. Sollte „Anne Clark: I’ll Walk Out Into Tomorrow“ trotzdem von vornherein ins Kino?

Unbedingt! Deshalb ja genau dieses künstlerische Konzept, die Optik und die themenbezogen Dramaturgie. Im Fernsehen hätte er anders aussehen müssen.

In welche visuelle Schule sind Sie gegangen, nicht im Sinne von Kopieren, eher von Anregen?

Derek Jarman als Filmkünstler hat mich schon vor meinem Studium sehr inspiriert. Er hat sehr experimentell mit Menschen, Bildern und Themen gearbeitet, er war kein Dokumentarfilmer im herkömmlichen Sinne.

Der Film beginnt mit dem ersten entscheidenden Bruch in Anne Clarks Karriere. Sie erzählt, noch immer sichtlich bewegt, wie sie schon auf der ersten großen Tour mit dem Gebaren der Musikindustrie kollidiert, abgezockt wird und desillusioniert in die norwegische Isolation flüchtet. Ein harscher Einstieg.

Also, ich wollte definitiv nicht mit Kindheitsbildern beginnen … Für Annes Schaffen war die frühe Enttäuschung von großer Bedeutung. Dass dieser biografische Punkt früh im Film kommen muss, um auf die Fallhöhe zu verweisen, war klar. Dass er jetzt ganz am Anfang steht, hat sich erst entwickelt.

Wie wohl auch die Offenheit, mit der Anne Clark über persönliche Dinge spricht. Sie wirkt, gerade als es um ihre Eltern geht, sehr fragil. Auch der Besuch in „ihrem“ Croydon nahe London ist bewegend.

Mir war es wichtig, nichts Persönliches aus ihr herauszulocken, das nicht in die Öffentlichkeit gehört. Es ging nur darum zu zeigen, wie das Erlebte in ihr künstlerisches Schaffen eingeflossen ist, das dann wiederum so viele andere Menschen anspricht. Mir ging es schließlich genauso.

Wie wichtig ist Ihnen, dass Anne dieser Film gefällt? Es ist Ihr Werk über sie, mit Ihrer visuellen und künstlerischen Idee dahinter. Zugespitzt formuliert, muss der Film Anne Clark gar nicht gefallen.

Mir war wichtig, dass sie dahinter stehen kann, einverstanden ist und sagt: Ja, es ist korrekt! Ja, es ist stimmig! Ich hatte das große Glück, dass sie mir in meiner freien Gestaltung vertraut hat.

Die Dresden-Premiere von „Anne Clark – I‘ll Walk Out Into Tomorrow“ findet in Anwesenheit von Regisseur Claus Withopf am Sonntag, 20 Uhr in der Schauburg statt. Regulär startet der Film ab Donnerstag, 25. Januar im Programmkino Ost

Von Anne Daun

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