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Medien „Die Konfirmation“ – ein Drama über Religion
Nachrichten Medien „Die Konfirmation“ – ein Drama über Religion
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14:12 16.06.2017
Etwas, das größer ist als wir: Ben (Tim Litwinschuh) lässt sich ohne das Wissen seiner Mutter von Pfarrerin Tabea (Christina Große) taufen. Quelle: Foto: ARD
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Hannover

Der 15jährige Ben (Tim Litwinschuh) macht etwas ganz Verrücktes: Er lässt sich heimlich evangelisch taufen und freut sich auf seine Konfirmation. Als er seiner Mutter Johanna (Ulrike C. Tscharre) von der Taufe erzählt, ist sie zunächst überzeugt, es habe sich um eine Wette oder eine Mutprobe gehandelt. Diese Reaktion ist die erste Irritation: Die Taufe mag kein Automatismus mehr sein, aber zwei Drittel der Deutschen sind zumindest formal nach wie vor Christen. Johanna jedoch reagiert, als habe sich der Sohn einer Sekte angeschlossen. Natürlich ist sie enttäuscht, dass der Junge sie nicht einbezogen hat – trotzdem wirkt ihre emotionale Ablehnung unmotiviert.

Irritierende Figuren überrumpeln den Zuschauer

Die zweite Irritation ist die Konsequenz, die die Mutter zieht: Ihre Antipathie schlägt ähnlich unplausibel ins Gegenteil um. Nun will sie Ben ein Fest ausrichten, das er nie vergessen soll. Prompt fühlt sich der Junge überrumpelt, als sie seine Feier zu ihrer macht. Weil sie sich das alles gar nicht leisten kann, geht sie ins Casino, wo sie prompt ihre Ersparnisse verspielt. Nun steht sie mit gänzlich leeren Händen da: Sie ist pleite und verschuldet, der Sohn wird erwachsen und entgleitet ihr, und ihren Freund Felix (Ben Braun), dem sie ihre Spielsucht nie gestanden hat, hat sie auch vergrault; er tröstet sich ausgerechnet mit Bens Pastorin (Christina Große).

Perfekter Beitrag zur Themenwoche „Woran glaubst Du?“

„Die Konfirmation“ bietet viele reizvolle Ansatzpunkte und passt selbstredend perfekt in die ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“. Religion ist nur selten Gegenstand von Fernsehfilmen und als Thema potenziell hochinteressant. Johannas Mutter-Blues ist ein Aspekt, den ohnehin die meisten Eltern nachvollziehen können; und die Patchwork-Konstellation ist ebenfalls aktuell. Leider kann sich die mehrfache Grimme-Preisträgerin Beate Langmaack („Guten Morgen, Herr Grothe“) nicht entscheiden, welche Geschichte sie mit ihrem Drehbuch erzählen will. Das zeigt sich nicht zuletzt am häufigen Wechsel der Perspektiven: Mal steht Johanna im Zentrum, dann Ben und schließlich Felix. Natürlich kann so etwas trotzdem funktionieren, aber dann müssten die Figuren und ihre Motive schlüssiger sein. Gerade weil Bens Glaube für Johanna so etwas Abwegiges hat, hätte diese Ebene stärker in den Vordergrund gerückt werden müssen.

Zumal „Die Konfirmation“ eine Produktion der Tellux-Film ist. Die Firma gehört zur Tellux-Gruppe, die sich mehrheitlich im Besitz der katholischen Bistümer befindet. Allerdings hätte die ARD (der Film wird von der ARD-Tochter Degeto verantwortet) eine theologische Auseinandersetzung vermutlich nicht akzeptiert; für einen Freitagsfilm ist der Stoff ungewöhnlich genug.

Der Held spricht vielen Menschen aus dem Herzen

Auf der anderen Seite spricht Ben mit seinem Glaubensbekenntnis – „Da ist was, das größer ist als wir“ – vielen Menschen aus dem Herzen. Gerade im Rahmen einer religiösen Themenwoche hätten daher noch ein paar Sätze mehr möglich sein müssen. Die Figur von Pfarrerin Tabea ist da auch nicht weiter hilfreich. Es gibt eine Stippvisite im Konfirmandenunterricht, bei der sie kurz über den Unterschied zwischen dem Vater im Himmel und den leiblichen Vätern plaudert; ansonsten bleibt als Eindruck eine Konfirmanden-Party, die derart aus dem Ruder läuft, dass Tabea ausgerechnet Johannas Freund um Hilfe bittet.

Buch und Regie vertrauen nicht auf ihre Hauptfigur

Regie führte der vielfach ausgezeichnete Stephan Krohmer. Die Geschichte ist ein Drama, aber er versucht, ihr einen leichten Tonfall zu geben, was nicht recht funktioniert. Letztlich ist das größte Manko, dass sich die Verantwortlichen nicht getraut haben, den Jungen zur Hauptfigur zu machen.

Sehenswert ist der Film dennoch, nicht nur wegen der guten Schauspielerriege: Langmaack und Krohmer mögen keine überzeugende Erzählstrategie gefunden haben, aber Denkanstöße vermitteln sie trotzdem.

Von Tilmann P. Gangloff/RND

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