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Nachrichten Medien Der Film zur „Ehe für alle“ – „Unser Kind“ in der ARD
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05:55 07.11.2018
Keine heile Familie: Schwiegertochter Ellen (Susanne Wolff, links) beim Schwiegervater Johannes (Ernst Stötzner), der sich liebevoll um seinen kleinen Enkel Franz kümmert, während seine Frau Evelyn (Victoria Trauttmansdorff) in Sachen Familienzuwachs skeptisch bleibt. Quelle: Foto: Martin Valentin Menke/WDR
Hamburg

Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte konstruiert, selbst wenn es echte Vorbilder gibt: Ein lesbisches Paar erfüllt sich den Kinderwunsch, indem sich eine der Frauen mit dem Samen eines Freundes künstlich befruchten lässt. Als die leibliche Mutter stirbt, entbrennt ein Sorgerechtsstreit zwischen ihrer Lebenspartnerin, dem Samenspender und den Eltern der Verstorbenen.

Ausgerechnet Ellen (Susanne Wolff), ohne deren Kinderwunsch der kleine Franz gar nicht existieren würde, hat beim Streit um das Sorgerecht die schlechtesten Karten, denn sie ist bloß Vormund. In der Politik gibt es aktuell zwar Bestrebungen, solche Frauen zur „Mit-Mutter“ zu erklären, aber in Deutschland gilt eine Lebensgefährtin nicht automatisch als Elternteil, auch wenn sie zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet war. Das bestätigte der Bundesgerichtshof erst kürzlich in einem Beschluss.

„Unser Kind“: Verheiratet, trotzdem nicht gleichberechtigt

Selbst ein Drama mit derart speziellem Sujet und dem Anspruch, die aktuelle Rechtslage miteinzubeziehen, lebt jedoch vom Zwischenmenschlichen. Deshalb ist die emotionale Authentizität mindestens so entscheidend wie die Korrektheit der juristischen Details.

Weil es gleich sechs wichtige Figuren gibt, ist „Unser Kind“ letztlich ein Ensemblefilm, der zudem vorzüglich besetzt ist: Ernst Stötzner und Victoria Trauttmansdorff spielen die Großeltern, Andreas Döhler den Erzeuger, Lisa Wagner seine Lebensgefährtin, die kein Verständnis dafür hat, dass ihr Freund sein Versprechen bricht, keine Vaterschaftsansprüche anzumelden.

Rückblenden machen den Film „Unser Kind“ reizvoll

Dank einer reizvollen Rückblendenkonstruktion wirkt auch die leibliche Mutter mit: Der Film beginnt mit der Trauerfeier für die verstorbene Katharina (Britta Hammelstein), dann folgt ein Schnitt auf den Moment, als sich die beiden Frauen entschließen, ein Kind zu bekommen. Gerade die Montage dieser Zeitsprünge macht einen großen Reiz der Geschichte aus.

Da der Film auf eine Gebrauchsanweisung verzichtet, ist nicht immer sofort klar, auf welcher Zeitebene die Handlung gerade stattfindet. Deutlich wird jedoch, dass es nach der Geburt zwischen Ellen und Katharina gekriselt hat. Trotzdem wäre Ellen die juristische Auseinandersetzung erspart geblieben, wenn sie den kleinen Franz gleich nach seiner Geburt hätte adoptieren dürfen, aber eine Mitarbeiterin des Jugendamts hat auf einem Adoptionspflegejahr bestanden.

Streit um das Sorgerecht

Katharina hatte die entsprechenden Unterlagen dabei, als sie von einem Auto erfasst wurde, aber seither ist die Mappe verschwunden. Ellen ist nun nach ihrem Tod mit der Doppelbelastung durch Arbeit und Kind trotz Tagesmutter überfordert. Dazu tritt ihre Schwiegermutter Evelyn ihr skeptisch gegenüber. Hilfe kommt hingegen von Schwiegervater Johannes, der sich als Rentner liebevoll um den kleinen Franz kümmert und ihn am liebsten gar nicht mehr hergeben würde.

Als die Tagesmutter des Babys ankündigt, nach Berlin zu ziehen, und Ellen vorschlägt mitzukommen, zumal ihre Eltern dort leben, stellt Johannes einen Antrag auf Vormundschaft; und auch der biologische Vater Wolfgang, selbst noch ein großes Kind, wie seine T-Shirts verdeutlichen, und als bekennender Kiffer aus Sicht der Mitarbeiterin des Jugendamts ohnehin kein Mustervater, will um sein Kind kämpfen.

Das Drama von Regisseurin Nana Neul ist vor allem darstellerisch sehenswert, weil es den Mitwirkenden überzeugend gelingt, die Konstruiertheit des Konflikts zu überspielen. Dennoch ist es vor allem die Erzählweise, die den Reiz des Films ausmacht: Einige der Rückblenden werden später wieder aufgegriffen, und erst dann erschließt sich ihre wahre Bedeutung. Es bleibt spannend bis zum Ende.

Von Tilmann P. Gangloff

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