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16:00 08.05.2017
Scharfsinn wird unterschätzt: Valeria Ferro (Miriam Leone) wirkt ein wenig verloren und hilfsbedürftig, was Mörder in Sicherheit wiegt. Quelle: Arte France
Rom

Valeria Ferro wirkt mit ihrem blassen Teint und den ausdrucksvollen Augen wie eine melancholisch-verlorene Gestalt aus einem alten Gemälde, hat es aber in Wirklichkeit faustdick hinter den Ohren und steht mit beiden Beinen fest im Leben. Der Turiner Oberinspektorin entgeht nichts, Verdächtige werden von ihr im Verhör schon mal hart rangenommen, und nervende Kollegen kann sie bisweilen brüsk abfertigen. Ihr großer Vorteil: Sie bemerkt Details, für die andere Kriminalbeamte keine Augen haben, und so ist es auch am Tatort ihres ersten Falles der Serie „Die Toten von Turin“, der sie in den überfluteten Keller einer verfallenen Industrieanlage führt, wo die Leiche der 15-jährigen Sara gefunden wurde.

Dunkel-poetische Bilder von Turin

Das schmutzige Wasser, so kombiniert Valeria Ferro nach einer ausgiebigen Besichtigung des gesamten Geländes, ist erst seit Kurzem im Keller. Der Mörder wollte die Leiche also nicht etwa im trüben Wasser verbergen, sondern hat sie ganz offen abgelegt. Er muss sein Opfer gekannt haben, kombiniert die Kommissarin, und nimmt das allernächste Umfeld des ermordeten Mädchens unter die Lupe. Schritt für Schritt kommt Valeria Ferro in dem mit dunkel-poetischen Turin-Bildern versehenen Krimi der überraschenden Wahrheit auf die Spur und lässt sich auch von ihrem eher komplizierten Privatleben nicht ablenken.

Hauptdarstellerin Miriam Leone ist in Italien keine Unbekannte: Bevor die heute 32-jährige Sizilianerin Schauspielerin wurde, machte sie als Schönheitskönigin Schlagzeilen, 2008 gewann sie gar den Titel der Miss Italia. Regisseur Gagliardi kennt sie von seiner Arbeit für die Serie „1992“, in der Miriam Leone eine tragende Rolle spielt.

Italien bietet erstklassige Serien

Erstklassige Fernsehserien aus dem Filmland Italien sind schwer im Kommen: „Gomorrha“ gilt als beste Mafia-Serie seit Langem, und die komplexe Politsaga „1992“ kann sich nach Meinung mancher Kritiker sogar mit dem US-Renner „House of Cards“ messen. Mit den beiden genannten Qualitätsserien aus Italien kann „Die Toten von Turin“ zwar nicht ganz mithalten. Doch auch diese italienische Produktion überzeugt mit Spannung, Atmosphäre und starken Schauspielern, allen voran die Hauptdarstellerin Miriam Leone, die sich als abgebrühte Turiner Ermittlerin Valeria Ferro mit der Aufklärung rätselhafter Verbrechen herumschlagen muss. Die bisweilen ziemlich düstere Serie des jungen italienischen Regisseurs Giuseppe Gagliardi, der mit „1992“ sein Können unter Beweis gestellt hat, läuft ab 11.Mai immer donnerstags in Doppelfolgen auf Arte.

Von Martin Weber

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