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Medien „Das Dach brennt in Europa“
Nachrichten Medien „Das Dach brennt in Europa“
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06:33 05.12.2016
Ulrike Guérot (v.l.), Wolfgang Sobotka, Anne Will, Ursula von der Leyen und Dirk Schümer diskutierten am Sonntagabend über gemeinsame Werte in Europa. Quelle: ARD
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Berlin

Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka grinste so unverschämt zufrieden in die Kamera, als hätte er gerade selbst eine Wahl gewonnen. Die Erleichterung war dem Bundeswahlleiter förmlich ins Gesicht geschrieben. Nicht etwa, weil soeben der europafreundliche Grünen-Kandidat Alexander Van der Bellen die Stichwahl gegen den Rechtspopulisten Norbert Hofer von der FPÖ gewonnen hatte. Sondern weil es in der Alpenrepublik nach einem Jahr und zwei gescheiterten Anläufen endlich gelungen war, die Wahl eines Bundespräsidenten unfallfrei über die Bühne zu bringen.

Unfreiwillig machte sich Sobotka damit zum Gesicht eines selbstbeseelten, technokratischen Europas, dem die Bürger seit einiger Zeit in Scharen die kalte Schulter zeigen. Dem ÖVP-Politiker Freude über das europafreundliche Wahlergebnis abzuringen, gelang selbst der geduldigen Anne Will nicht.

„Das Dach brennt in Europa“

Wie gut, dass Dirk Schümer, Europa-Korrespondent der „Welt“, rasch in die Rolle des nörgelnden Skeptikers schlüpfte und unentwegt nachbohrte. „Das Dach brennt in Europa. Und die Leute wenden sich in Millionenscharen ab“, sagte er. In Süditalien gebe es Massenarbeitslosigkeit von Jugendlichen. Afrikanische Flüchtlingsfrauen böten verzweifelt ihre Körper an. Italien biete ihnen keinerlei Hilfe und Unterstützung, nicht einmal ein Lageso. „Die Italiener und viele andere europäische Länder glauben nicht mehr, dass diese Form der Politik noch zu einem guten Ende führt.“

Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung, zeigte sich überrascht darüber, dass es nach Brexit und Trump-Schock in Österreich noch einmal gelungen ist, einen rechtspopulistischen Präsidenten zu verhindern. Optimismus wollte bei ihr deswegen aber nicht aufkommen. Auch Guérot schien die Selbstzufriedenheit des österreichischen Innenministers deutlich gegen die Hutschnur zu gehen. „Mich entsetzt die Gelassenheit, mit der viele Wähler eine Wahl Hofers akzeptiert hätten“, erklärte sie nachdenklich. Dies sei ein Achselzucken, das mehr aussage, als jedes Wahlergebnis. „Wir verteidigen Europas Werte nicht mehr. Stattdessen spielen viele die nationale Karte und verspielen dadurch unsere Werte.“

„Es gibt noch viel zu tun“

Das wiederum wollte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) so nicht stehen lassen. Europa und Euro hätten vielen Bürgern Wohlstand gebracht. Es gebe sehr wohl noch so etwas wie gemeinsame Werte. Ob diese Werte den Rechtsruck dauerhaft aufhalten könnten, vermochte die Ministerin aber auch nicht zu sagen. Nur so viel: „Ich bin erleichtert, aber es gibt noch viel tun.“

Von RND/Jörg Köpke

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