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Nachrichten Medien Darum lohnt sich der neue „Tatort“ aus Dortmund
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16:10 09.10.2016
Ermittlungen in der Rockerszene. Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, r.) wagt sich auf gefährliches Terrain (im Bild mit Oliver Masucci). Quelle: WDR Presse und Information/Bildk
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Dortmund

Eine Schießerei am helllichten Tag, mitten in Dortmund. Am Ende gibt es zwei Tote und eine Schwerverletzte. Weil sich die Tat im traditionell wenig kooperationsfreudigen Rockermilieu abgespielt hat, stehen Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) und sein Team im neuen Fall „Zahltag“ vor schwierigen Ermittlungen.

Und damit nicht genug: Ein Jahr nachdem Kommissar Daniel Kossik (Stefan Konarske) ein Disziplinarverfahren gegen seinen Chef angezettelt hat, ist nun endlich ein Kollege angerückt, um sich den unorthodoxen, aber erfolgreichen Faber einmal gründlich vorzunehmen.

Suspendierung wäre für Faber eine Katastrophe

Milan Peschel gibt mit dicker Brille und Strickjacke den kauzigen internen Ermittler Johannes Pröll, der stets alle Akten im rechten Winkel auf seinem Schreibtisch anordnet. Der Zugang zum Team fällt ihm schwer. Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tetzel) sagt nur „Ich habe dazu nichts zu sagen“, als Pröll sie zum Tod des Drogenhändlers Jamal Gomis und einer möglichen Mitschuld Fabers befragt.

Die Figur Pröll ist zwar karikiert angelegt – doch am Ernst der Situation besteht kein Zweifel. Würde Faber suspendiert, wäre es für den Einzelgänger, der nie den Tod von Frau und Tochter verwunden hat, eine Katastrophe.

Der Kommissar provoziert die Rocker

Und so flüchtet sich Faber zunächst mit seiner Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) in die Ermittlungen beim Rockerclub „Miners“ – denn ein Opfer der tödlichen Schießerei war dort Mitglied. Der Kommissar provoziert großmäulig die Männer in Kutten und versucht später den frisch aus der Haft entlassenen Boss des Chapters im persönlichen Gespräch auszuhorchen.

Und was tut Faber, um das Gespräch Prölls mit Kossik zu verhindern, seinem Chef, der ihn hasst? In einer Schlüsselszene füllt er den Alkoholiker Kossik nach allen Regeln der Kunst gnadenlos ab (grandios gespielt von Hartmann und Konarske). Das erwünschte Resultat tritt ein: Am nächsten Morgen ist auch dem internen Ermittler Pröll klar, dass Kossik ein Alkoholproblem hat.

„Unser Team ist im Arsch“

Einen Hauptkommissar, der seinen Kollegen ohne Rücksicht auf Verluste diskreditiert, hat es im „Tatort“ vermutlich noch nicht gegeben. Faber hat Ecken und Kanten, darf ein echter Unsympath sein. Und auch Bönisch und Dalay ermitteln sich nicht immer vorbildlich durch den Fall, sind zunehmend genervt von den männlichen Kollegen. „Unser Team ist im Arsch“, fasst es Faber zusammen.

Vorbilder für wenig heldenhafte Ermittlerensembles finden sich in US-amerikanischen und britischen Polizeiserien. „Tatort“-Drehbuch-Routinier Jürgen Werner und Thomas Jauch, der schon zum dritten Mal bei einem Dortmunder „Tatort“ Regie geführt hat, inszenieren dies glaubhaft und werfen auch die Frage auf, wie weit ein Polizist gehen darf, um ein Verbrechen aufzuklären. Schön parallel dazu zeigen sie eine Rockerbande, deren Regeln nicht mehr funktionieren und die sich in Machtkämpfen verliert.

Das ist das Problem am „Tatort: Zahltag“

Der eigentliche Fall, in den bald nicht mehr nur die Rocker, sondern auch libanesische Drogenhändler und die italienische Mafia verwickelt sind, gerät dabei allerdings ein wenig in den Hintergrund. Auch seine Auflösung ist letztlich wenig überraschend. Doch dies ist angesichts der spannenden Entwicklungen innerhalb des Ermittlerteams verzeihlich.

Problematischer ist, dass sich die internen Ermittlungen in „Zahltag“ auf den vorletzten Dortmunder „Tatort“ mit dem Titel „Kollaps“ beziehen, der bereits vor rund einem Jahr im Fernsehen lief. Selbst Fans werden die Handlung nicht mehr wirklich präsent haben.

Von Christiane Eickmann

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