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Medien NDR Talk schickt „niveauvoll ins Wochenende“
Nachrichten Medien NDR Talk schickt „niveauvoll ins Wochenende“
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15:59 17.01.2018
Vom Alltag entpflichtet: Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. Quelle: NDR
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Was haben Sie beide mit Dagobert Lindlau, Wolf Schneider, Hermann Schreiber gemeinsam?

Barbara Schöneberger: Dass alle drei lange bei der „NDR Talk Show“ dabei waren. Aber die sind doch eher dein Alter, oder Hubertus?

Hubertus Meyer-Burckhardt: Barbara, bitte. Die sind alle viel älter. Aber tolle Journalisten. Meinten Sie das?

Zu dritt haben sie 1979 die Premiere der „NDR Talk Show“ moderiert.

Schöneberger: Ah, gut zu wissen. Ich bin offenbar nicht so gut in der Sendungsgeschichte, aber man darf sich auch nicht zu sehr mit theoretischem Wissen belasten.

Meyer-Burckhardt: Sonst agiert man unfrei. Dagobert Lindlau sagte mal über Talkshows, die Deutschen säßen dabei immer schön aufm Sofa und fragten sich, ob der Moderator dies und das dürfe.

Spüren Sie auch diesen inneren Zensor im Nacken?

Schöneberger: Nein, aber wir sollen uns beim NDR stets eine personifizierte Standardfamilie vor Augen halten, um zu wissen, wie die Menschen so leben, wohnen, sind. Das ist lehrreich.

Meyer-Burckhardt: Wir wollen Leute erreichen, die sich Freitagabend vom Alltag entpflichtet fühlen, um easy, aber niveauvoll ins Wochenende zu starten. Dafür nehmen wir die Gäste ernst, aber uns nicht zu wichtig.

Schöneberger: Das unterscheidet uns von den Herren der ersten Stunde zu einer Zeit, als es immer auch um Konfrontation ging und die Leute solche Instanzen nicht nur akzeptiert, sondern gefordert haben. Auch deshalb sind wir eher unterhaltsame als moralische Instanzen.

Meyer-Burckhardt: Die Zeit des Personenkults hat mit dem Fernsehen an Relevanz verloren.

Schöneberger: Wir sind schlicht Gastgeber eines Begleitmediums, die sich nette Menschen einladen wie zu Hause, nur dass es dort mehr zu essen gäbe.

Ist „nett“ nicht die hübsche Schwester von „langweilig“?

Schöneberger: Für uns heißt das, eine Atmosphäre zu bieten, die Menschen zum Sprechen bringt. Das ist bei Kamera-Laien besonders wichtig. Aber auch, wenn Til Schweiger auf Promo-Tour tagsüber auf drei Fernsehsofas saß, müssen wir es ihm abends gemütlich machen. Wenn ich mir privat Leute einlade, suche ich die auch nicht nach Streitpotenzial aus. Dafür bin ich viel zu harmoniebedürftig.

Auch der Begriff ist negativ behaftet.

Schöneberger: Harmoniebedürftigkeit erweitert die gute Zeit in meinem Leben – ob beruflich oder privat. Ich mag es, wenn sich alle um mich herum wohlfühlen, das ist meine Natur.

Meyer-Burckhardt: Wir laufen nicht wie „Anne Will“ am Sonntagabend, wo sich die Leute argumentativ aufrüsten für den Kampf der kommenden Woche. Als Unterhaltungsmedium darf man uns lieben oder hassen. Überschätzen sollte man es nicht.

Schöneberger: Dennoch verliert diese Talkshow nie vollständig an Aktualität. Den Geschichten interessanter Leute zuzuhören, davon kann ich nie genug kriegen.

Meyer-Burckhardt: Geschichten, ob fiktional oder real, sind eben der Wesenskern des Fernsehens. In einer Zeit, wo der Umgangston nicht nur an den Brennpunkten wieder rauer wird, ist es doch ein gutes Zeichen, wenn sich verschiedene Typen, Temperamente, Haltungen hier hinsetzen und angenehm miteinander umgehen. Das hat schon fast eine politische Dimension.

Ist die Zielsetzung oder Nebeneffekt?

Schöneberger: Beides. Schon um abwechslungsreich zu sein, sind wir auf der Suche nach Heterogenität. Meine eigene politische Haltung ist mir dabei gar nicht so wichtig.

Meyer-Burckhardt: Doris Dörrie sagte kürzlich zu mir, neue Filmhochschüler schaffe sie erst mal raus aus ihren Milieus. Bildungsbürger ins Hofbräuhaus! Das wollen wir auch, und manchmal spürt man dann fast den Musenkuss auf einer einzelnen Sendung.

Gibt es da ein prägendes Beispiel?

Meyer-Burckhardt: Es ist für jede Sendung hilfreich, wenn ein romanisch-katholisches Temperament dabei ist. Wie Uli Wickert, der seinen eigenen Käse mitbringt. Fantastisch!

Schöneberger: Essen und Trinken hilft sowieso immer.

Gehen Sie beide nach zehn gemeinsamen Talkshow-Jahren nach der Sendung auseinander und treffen sich zwei Wochen zur nächsten wieder?

Schöneberger: Wir sind keine engen Freunde, aber obwohl wir uns zwischen den Shows eher selten sehen, sind wir uns schon sehr nah. Vorige Woche zum Beispiel hast du mir eine liebe SMS geschrieben.

Meyer-Burckhardt: Und du hast sofort geantwortet! Aber wir sind nur die Spitze vom Eisberg der Harmonie. Denn die Redaktion ist sich so nah, sie hätte vor 30 Jahren eine Kommune eröffnet. Wir sind Teil einer Familie.

Trifft die sich in 15 Jahren zur silbernen Hochzeit der „NDR Talk Show“?

Schöneberger: Ja!

Meyer-Burckhardt: Mit Ende 70? Ich weiß nicht …

Schöneberger: Komm, dann hak ich dich eben unter.

Von Jan Freitag/RND

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