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Medien „Angst in meinem Kopf“: (Kein) Entkommen aus der Gefängniswelt
Nachrichten Medien „Angst in meinem Kopf“: (Kein) Entkommen aus der Gefängniswelt
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14:26 10.10.2018
Gefährliche Nähe: Robert Sturm (Charly Hübner, rechts) bringt die Wärterin Sonja Brunner (Claudia Michelsen) mit Psychospielchen in seine Gewalt. Quelle: Foto: NDR
Hamburg

Eine Zelle auf der geschlossenen Station der JVA Rosdorf. Rauch hängt in der Luft, gedimmtes Licht fällt auf die beiden Protagonisten. Nur die Gesichter von Robert Sturm (Charly Hübner) und Sonja Brunner (Claudia Michelsen) sind zu erkennen. „Darf ich Sie zur Zerstreuung auf eine Runde Mühle einladen?“, fragt Insasse Sturm die Wärterin Brunner. Das ist eine der starken Szenen aus dem ARD-Thriller „Angst in meinem Kopf“, der streckenweise an den Psychoklassiker „Schweigen der Lämmer“ erinnert.

Eigentlich weiß die Gefängniswärterin, dass sie sich auf keinen Fall dem mehrfachen Mörder Sturm anvertrauen sollte. „Den wollen Sie nicht in Ihren Kopf lassen“, hatte ihr Kollege sie gewarnt.

Sie tut es trotzdem, denn für bedachte Entscheidungen ist es schon zu spät: Nachdem sie als Wärterin in der JVA Hannover eine brutale Geiselnahme erlebt hat, hat sich die traumatisierte Brunner versetzen lassen – in das vermeintlich entspanntere Rosdorfer Männergefängnis. Und tatsächlich trifft sie freundliche Insassen. Die Erfahrung steigt ihr zu Kopf, die einst so strenge wie idealistische Wärterin kommt Gefangenen näher, lässt sich zu kleinen Gefallen für den Knastdealer hinreißen, vertraut sich schließlich auch dem Mörder Sturm an.

Die Angst kehrt zurück, als ein Bus mit neuen Insassen vorfährt. Ein langer Schwenk auf den vorbeirollenden Bus, dann ein Zoom auf die Tür, aus der Michael Zäuner (Ralph Herforth) entsteigt. Nahaufnahme von Brunners vollkommen entgleisenden Gesichtszügen. Zäuner war einst ihr Geiselnehmer, hat vor ihren Augen mehrere Gefangene mit Benzin übergossen und angezündet. Wenig später erfährt der Zuschauer, dass Zäuner mit Knastdealer Ralle einen Ausbruch plant. Und, dass der erpressbar gewordenen Brunner dabei eine Rolle zugedacht ist.

Die Ankunft des Busses ist eine von wenigen Szenen, in denen der Film mit seiner ansonsten ruhigen Kameraführung bricht. Ob sich Brunner und ihr Mann Jens – ein gescheiterter Autor – mit einem befreundeten Paar treffen, die Tochter beim Abendessen ein neues Smartphone einfordert oder die Familie die Kosten des Totalschadens am Auto diskutiert. Der Thriller „Angst in meinem Kopf“ beschränkt sich lange Zeit auf statische Halbtotalen.

Für den Zuschauer ist das vor allem ermüdend, weil die Szenen aus dem Privatleben viel zu lang, die schauspielerischen Leistungen dabei dürftig und die Handlungsstränge verwirrend sind. So widmet der Film viel Zeit den materiellen Sorgen, die Brunners niedrigere Gehaltsstufe nach der Versetzung mit sich bringen. Und auf einmal entsteht der Eindruck, es liege eher am Geldmangel als am Trauma, dass Brunner eine folgenschwere Entscheidung nach der anderen trifft.

Ebenso irreführend sind die Szenen, in denen Brunners Mann ihre Arbeit im Gefängnis kritisiert. Das Motiv einer Frau im „Männerknast“, wie es Gatte Jens wiederholt formuliert, braucht es eigentlich nicht, um eine glaubhafte Abwärtsspirale zu zeigen. Regisseur und Drehbuchautor Thomas Stiller setzt trotzdem darauf, das Klischee zu bedienen.

Die meist ruhige Kameraführung während der Gefängnisszenen vermittelt ein Gefühl der Enge, schauspielerisch sind der Hannibal-Lecter-hafte Hübner und der brutale Herforth ebenso stark wie die zahlreichen Nebenrollen. Und Michelsen spielt überzeugend eine traumatisierte Gefängniswärterin, über die die Insassen immer mehr Macht gewinnen – was nicht gut gehen kann.

Von Christoph Höland

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