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Medien ARD gibt Mehmet Scholl den Laufpass
Nachrichten Medien ARD gibt Mehmet Scholl den Laufpass
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15:00 10.08.2017
Fingerzeig des Ex-Profis: Moderator Matthias Opdenhövel (l.) und Mehmet Scholl. So schön wird’s nie wieder. Die ARD trennt sich von ihrem Experten Scholl. Quelle: foto: imago
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Hannover

Wenn „Fußballexperten“ aufhören, ist es immer so: Der eine Zuschauer ist gottfroh, dass das unerträgliche Gefasel endlich aufhört, der andere traurig, dass die von ihm geliebte Stimme der Kompetenz verstummt. Des einen Experte ist des anderen Expertendarsteller. Bei Mehmet Scholl ist jedenfalls ab sofort Schluss mit der Live-Expertise, er wird für die ARD keine Fußballspiele mehr co-kommentieren. Man hat sich getrennt oder sich „darauf geeinigt, die Zusammenarbeit ab sofort zu beenden“, wie die ARD am Donnerstag in München mitteilte. Das branchenübliche, freundliche Einvernehmen.

„Große Zeit mit einem streitbaren Experten“

Neun Jahre war der ehemalige Bundesligaprofi und Nationalspieler als Kommentator im Ersten am Ball. Dann gab es eine Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Sender. Und jetzt weist man „Scholli“ höflich die Studiotür. „Wir bedanken uns bei Mehmet Scholl für die großartige Zeit mit einem meinungsstarken, streitbaren und originellen Experten, der unsere Sendungen extrem bereichert hat“, war gestern von ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky geradezu Abschiedseuphorie zu hören. Und Scholl wahrte die Contenance und machte einen artigen Verbaldiener. Er bedanke sich für die tollen und ereignisreichen Jahre als ARD-Experte, ließ er verlauten. Über die konkreten Gründe der Vertragsauflösung wurde indes Stillschweigen bewahrt.

Streit um einen Beitrag über Doping

Dass es hinter den Kulissen gärte, wurde schon im Juni vermutet, als Scholl beim Confed Cup in Russland plötzlich nicht mehr vor der Kamera stand. In der letzten Turnierwoche war statt seiner überraschend der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger am Analysieren. Am vergangenen Sonntag hatte Scholl in seiner Radiosendung „Mehmets Schollplatten“ im Bayerischen Rundfunk dann sein Fehlen begründet. Er habe an der Sendung nicht mehr teilgenommen, weil es Meinungsverschiedenheiten über die Vorberichterstattung gegeben habe. Scholl habe sich an einem Beitrag zum Thema Doping in der russischen Nationalmannschaft von 2014 gerieben. Der sei zweimal gezeigt worden, habe aber aus Sicht des Ex-Profis „in dem Moment überhaupt keine Relevanz“ gehabt.

Und da hat ihm der Sender wohl klargemacht, dass der kleine Schuster in der Schuhfabrik nicht das Design der Pantoffeln bestimmt. Mehmet, bleib bei deinen Leisten, war der Tenor. Er solle sich als Mikrofonist nicht in die Programmplanung einmischen. Zu viel Zurückweisung für einen Experten, der doch immer nur Gutes will.

Einer, der manchmal übers Ziel hinausschoss

Und der weithin – neben Oliver Kahn – als einer der besten unter den TV-talkenden Ex-Fußballern galt. Ehrlich, authentisch, direkt. Wenn er auch öfter mal mit seinen frechen Sprüchen über das Ziel hinausschoss. Legendär ist sein Krankenpflegersatz in Richtung des seiner Meinung nach zu wenig bewegungsfreudigen Mario Gomez bei der EM 2012. „Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund gelegen hat und mal gewendet werden muss“, hatte Scholl kommentiert. Drei Jahre später sah er ein, dem Spieler „richtig geschadet“ zu haben und entschuldigte sich.

Seit der Europameisterschaft 2008 war Scholl im ARD-Studio zu sehen, bis zur WM 2018 wäre sein Vertrag noch gelaufen. Berichte und Gerüchte, wonach ihm sein Rednerdienst mit stolzen 1,6 Millionen Euro pro Jahr vergütet worden sei, hatte der Sender dementiert. Was nun aus Scholl wird? Er legt erstmal weiter seine „Schollplatten“ (extrem guter Indierock-Geschmack) auf, wartet ab und trinkt vielleicht auch Tee. Trainer wolle er nach Ende seiner TV-Tätigkeit wieder werden, hat er 2015 dem „Spiegel“ verraten. Aber so weit muss es ja noch nicht sein. Scholl ist ein Publikumsliebling. Und es gibt ja noch andere Sender mit Bedarf an unangepassten, wortgewandten Fußballexperten.

Von Matthias Halbig / RND

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