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tjg-Spielstätte zeigt Tanzproduktion „Freude“ von Joshua Monten

Auftakt der 26. Tanzwoche Dresden tjg-Spielstätte zeigt Tanzproduktion „Freude“ von Joshua Monten

Dass auch Tanztheater zuweilen etwas eintönig sein kann, weiß man gewöhnlich erst nach einer Aufführung. So sind die Besucher zum Auftakt der 26. Tanzwoche Dresden in die neue tjg-Spielstätte ins Kraftwerk Mitte gänzlich unbeschwert und vertrauend gekommen, um sich die irritierenderweise „Freude“ benannte Tanzproduktion von Joshua Monten anzuschauen.

Tanzproduktion „Freude“ von Joshua Monten
 

Quelle: Christian Glaus

Dresden.  Dass auch Tanztheater zuweilen etwas eintönig sein kann, weiß man gewöhnlich erst nach einer Aufführung. Zumindest dann, wenn es die überhaupt erste Begegnung mit einer choreografischen Handschrift ist und sich bislang noch keinerlei Vergleichsmöglichkeiten mit weiteren Arbeiten ergeben haben. So sind offenbar die Besucher zum Auftakt der 26. Tanzwoche Dresden in die neue tjg-Spielstätte ins Kraftwerk Mitte gänzlich unbeschwert und vertrauend gekommen, um sich die irritierenderweise „Freude“ benannte Tanzproduktion von Joshua Monten anzuschauen, die 2016 in der Dampfentrale Bern uraufgeführt worden ist.

Joshua Monten, geboren in den USA, lebt nach diversen Engagements schon seit geraumer Zeit in der Schweiz als freischaffender Tänzer und Choreograf und bringt international gefragte Tanzproduktionen mit seiner 2012 gegründeten eigenen Companie heraus. In seiner jüngsten Arbeit sind zwei Tänzerinnen und drei Tänzer dabei, deutlich zu erkennen als absolut sehenswert und sehr vielseitig. Woran das Publikum mehr Vergnügen gehabt hätte, wären diese Qualitäten auch stärker gewichtet worden. Denn so, wie das Thema „Freude“ als bedachte Kurzform von Schadenfreude hier variiert ist, hat es sich vor allem in der Bewegungssprache schon nach kurzer Zeit erschöpft. Und es ist zu spüren, dass die Kunst des Bühnenkampfes, aufgebauscht zu einem abendfüllenden Stück, zwar der Impuls für eine Produktion sein kann, aber letztlich brauchte es da noch ein paar schlüssige Ideen zusätzlich.

Wer also geglaubt hat, hier würde mit Tanz eine Geschichte erzählt werden, diese aber nicht entdecken konnte und vielleicht auch noch mit der eigenen Wahrnehmung haderte, der kann völlig beruhigt sein. Es hat sich keine Geschichte dahinter versteckt, zumindest keine abendfüllende, tragfähige. Und die Bühnenkampf-Zutaten vom scheinbar schmerzhaften „Schattenboxen“ bis hin zum K.O. sind so überreichlich eingesetzt, dass wohl bald jeder weiß, wie eine solche schmerzfreie Variante zu bewerkstelligen ist.

Gewiss, Schauspielstudenten erlernen solche „Techniken“ in ihrer Ausbildung. Und auch Tänzer können darin geschult werden. Doch letztlich sind sie doch stets nur Mittel zum Zweck und als diese auch auf der Bühne in ein Geschehen eingebettet. Wie es hier halbwegs versucht wird, doch nur eben mit zu wenig Konsequenz. Schließlich assoziiert der Zuschauer schon in kürzester Zeit, dass man sich für sein eigenes Lachen angesichts der bewegt-stilisierten Gewaltorgie zwar (fremd und eigen) schämen kann, aber die Erkenntnis wird lang und breit weiter ausgetestet und so verliert das Ganze an Spannung.

Dabei ist durchaus zu erkennen, dass die markanten Momente des Abends sich mmer dann ergeben, wenn - und da gibt es deutliche Unterschiede - die tänzerischen Mittel wirklich und wahrhaftig gefordert sind. Zum Beispiel dann, wenn ritualisiert abgewatscht wird, vollzogen in einer fortgesetzten Reihe seitlicher Sprünge. Das ist gewitzt und quasi auch „überhöht“, verlangt eine spezielle Sprungtechnik, wie sie eben vor allem Tänzer beherrschen. Und in anderer Weise gibt es noch eine weitere Szene, die sich als „Sprungreihe“ bestens eingeprägt hat. Oder zum Beispiel diese Tischszenerie zu Ravels (verkürzt eingespielten) „Bolero“, was auch als Zitat verstanden werden kann. Und mit „Liszt“ und Tücke zwar Slapstick assoziiert, aber dann doch eher ausplätschert.

Zu Beginn kann man noch überlegen, warum der zunächst spielerische, scheinbar schmerzhafte Schlagabtausch überhaupt stattfindet und wer da wen und warum auf dem Kieker hat, besonders viel austeilt oder auch einstecken muss. Und wenn letztlich klar und einsehbar ist, warum es bei diesem Vorgang weniger weh tut, als es (akustisch begleitet) weh zu tun scheint, dann weiß man doch schon beinah alles. Und solch absehbares Vorausschauen könnte einfach überhand nehmen, wären da nicht noch diese markanten Tänzer.

So gibt es trotz unzähliger, sich fortsetzender Schläge und Übergriffe viel zu wenig, was tatsächlich nachdenklich stimmt. Und nur für Momente möchte man vielleicht eingreifen, um der Gewaltorgie ein Ende zu setzen oder den Opfern hilfreich zur Seite zu stehen. Keine Frage - Joshua Monten lässt die verschiedenen Varianten des geregelten Schlagabtauschs durchaus anklingen, aber irgendwie wird doch kein Ganzes daraus. Obwohl er das Paket letztlich wieder „zuschnürt“ und zum Anfang zurückkehrt. Die Tänzer agieren erneut frontal zum Publikum. Was immerhin eine Ansage ist. Gewalt gibt es überall. Wir müssen nur lernen, damit umzugehen.

Von Gabriele Gorgas

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