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Regional „parallel situation“ mit und von Barbara Lubich und Anna Till
Nachrichten Kultur Regional „parallel situation“ mit und von Barbara Lubich und Anna Till
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10:00 21.07.2017
Anna Till und Barbara Lubich (r.)  Quelle: Clemens Mart
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Dresden

 Es ist ein immer wieder aktuelles Thema, obwohl die Hoch-Zeiten der Tanzfotografie heute eher abgeklungen sind. Doch wie alle Künste, die mit ihren Eigenheiten aufeinandertreffen, haben Tanz und Fotografie in ihrer sensiblen, den Moment erfassenden Begegnung immer auch etwas Besonderes, dem sich keiner entziehen kann. Dabei geht es beileibe nicht nur um das allzu Perfekte oder gar um stagnierende, eingefrorene Bewegung, die als solche kaum mehr zu erahnen ist.

Beredte Tanzaufnahmen sind im schönsten Sinne quasi jene, die wir augenblicklich erfahren, so, als wären wir unmittelbar dabei gewesen. Das sind Arbeiten, die atmen, leben, und in ihnen verstecken sich auch Geheimnisse. Die gemeinsame Performance „parallel situation“ von und mit Barbara Lubich sowie Anna Till, unlängst mit zwei Aufführungen in der „Runden Ecke“ vom riesa efau erstmals dem Publikum offeriert, begreift sich auch als ein Projekt, das sich stetig weiter entwickeln wird. Auf eigenwillige, sympathische Weise bringt es etwas zusammen, was sonst eher am Rande einer Vorstellung oder bei Proben geschieht, macht den Prozess des Erkundens quasi öffentlich, gibt den Zuschauern Gelegenheit, mit zu beobachten, zu vergleichen, nachzudenken.

So haben sich die Fotografin und Filmemacherin Barbara Lubich und die nicht minder neugierig forschende Tänzerin und Choreografin Anna Till verbündet, um das Publikum unmittelbar einzubeziehen in die Suche nach dem – wie auch immer das gemeint sein könnte – gültigen Moment. In das Ausprobieren und Erfassen, wo das Besondere wahrzunehmen und zu bewahren, anderes nur für den Augenblick geboren ist. Was im Tanz nicht „aufgezeichnet“, „festgehalten“ wird, kann sich nur in der Erinnerung einprägen. Eine andere Art von Qualität, aber nicht minder kraftvoll. Das kennt doch wohl jeder.

Als Ausgangspunkt für diese Arbeit hat sich das Duo mit historischen Photographien von Bewegungsstudien aus den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts befasst. Ganz klein sind im Hintergrund der Bühne Aufnahmen der Tänzerin Niddy Impekoven sowie der Laban-Gruppe auszumachen. Und wer sie sich vielleicht bereits vorher angeschaut hat, wird schon bald daran erinnert sein. „Tanz, nichts als Tanz bietet die Kunst der Niddy Impekoven.“ So beschreibt es John Schikowski in seiner 1926 erschienenen „Geschichte des Tanzes“. Und er setzt hinzu: „Als Wunderkind begann sie ihre Laufbahn. Und auch heute, wo sie eine reife Künstlerin ist, sind ihre Tänze noch immer die Tänze eines Kindes.“ Dass Anna Till in ihrer Bewegung dieser zeitgenössischen Vorstellung nicht zwingend entsprechen muss, ist wohl naheliegend. Sie folgt mehr dem eigenen Gespür, und das auch angesichts der einbezogenen Aufnahme „Schalk“ von Karl Schenker. Die beiden Tanz-Bild-Forscherinnen machen dabei den Prozess der Annäherung öffentlich, lassen die Zuschauer mittels einer heute nicht ungewöhnlichen, aber doch immer noch raffiniert erscheinenden WiFi-Übertragung auf großformatige Bildflächen herausfinden, welcher Moment nun gerade aufgezeichnet ist. Klar, das ist der, wo es Klick macht. Denn Barbara Lubich „schießt“ keine Serienaufnahmen. Sie begnügt sich mit jeweils einer.

Überhaupt ist das Wort „aufgezeichnet“ eine schöne Sprachmetapher auch für die zeichnerisch „gebannte“ Bewegung. Denn solche Arbeiten in verschiedensten Techniken – wir sehen es wunderbar bei den frühen Protagonistinnen wie die „Serpentintänzerin“ Fuller oder Isadora Duncan, später besonders auch bei Mary Wigman und Palucca, um wenigsten einige zu nennen – nutzten nicht minder den variierenden Augenblick. Und versuchten die Bewegtheit von Körper, Seele und damit Wesentliches zu erfassen.

Das Besondere an diesem Projekt, das eine Koproduktion zwischen dem europäischen Zentrum der Künste Dresden in Hellerau und dem riesa efau ist und gefördert wird von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und dem Amt für Kultur und Denkmalschutz Dresden, beweist sich auch als eine Art Gemeinschaftswerk außergewöhnlicher Künstler. Wie beispielsweise Nikolaus Woernle, der bekanntlich immer wieder ein besonderes Gespür hat für das differenzierte, ausgewogene Klang-Geschehen auch eines solchen Abends. Oder Konstanze Grotkopp, die fantasievoll für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet. Mit dieser Szenerie und dem Raum an sich spielen die Performer, sorgen auch für Irritationen. Und wenn möglicherweise die moderne Technik versagen sollte, haben sie gewiss auch einen Plan B.

Wer diese Aufführungen zunächst einmal verpasst hat, bekommt noch eine weitere Chance, um sich das Projekt anzuschauen. Wie mitgeteilt, wird es am 9. Dezember dieses Jahres, Beginn 21.30 Uhr, sowie am 10. Dezember um 20 Uhr auch im Festspielhaus Hellerau zu erleben sein, und das im Nancy-Spero-Saal. Dann gewiss auch etwas verändert, aber das ist ja im Sinne des Ganzen. Wenn nur alles so frisch und frei bleibt wie bei diesem Start.

Von Gabriele Gorgas

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