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Regional die bühne der TU Dresden mit ihrem düsteren "Woyzeck"
Nachrichten Kultur Regional die bühne der TU Dresden mit ihrem düsteren "Woyzeck"
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22:47 09.09.2015
Eine Masse Mensch: Kristina Pflugbeil, Samuel Fink, Florian Gleissner, Luisa Binger (v.l.). Quelle: Siegmund

Nicht Büchner light in einer knappen Stunde, sondern Konzentration auf das erbärmliche Bild eines Hominiden, auf die Fratze, ja die Bestie Mensch.

Die Geschichte des missbrauchten Soldaten Woyzeck und seiner geliebten, gemordeten Marie, des Hauptmanns, des Doktors oder des Tambourmajors wird erst gar nicht erzählt und als bekannt vorausgesetzt. Originale Textfragmente sind ohne eindeutige Rollenzuordnung in eine Performance des Abgründigen und Absurden hineinmontiert. Die scheint nur die eingangs geäußerte These illustrieren zu wollen, "dass es ein Miteinander unter Menschen nicht gibt".

Es sind im Grunde austauschbare Figuren, die agieren. Kaum über animalische Instinkte hinaus gelangtes Menschenfleisch, wie es in Frischhaltefolie eingewickelt eingangs zu fünft auf der leeren schwarzen Bühne übereinander liegt. Haut und hautfarbene Minimalbekleidung lassen die Akteure wie die Kreaturen des Anfangs in einem Anti-Paradies erscheinen. Sie lassen ihre Geilheit aus, benutzen einander, fordern Luxus, brechen kollektiv in viehisches Gelächter aus. Die kleine Hinterbühne des Klemperer-Saals am Weberplatz wird räumlich geschickt in einer Art permanenter Choreografie bespielt. Woyzeck, ein Fall für die forensische Psychiatrie, scheint zuweilen wie ein Reigen abzulaufen. Wer alles mitbekommen will, hat an Symbolik reichlich zu kauen. Gestik und Körpersprache erschließen sich nicht in jedem Fall, wiederholtes Haareraufen oder Brustkraulen etwa.

Bei eiskaltem Licht werden gelegentlich ebenso eiskalte lexikalische Erläuterungen zu verwendeten Begriffen wie "Moral" oder "Luxus" eingeschoben. Die Inszenierung der TU-Studentenbühne kommt mit einer Büchse Erbsen als einzigem Requisit aus. Für Teile des Publikums mögen es Kichererbsen gewesen sein, wenn es sich spaßgewohnt eher über die dem Absurden gleichfalls innewohnende Komik amüsierte, als dass es erschrak.

Wenn etwas nicht ankam, lag es jedenfalls zum geringsten Teil an den fünf leidenschaftlichen Laienschauspielerinnen und -schauspielern. Erneut sehr respektabel, was die bühne leistet.

Aber warum muss es nach Schillers "Räubern" erneut ein Hit des Schauspiel-Standardrepertoires sein? Warum nicht etwas selten Gespieltes oder Zeitnahes? Auf Tantiemenfreiheit müssen sie achten, ist zu hören, und dann sollte es auch etwas zum "Andocken" sein. Der Markt ist eben überall.

Michael Bartsch

nächste Aufführungen: 18.4., 2., 5., 9.5

www.die-buehne.net

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.04.2012

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