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Regional -dass das immer so weiter geht: Element Of Crime in Dresdens Altem Schlachthof.
Nachrichten Kultur Regional -dass das immer so weiter geht: Element Of Crime in Dresdens Altem Schlachthof.
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23:50 09.09.2015
Sven Regener, der Erfinder des angehechteten Doppelarmstreckers mit Trompete. Quelle: Dietrich Flechtner

Danke dafür!

Auch an die Band, denn anno 2015 haben sie sich nicht nur entschieden, wieder ein Jahr älter zu werden, sondern noch einmal besser zu bleiben. Die Gelassenheit, mit der sie auf der Bühne agieren, war stets ihr großes Plus. Sie führte in den langen Jahren ihrer Auftrittsexistenz gerade in dieser Stadt - es begann ja schon in den frühen Neunzigern im längst zusammengefalteten Music Circus hinter der längst abgerissenen Eishalle - aber auch zu mancher Schludrigkeit, die der bekennende Fan durchaus als Müdig-, Lässig- oder Oberflächlichkeit interpretieren konnte. Oder eben nicht als Regenerierung, sondern Selbstkopie. Manchmal wollten sich Konstanten und Veränderungen einfach nicht mögen.

Element Of Crime wissen genau, wann es mit einer Platte hakt. Dann schafft sie es kaum ins Live-Programm. Sie wissen genauso, wann es ihnen miteinander besonders gut ergeht. Jetzt scheint wieder solch eine Phase zu sein. Auf "dass das immer so weiter geht"! Mindestens bis zum 17. Juli, wenn Crime ihr neuerliches Dresden-Doppel im Alten Winterschlachthof und in der Jungen Sommergarde vollenden werden. Ersteres Konzert war freilich ausverkauft, für letzteres gibt es - Stand heute - noch Karten. Könnte nach Ostern schon eine Falschinformation sein.

Im 30. Jahr ihres Bestehens haben Sven Regener (Gesang, Gitarre, Trompete), Jakob Ilja (Gitarre), Richard Pappik (Drums) und David Young (Bass) einen Saxophonisten dabei. Wie ganz am Beginn. Jürgen Fabritius ist es aber nicht, sondern Rainer Theobald. Ein guter Mann, zurückhaltend, genügsam und besonders für Regener und den Bandbühnensound von Gewicht, denn wo es im Studio die Möglichkeit gibt, Stimme und Trompete zu koppeln, fehlte immer das Horn, wenn Herr Regener vor Leuten sang. Dort ist jetzt Theobald. Schön auch, wenn sie beide blasen.

Element Of Crime haben noch mal am Licht gearbeitet, am Ton, an der Sorgfalt. An der Setliste arbeiten sie ja immer. Sie tun es glaubwürdig zuerst für sich selbst, nie vordergründig, um ihre Gefolgschaft im Gleichschritt zu halten. Im Vergleich zu anderen Bands sind acht von zehn aktuellen Songs einer neuen Platte üppig. Auch das ein Zeichen, für wie gelungen sie selbst "Lieblingsfarben und Tiere" halten. Und das Erdbeereis wurde ein Erdbeermarmeladenbrot. Im nach wie vor eher putzigen englischsprachigen Teil brachten Element Of Crime, jene durch Sven Regener unerschrocken die deutsche Sprache Ausschreitenden, diesmal von 1988 das giftig-wabernde "Nightmare" und den Eineinhalbminüter "Love & Happiness", der ja nun wirklich ein untypisch lustiger Raspler ist. Hier kam gesangliche Unterstützung von der Vorband Apples In Space, einem norwegisch-deutschen Duo. Nun, der Sohn des Regener-Intimus Leander Haußmann ist dabei, da kann man das schon mal machen, das mit der Vorband.

Apropos Haußmann: Sven Regener wunderte sich in der Ansage selbst ein wenig darüber, dass es "Immer nur geliebt" 15 Jahre lang nicht in die Konzerte geschafft hatte. Es stammt, wie dereinst drei andere, aus J.M. Barries Inszenierung von "Peter Pan" am Schauspielhaus Bochum, Regie: Leander Haußmann. Und wirklich: Es ist "nur" ein nächstes Stück über kaputte Freundschaft, ein Song, bei dem eine Zeile "Du wirst ein Tierfilmgucker sein, mein Freund, wenn ich mal nicht mehr da bin" bitter aufstoßen soll. Und stößt! Er hätte also immer schon gepasst. Jene Momente, da Element Of Crime das vordergründig Melancholische, Leichte, das Doppelbödige und Schrammelnd-Walzernde verlassen, sind von neuer nachhaltiger Wirkung: "Gelohnt hat es sich nicht", "Weißes Papier", "Immer so weiter" - das sind Brocken, keine Krümel über Abschiede und Alltagsschmerzen.

Die Nebenleben aller Musiker als Produzenten, Film-/Theaterkomponisten oder Autoren halten auch Element Of Crime am Puls. Eine Band, die es besser macht als die meisten Menschenpaare: Ihre Beziehung führt nach selbst auferlegter Pause nicht folgerichtig zur Trennung. Besonders Sven Regener, dessen Bücher von "Herr Lehmann" bis zur kommenden Biographie Andreas Doraus und Mitarbeit an Filmen ("Hai-Alarm am Müggelsee") viel offensiver wahrgenommen werden als die eher stillen Zweitjobs der Kollegen, hat daran wohl entscheidenden Anteil. An der nach wie vor herrlich fehlenden Bühnen-Show sowieso. Regener, der Erfinder des angehechteten Doppelarmstreckers mit Trompete, dessen längst gesetzter Ausruf "Romantik!" klingt wie "Mir nach zur Rettung!"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.03.2015

Andreas Körner

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