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Zwischen Alltag und Alptraum: Peter Herzog und Michael Heinzig in der Galerie am Damm

Zwischen Alltag und Alptraum: Peter Herzog und Michael Heinzig in der Galerie am Damm

In Dresden als Sohn einer estnischen Mutter geboren, entdeckte Peter Herzog erst spät das ihm gemäße Ausdrucksmedium, das es ihm ermöglichte, seine skurrile Fantasie auszuleben - die traditionelle Lasurmalerei in altmeisterlichem Sinne.

Das Besondere aber an seiner Malerei ist die expressiv-surreal verzerrte Form im Kristallspiegel romantischer Märchendichtung, seiner Nachtmahre und Geisterpoesie. Die Übersetzerin und Dozentin für Italienisch an der Hochschule für Musik, Elfriede Bieber (1904-1998), half dem suchenden Studenten, wie soviel anderen verständnisvoll auf die Sprünge, indem sie ihn in ihrem "Haus der Sprachen" in die "Welt des Geistes" einführte. So ausgerüstet, begann sich sein Leben zu wandeln. Aus einem unsteten Dasein voll Leidenschaft und Wirrnissen entwickelte sich ein Künstler, der bereits seit einigen Jahren mit beachtlichen Arbeiten auf sich aufmerksam machen konnte (art Karlsruhe 2011). Seit 1998 kennen ihn Romy und Peter Eisermann, vertreten ihn und stellen ihn jetzt auch mit einer aktuellen Bildauswahl in der Galerie am Damm aus.

Ähnlich dem Studenten Anselmus aus E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Der Goldene Topf" hat Herzog tiefe Erschütterungen und sonderbare Ereignisse erlebt, gleich der "Doppelexistenz" im Hoffmannschen Sinne. Seine Bilder regen zur Lesart von C.G. Jungs Traumdeutung an, es geht in ihnen um Menschen und ihre Symbole. Peter Herzog studierte in seiner zweiten Heimat Tallinn Regie. Vorher war er in Rom und an anderen klassischen Stätten der Kunst, begann zu malen und hin und her zu reisen. Die Bilderbesessenheit rückte in den Vordergrund. Noch heute lebt der Künstler als Großstadt-Nomade. Ein studierter Landstreicher, der sich nicht um seine Zukunft sorgt. Pendelnd zwischen Leipzig und Dresden, findet er beide Städte gleichermaßen anregend für seine Kunst. Dresden ist der Mittelpunkt für seine "spiriti", Bilder von Märchen und fernen Zeiten, in die er das eigene Leben flicht, Angstträume im Gewand zwielichtiger Bildallegorien. Damit gleichsam abarbeitend. Maltechniken und Farbauftrag sind den barocken Meistern abgesehen. Zeitgenossen wie Michael Borremans und Marlene Dumas interessieren ihn nicht nur formal. In den Dresdner Sammlungen hat er sich intensiv mit Rembrandt und Rubens beschäftigt. Seit 2004 weiht er sein Leben der Malerei. Das kleine Atelier auf der Grundstraße ist Ruhepol und Ort der Inspiration zwischen Bett und Staffelei. Gerade die jetzt entstandene Malerei mit ihrem Hauptbild "Der Geisterbeschwörer" setzt sich mit eigenen Träumen und Traumata (dem Tod der Eltern) auseinander. Auf dem Boden der Mystik entwickelt Herzog seine eigenen Ideen nach allegorischen Mustern alter Malerei. Rembrandt und Höllen-Brueghel natürlich inbegriffen. Ein Hauch von Altem, Geheimnisvollem, ein Grausen wie im "Goldenen Topf", versetzt in unsere Zeit.

Der Dresdner Fotograf Michael Heinzig beobachtet seine Motive im Alltag mit der analogen Kamera, auf der Straße, beim Schuheanziehen, Rasenmähen und Boulespielen im Park. Die zum Teil bewusst unscharf gehaltenen Bilder focussieren einen wesentlichen Bildausschnitt ("look"), der banale und scheinbar nebensächliche Menschenverrichtungen festhält. Die Art, wie damit umgegangen wird, offenbart austauschbare Situationen, wie sie immer wieder eintreten. Dabei frappiert das Malerische an den Alltagsimpressionen, das auf Peter Herzogs Kunst verweist. Bei den vier konstruktiven Fotografien der Dresdner Synagoge spielt Heinzig mit Farbe, Licht und Raum. Die Kubatur des Gotteshauses offenbart, je nach Kamerablick, ein aus Dreiecken und Vierecken bestehendes Linien-Konstrukt, geschickt dem Licht folgend angeschnitten, wo helle und dunkle Flächen einander berühren. Zwischen Himmelblau und den aus "Sandsteingold" unterschiedlich changierenden Oberflächen entsteht eine spannungsvolle sehr sinnliche Flächigkeit von Licht und Schatten, die Natur und Bauwerk reizvoll miteinander kommunizieren lassen. Heinz Weißflog

bis 25. September, Galerie am Damm, Körnerplatz 10, Kontakt: 0351/267 92 18, geöffnet Di-Fr 10-13/15-19, Sa 11-14 Uhr. Zur Finissage (Datum noch nicht bekannt) werden zwei 10-Minutenfilme von Peter Herzog gezeigt.

www.galerie-am-damm.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.08.2012

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