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Zwei Fragmente, lieber nicht zusammengefügt - Martin Weteschniks Thriller "7 Stunden"

Zwei Fragmente, lieber nicht zusammengefügt - Martin Weteschniks Thriller "7 Stunden"

Der Parnassus Chymicus, der Silberberg, gelegentlich auch Mons Philosophorum, Berg der Weisen genannt, liegt weder im Erzgebirge noch im Harz, weder in den Alpen noch in den Anden.

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Quelle: Cover

Hinter dem Namen verbirgt sich ein Kabinettstück, geschaffen im Auftrag des Universalgelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus von Johann Melchior Dinglinger, dem Hofjuwelier Augusts des Starken. Das Spätwerk Dinglingers, der den Weg des Adepten zum Arcanum darstellt, wurde (anscheinend zunächst kommissarisch) durch August Wilhelm Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel aufbewahrt, wird ausführlich im Testament des nur wenige Wochen nach Dinglinger verstorbenen Herzogs erwähnt. Die Spuren des "Silberbergs" verlieren sich dann im Dunkel der Geschichte.

In diesem verschollenen Kabinettstück soll etwas verborgen sein, das das Schicksal der Menschheit bestimmen kann, ein Transmutator. Unklar ist, was winkt. Reichtum? Macht? Unsterblichkeit? Könnte aber auch sein, dass das Teil so was wie die Büchse der Pandora ist. Was also, wenn jemand die geheimnisvolle Macht für ausgesprochen finstere Absichten missbraucht? Geöffnet werden kann der Silberberg jedenfalls nur mit einem Stück Papier, auf dem ein Zahlencode vermerkt ist. Die "Tschirnhaus-Legende" prophezeit den Untergang der Welt für den Fall, dass einst getrennte Hälften eines rätselhaften Papiers wieder zusammenfinden. Das ist das Ausgangsszenario des Thrillers "7 Stunden", der von dem in Frankfurt am Main lebenden Autoren Martin Weteschnik verfasst wurde. Der Roman spielt auf zwei Ebenen, ließ er bei seiner Lesung im Bräustübel in Loschwitz wissen. Es gibt eine kleinere historische Schiene, der Hauptteil spielt im Heute unter im "Außendienst" tätigen Leuten, die schon mal sagen: "Das wird deine Feuertaufe. Keine Zeugen. Wenn dort einer ist, legst du ihn um." Dieser Wettlauf gegen die Zeit, bei dem auch geklärt wird, ob ein "glasklarer Unfall" vielleicht doch ein Mordfall ist, ist nicht unspannend.

Weteschnik hat Germanistik studiert, ist danach ein bisschen rumgekommen in der Welt. Ein Jahr lebte er in Japan (ein halbes Jahr davon in einem Kloster), fünf Jahre in den USA. Vor allem das Jahr in Japan habe ihn sehr geprägt, meint der 1958 geborene Weteschnik. In Ungarn nahm er Schachtraining, verfasste ein Standard-Werk zur Taktik, dessen Grundgedanken er auf der Schach-Olympiade in Dresden 2008 vorstellte. Und hier stieß er auf die "Tschirnhaus-Legende".

Nicht zuletzt um den Weg der beiden jeweils mit einem Zahlencode versehenen Fragmente im Lauf der Zeit darzulegen, musste Weteschnik intensive Recherchen betreiben. So war der Autor nach Arbeiten im Archiv der Wolfenbütteler Bibliothek "sehr erfreut", als er in einem Testament eine Beschreibung von Dinglingers Silberberg aufspüren konnte (eine Abbildung existiert nicht). Das eine Fragment des ominösen Schriftstücks landet zunächst bei Johann Friedrich Böttger und wird dann von Bakunin entdeckt, das andere wandert von Person zu Person, von Leibniz über Münchhausen und Casanova zu Lessing, von Joseph van Praet (der Napoleon half, die Bibliothèque Nationale aufzubauen) über d'Isoard zu Paul Morphy. Den kennt kein Mensch, es sei denn, er spielt Schach. Morphy lebte von 1837 bis 1884, galt als Schachgenie, war der beste Spieler seiner Zeit. "Die Schachpartie zwischen ihm und dem Herzog von Braunschweig sowie dem Grafen d'Isoard 1858 in der Pariser Oper zählt zu den meistpublizierten Schachpartien", lässt Weteschnik wissen. Auch verschiedene Wissenschaftler tauchen in seinem Buch auf.

Martin Weteschnik: "7 Stunden" Dresdner Buchverlag, 310 Seiten, 21,90 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.06.2014

Christian Ruf

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