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Regional Zum Tode des Dresdner Malers Frank Georg Barycz alias Frank Herrmann
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20:31 09.09.2015
Frank Georg Barycz. Der weise Baum. Tempera/Acryl. 1999. Quelle: privat

Die mächtige Pranke seiner Malernatur beackerte den Boden der Malerei mit heftigen, aber auch einfühlsamen Schlägen. Jedes Bild, das er schuf und für gelungen befand, besitzt etwas von seiner Persönlichkeit und ist ein Original im besten Sinne des Wortes. Die mehr oder weniger abstrakten Ölbilder gingen immer auf ein konkretes Erlebnis zurück, alltägliche Begegnungen, Eindrücke oder Lektüreerfahrungen, die er sorgsam wie einen Schatz hütete und auf seinen Leinwänden ausbreitete. Poesie waltete in jedem seiner Werke. Dabei kam es zu einer Symbiose von Gegenstand und Eindruck. Die Stilisierung von Linie und Fläche führte zu eigentümlichen Schöpfungen, die etwas Vehikelhaft-Kreatürliches an sich haben. Die Linie wurde zum Weiser des Blickes, zur formalen Brücke zwischen den Flächen. Wie Balken oder gekrümmte Winkel breiten sie ihre Windmühlenflügel über die Bilder aus, wo Archaisches und Neubelebtes zusammenfließen, Mythen quichottesk in die Gegenwart projiziert werden und herüberblicken, ein wenig spöttisch und durchaus verträumt, wie es seine Art war, niemals aber hart und glanzlos, gar nicht kalt und seelenlos.

Das Farbgewitter von Frank Georg Barycz' Bildern zeigt die Vielseitigkeit seiner Handschrift an: Mal sind es große rote gegen Blau stehende Flächen, in die eine menschliche Signatur eingeschrieben ist. Mal sind es helle, zart pastellfarbene Weiten, die eine schwarze Linie krümmend rahmt. Die Mächtigkeit seines Farbauftrages erzeugte Stimmungen unterschiedlichster Art. So schwingen die Bilder zwischen einer behutsamen Flächigkeit und einer eher etwas aufgerauten Bildtiefe, in denen Deja-vous von Formen lauern, die das Auge kennt und neu zusammensetzen muss.

Frank Georg Barycz' Bildwelten knüpften Kontakte mit Mythen aus Ost und West, Nord und Süd: Von den Wikingern bis zu den ehemaligen Bewohnern der Osterinseln reichte seine Einfühlung in Mythisches, sein Interesse an anderen Kulturen, das durch gemeinsame Lektüren mit der als Restauratorin arbeitenden Ehefrau Claudia (deren Namen er annahm) angereichert und verfeinert wurde. In den Mythen fand Barycz die Wurzeln der Moderne auch als anthropologische und kulturgeschichtliche Impulse für die Gegenwart. Barycz' Handschrift wurde durch die paläolithische Höhlenmalerei (Altamira, Lascaux) ebenso bereichert wie durch die Felszeichnungen der Sahara, die alten ozeanischen Überlieferungen, orientierte sich aber auch an einem europäischen Künstler von Rang: Paul Klee.

Durch sorgfältige Schichtung der Farbe (Vorzeichnung, Lasurtechnik) erreichte er einen intensiven, von innen leuchtenden, transparenten Farbeindruck, der durch das Tempera eher rau und urwüchsig wirkt und sehr gut mit dem besonderen Thema zusammenstimmt. In anderen Arbeiten reizte Frank Georg Barycz die Struktur und die Geometrie des Gegenstandes, wie in den stark abstrahierten, völkerkundlich inspirierten Impressionen.

Er studierte an der HfBK Dresden bei den Professoren Kettner und Zoller. Farbe war für ihn vor allem Energie und Kraftstrom als ein geistiges Phänomen (im Sinne von Josef Beuys), das die Schichten des Unterbewussten aktiviert und strukturiert, also mitteilungsfähig auf höchstem Niveau ist. Frank Georg Barycz' Malerei spricht gleichermaßen intensiv Geist und Gefühl an und führt beim Betrachtenden zu Schwingungen und Resonanzen, die beglückend sein können.

Der Künstler, der auch und vor allem ein liebevoller Familienvater war, hinterlässt zwei Kinder. Um ihn und sein umfangreiches Werk hat sich der Dresdner Galerist Manto Sillack verdient gemacht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.01.2014

Heinz Weißflog

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