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Zoologischer Robin Hood nach Mainzer Meistersingern - Ronny Jakubaschk feiert ungewöhnliche Dresden-Premiere

Zoologischer Robin Hood nach Mainzer Meistersingern - Ronny Jakubaschk feiert ungewöhnliche Dresden-Premiere

Eigentlich ist es erstaunlich, dass Ronny Jakubaschk jetzt seine erste Dresdner Premiere feiern wird. Denn der Cottbuser des Jahrganges 1979 hat einerseits eine fast klassisch zu bezeichnende Theatersozialisation über die Spielstätten seiner Heimatstadt hinter sich: Übers Jugendtheater Piccolo, an dem er in Schul- plus Zivi-Zeit eine eigene Spielgruppe hatte, kam er zum Cottbuser Staatstheater, wo er vorm Studium ein Jahr hospitierte und sich von Christoph Schroth beeindrucken ließ.

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Ronny Jakubaschk inszeniert im Zoo "Robin Hood".

Quelle: Dorit Günter

Andererseits studierte er in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater Dramaturgie und hatte gute Kontakte nach Dresden, sein Patenkind lebt hier. Dennoch dauerte es bis zum vergangenen Jahr, dass über einen gemeinsamen Bekannten, den Dramaturgen Christoph Macha, ebenso Leipziger Schule und nun fest am Dresdner Theater Junge Generation engagiert, ein erster Arbeitskontakt mit Dresden zustande kam. Intendantin Felicitas Loewe sah sich Inszenierungen von Jakubaschk an und buchte ihn für die wichtige TJG-Sommerinszenierung in Kooperation mit dem Zoologischen Garten. "Robin Hood" für Leute ab acht sollte es sein, er entschied sich unter über zehn Theaterfassungen des Stoffes aus dem Mittelalter für die Fassung von Ulrich Zaum.

"Einerseits trägt sie viele schöne Abenteuermomente in sich, andererseits mischen hier die weiblichen Figuren in den Männerdomänen Räuberei und Widerstandskampf kräftig mit", begründet der Regisseur und lobt sofort sein Team am Haus. Ausstatterin Ulrike Kunze, ungemein kenntnisreich in Stilepochen, entwarf ihm die gewünschte Stegbühne, auf der zwischen Räuberspielplatz und Sheriffburg zuschauernah gestritten und gekämpft werden kann. Und auch sie schuf herrliche Kostüme, die in die Ursprungszeit verweisen. Dabei seien auch die Werkstätten über sich hinausgewachsen. Und Jakubaschk schwärmt von Hausmusiker Bernd Sikora, der eigens dafür neue Songs schuf und diese live mit Matthias Manz und Paul Hoorn spielen wird.

Sieht man Jakubaschks Vita, dann ist eine gewisse Stringenz zu finden. So war in den fünf Jahren Studium die Masterclass Schauspiel des Mozarteums Salzburg samt Salzburger Festspiele der krönende Abschluss - das ist nix für Jedermann. Und er ging sofort danach als Regieassistent zu Armin Petras ans Berliner Maxim-Gorki-Theater mit den bekannten Erfolgen. Hier war Zeit für eigene Inszenierungen und Erkenntnisse, als er neben Petras auch mit Sebastian Baumgarten, Jan Bosse oder Milan Peschel arbeitete. Und als persönlicher Gorki-Höhepunkt Volker Brauns "Helle Haufen" als Uraufführung der Berliner Fassung per Monolog von Ruth Reinecke, der letzten Verbliebenen der großen Alten am Haus.

Doch das Windschattensegeln im fixen Rahmen reichte bald nicht, seit sechs Spielzeiten ist Ronny Jakubaschk daher freier Regisseur und bereist von der Hauptstadt aus die Republik und hat bislang 17 Städte, davon sieben im Osten, als Referenz stehen. In Oldenburg inszenierte er mit dem "Barbier von Sevilla" seine erste Oper, die die Intendanz beim Wechsel nach Mainz dorthin übernahm. Das bescherte ihm seine bislang wohl aufregendste Premiere Ende April in Mainz. "Die Meistersinger von Nürnberg" - mit 140 Leuten auf Bühne und im Graben und die Solisten samt und sonders beim Rollendebüt. "Das Publikum tobte, die Kritik war gespalten, die Theaterleitung zufrieden", schmunzelt er heute. Aber das sei dort normal, wo sich ein Dutzend Rezensenten tummeln.

Fünf bis sechs Regiearbeiten leistet Ronny Jakubaschk derzeit jährlich. Arbeitsmäßig eigentlich zu viel, dafür reicht es zum Leben. Die Theater, die ihn engagieren - meist Stadt- oder Staatstheater - zahlen faire Honorare. Auch ein Ansporn: Es sind zwei TJG-Sommer mit je 20 Vorstellungen geplant - und der Vertrauensvorschuss des Publikums ist groß, denn Karten sind rar - derzeit sind die frühesten für die siebte Vorstellung am 20. Juno buchbar.

Wem die Premiere gut gefallen hat, der könnte sich anschließend sofort den Restjuni vertreiben, um auf Jakubaschk-Theater-Tour zu gehen: Erst zu Herrndorfs "Tschick" (13.) und Löhles "Barbaren" (24.) nach Halle, dazwischen und danach zum "Pinguin" (17.) und "Barbier von Sevilla" (28.) nach Mainz, wo man sich dann gleich nach Karten für die besagten "Meistersinger" (5. & 19. Juli) anstellen könnte.

Während die beiden Hauptdarsteller den Weg des öffentlichen Wandertheaters gen Westen gehen, wird Jakubaschk auch nächstes Jahr in Dresden weilen und für die Proben zur "Robin Hood"-Wiederaufnahme genug zu tun haben. Dann hofft er schon auf einen ersten Eindruck in der neuen Spielstätte im Kraftwerk: "Ich wünsche dem Haus, dass der Umzug gut klappt und das Haus so gut und erfolgreich bleibt."

Premiere im Zoo Dresden am Freitag, 19.30 Uhr, danach nahezu täglich bis 8. Juli www.tjg-dresden.de; www.ronnyjakubaschk.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.06.2015

Andreas Herrmann

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