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ZZ Top bei den Filmnächten am Dresdner Elbufer

Unter Naturschutz ZZ Top bei den Filmnächten am Dresdner Elbufer

ZZ Top zum zweiten Mal in Dresden: Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard ziehen gerade durch Europa, so wie sie stets durch Europa ziehen. Die Texaner wissen, dass sie keine Veränderungen brauchen, weder in Sachen Image noch Material. Dass es einfach keiner will und erwartet von ihnen.

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ZZ TOP mit Dusty Hill (links, Gesang, E-Bass), Frank Beard (Mitte, Schlagzeug) und Billy Gibbons (rechts, Gesang, E-Gitarre) waren bei den Filmnächten am Elbufer.

Quelle: Andreas Weihs

Dresden. Die Zuhörer auf dem grünen Hügel – egal ob links oder rechts der Filmnächte-Bühne – hatten schlechte Karten. Und das, obwohl sie dieselben Karten hatten wie alle insgesamt 7500 Besucher. Aus der Suppe entsprang für sie an diesem wettergöttlichen Abend kein Sound. Dumpf, ohne Druck, zu leise (auch das gibt’s also!), man will meinen, dass genau das bei einem vermeintlichen Dampfrock-Ereignis in die Nähe einer tödlichen Gefahr rückte. Rückte es auch!

So, schon mal eingenörgelt! ZZ Top zum zweiten Mal in Dresden: Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard ziehen gerade durch Europa, so wie sie stets durch Europa ziehen. Die Texaner wissen, dass sie keine Veränderungen brauchen, weder in Sachen Image noch Material. Dass es einfach keiner will und erwartet von ihnen. Beruhigend, wem solche friedfertigen Anhänger gegeben!

Den vergleichsweise tiefsten Einschnitt setzten ZZ Top in den Achtzigern, als sie ihren minimalistischen, bluestriefenden, saitenweisen Boogie-Rock’n’Roll mit Synthis paarten. Das Solide thronte trotzdem weiter auf festem Riff. Das mögen sie, das mögen ihre stromlinientreuen Anhänger, die sich gerade auf dem alten Kontinent beharrlich zu Tausenden aufmachen, um nichts weiter zu hören als Bass/Gitarre/Schlagzeug (bis auf Momente, an denen sich Dusty Hill am Keyboard festhält), eine Liederliste, die nur marginal verändert wird, egal, ob Jahre vergehen oder Jahrzehnte. Die Tankstelle ZZ Top steht unter Naturschutz.

Gehen wir für diesen Rückblick noch einen Moment lang auf den grünen Hügel zurück. Denn da saß der repräsentative Schnitt eines ZZ-Top-Konzerts. Über grauhaarige Männer zu schreiben, denen sich das T-Shirt wölbt, kurz vor dem unteren Saum, ist langweilig. Über Frauen, die sie umarmen wie Weißt-du-Noch, nicht minder. Kinder waren dabei, die verdächtig nach Enkel aussahen. Andere, weil größere, schienen Söhne zu sein, genauer: infizierte Söhne, denn sie trommelten gemeinsam mit den Vätern ihre Rhythmen auf Schenkel und sangen textsicher mit. Exemplarisch war aber auch jener Moment, da mit dem ersten Stück des Konzerts – „Got Me Under Pressure“ vom 1983er Album „Eliminator“ – ein Fan vom Grase hochschnellte und die Luftgitarre anwarf. „Hinsetzen, Mensch!“, keifte es gleich hinter ihm. „Is‘ doch Rock’n’Roll, Mann!“, entgegnete der Gitarrist. Und verzog sich ins Steh-Halbrund vor der Bühne. Gehört hat er dort besser.

ZZ Top also! Mit 17 Songs, inklusive drei Zugaben, kommen sie auf gerade mal 80 Auftrittsminuten. Auch das ist bekannt. Länge ist zwar unwichtig, einige Besucher schauten dennoch entgeistert auf ihre Uhren. Und jetzt kommt das mit dem Alter, stimmt’s? 67 ist das neue 47 – und so richtig spreizfreudig waren Hill und Gibbons noch nie, auch Beard ist eher ein gelassener Drummer, also einer, der sein gelassen werden will. Und wann kommt das mit dem Outfit? Jetzt, da haben wir auch das weg! Stetson auf dem Kopf? Ja! Sonnenbrille? Ja! Glitzerschulter mit Leder? Ja! Bart dran? Was sonst? Und die Felle auf den Instrumenten, wenn sie „Legs“ spielen? Nicht neu, nur mit Perwoll gewaschen.

Bevor aus diesem Text ein reiner Erlebnisbericht wird, schnell noch ein paar Fakten aus dem musikalischen Sektor des Abends. 17 Songs meinen den Streifzug durch sieben von 15 Studioplatten in 47 Bandjahren. ZZ Top spielen auch an diesem Dresden-Abend wieder vor allem Unvermeidliches wie „Gimme All Your Lovin“ „Cheap Sunglasses“ oder das auf ewig Rauchzeichen versendende „Sharp Dressed Man“. Sie schließen freilich mit „Tush“, testen damit ja immer an, ob sie noch Lust auf eine finale Adaption haben. Hatten sie, und es war schon wieder diese ziemlich gruselig hingerotzte Version von „Jailhouse Rock“.

„Rough Boy“ bleibt mit der 80er-Weltraumorgel eine Edelschnulze, der Original-Blues-Mittelteil mit Hendrix‘ „Foxy Lady“ und Petways „Catfish Blues“ ruft nach Renovierung. „I Gotsta Get Paid“ und „Chartreuse“ bleiben die einzigen beiden Songs der neuesten ZZ-Top-CD „La Futura“. Neu heißt hier 2012.

Eine richtige Hardbluesrock-Party mit Originalen sieht anders aus. Die Stimmung köchelte kaum, geschweige denn rückte sie in die Nähe des Siedens. Es schien, als hätten die Angereisten oben auf und unten vor der Bühne eine Abmachung über friedliche, schaumgebremste Koexistenz getroffen. Spontan war Nullkommanichts, das Drehbuch ihrer Show haben Gibbons/Hill/Beard gefressen.

Und irgendwie ist es wirklich, als liefe ein Film. Immer die gleichen Posen, immer derselbe synchrone Ausfallschritt in Zeitlupe (der allerdings wirklich eine Marke ist), immer diese Verweigerung, um Gottes Willen nichts mehr zu tun als das, was als nötig angesehen wird. Damit kommen ZZ Top noch durch, andere ihres Schlages werden genau dafür abgestraft.

Von Andreas Körner

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