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Yuki Manuela Janke spielt die erste Geige: Sächsische Staatskapelle Dresden hat erstmals eine Konzertmeisterin

Yuki Manuela Janke spielt die erste Geige: Sächsische Staatskapelle Dresden hat erstmals eine Konzertmeisterin

Dass eine Geigerin mit ihrem Instrument für Aufsehen sorgt, ist nicht ungewöhnlich. Bei Yuki Manuela Janke aber doch. Denn mehr noch als die Besonderheit, dass die junge Künstlerin in den exakt 464 Jahren der Sächsischen Staatskapelle die erste Frau ist, die zur Ersten Konzertmeisterin der Violinen ernannt worden ist, hat jüngst ihre Stradivari aus dem Jahr 1736 Schlagzeilen gemacht.

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Ein Team: Yuki Manuela Janke und ihre Stradivari "Muntz".

Quelle: PR

Selbst bei der Asien-Tournee des Orchesters wurde die Musikerin vor allem in Japan oft ganz besonders begrüßt. Ein Grund dafür mag gewiss die Schönheit der jungen Frau sein, die 1986 als Tochter deutsch-japanischer Eltern in München geboren ist. Ihre Mutter stammt aus der Nähe von Osaka, als Kind hat Yuki oft die Großeltern besucht, spricht also fließend auch deren Sprache und kam mit begeisterten Klassikliebhabern in Kyoto, Nagoya, Tokio und Yokohama rasch ins Gespräch. Ein anderer Grund ist eben ihr Instrument, die Stradivari "Muntz". Die gehört einer japanischen Stiftung und wurde der Geigerin aufgrund herausragender Leistungen anvertraut. Bislang ausschließlich von Musikfreunden in aller Welt beachtet, Ende September jedoch auch von einem Zöllner am Flughafen Frankfurt/Main.

Bei der Einreise aus Japan konfiszierte der dieses einmalige Meisterwerk italienischer Geigenbaukunst und löste mit diesem Akt bundesdeutscher Steuerbürokratie ein Politikum aus, das für besagte Schlagzeilen sorgte. "Ich habe mir große Sorgen gemacht, wie die Geige dort wohl aufbewahrt wird", berichtet die nach der Rückgabe sichtlich erleichterte Musikerin. Es müssen bange Tage des Wartens für sie gewesen sein. Schwer vorstellbar, welch großer Stein ihr da vom Herzen fiel, als sie die "Muntz" endlich wieder in Händen halten konnte.

Zu gern würde sie diesen Vorfall ungeschehen machen, um auf die Musik, auf Kunst zu sprechen zu kommen. Doch so etwas bleibt haften, ist Thema bei Kollegen, wird journalistisch ausgeschlachtet und zum gefundenen Fressen bei Autogrammjägern. Dabei sind Yuki Manuela Janke und ihre "Strad" längst wieder ein Paar, sitzen während der ersten gemeinsamen Asien-Reise von Chefdirigent Christian Thielemann und Sächsischer Staatskapelle Abend für Abend am ersten Pult mit Konzertmeister Matthias Wollong und dessen Guaneri von 1676.

"Das ist schon etwas ganz Besonderes", erklärt sie während der Tour, "dass zwei Erste Konzertmeister auf einer Reise dabei sind." Thielemann selbst habe dies veranlasst, damit sich die Neueinsteigerin und ihre Orchesterkollegen besser kennenlernen können.

Nach ersten Eindrücken befragt, kommt Yuki Manuela Janke ins Schwärmen: "Das ist so ein traditionsreiches Orchester, ich bin noch immer überrascht, dass sie mich sofort angenommen haben und so offenherzig mit mir umgehen." Auch die eher ungewöhnliche Nachbarschaft am Pult genießt sie: "Wollong sagt nicht viel. Aber was er sagt, hat Hand und Fuß, man kann viel von ihm lernen."

Sie selbst hat mit dem Lernen schon früh, sehr früh begonnen. Beide Eltern waren Pianisten, die drei größeren Geschwister haben musiziert - Instrumente schienen so selbstverständlich wie Spielzeug. Daheim in München muss es wunderbar musikalisch zugegangen sein, mit drei Jahren lernte Yuki Violine und Klavier, griff später auch mal zur Bratsche, um in der Familie Klavierquartette zu spielen. In Bad Reichenhall gab sie mit neun Jahren ihr erstes Solokonzert mit Orchester, von 1998 an nahm sie an internationalen Wettbewerben teil und erntete in Weimar, Moskau, Genua, Paris und anderswo nur vordere Plätze.

Noch wichtiger für die Musikerin: "Dabei lernt man unglaublich viel Literatur kennen und wird viel sicherer, was das Auftreten und die Interpretation betrifft." Besonders stolz dürfte sie 2007 vom Sarasate-Wettbewerb aus Pamplona heimgekehrt sein, wo sie den 1. Platz und einen Sonderpreis für die beste Interpretation von Werken Pablo de Sarasates erhielt.

Vom selben Jahr an trat Janke auch in Japan auf und erinnert sich gern der dortigen Begeisterungsfähigkeit. "Anfangs war man immer überrascht, dass ich auch Japanisch spreche, obwohl ich insgesamt doch mehr europäisch orientiert bin."

Die Solo-Karriere war also bestens fundiert, schon mit 17, 18 Jahren, so die Geigerin, habe sie Solistin werden wollen. "Ich habe den Erfolg gesehen und nicht an Sicherheiten gedacht", blickt sie zurück, "mir dann aber doch die Frage gestellt, ob ich das wirklich will, nur aus dem Koffer zu leben." So eine Laufbahn kann sehr stressig und auch sehr einsam sein, weiß sie inzwischen.

Orchesterspiel, obwohl beim Studium am Mozarteum in Salzburg gründlich erlernt, sei ein gewisses Neuland für Yuki Manuela Janke gewesen. Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken muss sie dann aber doch überredet haben, dort eine Konzertmeisterstelle anzutreten. "Ein reines Sinfonieorchester, und ich hatte so großes Interesse an Oper, da musste ich bei dem Angebot aus Dresden also überhaupt nicht lange nachdenken." Was folgte, war Anfang Juni ein Probespiel, bei dem sie sofort überzeugt hatte, wie auch Chefdirigent Christian Thielemann gerne bestätigt. Beide Künstler ergänzen sich längst: "Ich will immer ganz genau sein, möglichst perfekt. Bei ihm erlebe ich eine Spontanität, die Musik unheimlich interessant macht." Seit "La Bohème" und dann ab den 2. Symphoniekonzert kann Yuki Manuela Janke nun Oper und Konzert verbinden und hat sich schon in die Herzen des Publikums gespielt. Sie genießt den neuen Lebensabschnitt: "Ich habe das Gefühl, dass man auch als Solist reifer wird, wenn man im Orchester spielt. Man ist von verschiedenen Dirigenten inspiriert, erfährt ein großes Repertoire, das fasziniert mich."

Das Debakel um ihre wunderbare Violine scheint längst vergessen zu sein. Bloß gut, denn ihr geht es um die Musik. Michael Ernst

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.12.2012

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