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Regional Yehudi Menuhins Geist
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07:30 20.07.2018
Der britische Stargeiger Daniel Hope widmet Yehudi Menuhin zum 100. Geburtstag eine Erinnerungs-CD. Quelle: dpa-Zentralbild
Dresden

Mit Daniel Hope kommt auch Yehudi Menuhin wieder nach Dresden. Der als Artistic Director für die musikalische Programmplanung verantwortliche Geiger ist vom Geist seines einstigen Lehrmeisters nachhaltig erfüllt, es vergeht kaum ein Gespräch mit dem 1973 im südafrikanischen Durban geborenen und vor allem in Großbritannien aufgewachsenen Musikers, ohne dass er diese „Ikone“ unter den humanistischen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts erwähnt.

60 gemeinsame Konzerte

Menuhin, im Frühjahr 1929 als knapp 13-jähriger Wundergeiger bereits in der Semperoper gefeiert, wo er unter dem damaligen Generalmusikdirektor Fritz Busch gleich drei Violinkonzerte (von Bach, Beethoven und Brahms) aufführte, hatte sich nach 1989 als einer der Ersten für den Wiederaufbau der Frauenkirche mit eingesetzt. Hope, bereits im Kindesalter diesem bedeutenden Musiker eng verbunden – später haben sie rund 60 Konzerte gemeinsam bestritten –, ist nun der Musikchef dieses Hauses. Er betont diese Verbindung mit Ehrfurcht und hebt stets hervor, dass es Menuhin gewesen ist, der sich mit von ihm dirigierten Benefizkonzerten für die symbolträchtige Wiederherstellung des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Barockbaus engagiert hatte.

Damit tritt Daniel Hope quasi ein mehrstimmiges Erbe an, das ihm sowohl persönlich als auch künstlerisch so bedeutsam ist. „Die Symbolik der Frauenkirche deckt sich mit meinen Idealen, was Frieden und Versöhnung betrifft“, erklärte der Geiger, dessen erste Tat die Spende für einen Menuhin-Sitzplatz im Gestühl gewesen ist.

Fruchtbare Partnerschaften

Seit seiner Ernennung zum Artistic Director hat er ein umfangreiches Musikprogramm erarbeitet, das mehr als 130 Veranstaltungen umfasst und dafür Partnerschaften mit den in Dresden vorhandenen Potentialen ebenso eingehen will wie mit namhaften auswärtigen Ensembles. Folglich werden neben Dresdner Philharmonie und Sächsischer Staatskapelle auch diverse Ensembles um Ludwig Güttler zu erleben sein. Dazu gesellen sich fruchtbare Partnerschaften mit dem Zürcher Kammerorchester, dem MDR-Sinfonieorchester, den Essener Philharmonikern und der Jungen Deutschen Philharmonie. Auch das seit vergangenem Jahr unter der musikalischen Leitung von Daniel Hope stehende New Century Chamber Orchestra San Francisco wird seine Aufwartung in Dresden machen.

Sir Yehudi Menuhin, aufgenommen 1988. Quelle: dpa-Zentralbilddpa-Zentralbild

Als besondere Herzensangelegenheit verfolgt Daniel Hope aktuelle Entwicklungen in der Gattung der Streichquartette. „Ich liebe dieses Genre heiß und innig“, betonte der Violinist zur Präsentation seines Programms und kündigte mit hörbarem Stolz ein Konzert des renommierten Emerson String Quartet an. Ferner werden das Appollon Masagète Quartett sowie das Schumann Quartett zu erwarten sein. Das Motto der „Wandlung“, von Hope verstanden als „erfahrbare Änderung aus der inneren Mitte heraus“, klingt ganz deutlich in mehreren Konzerten unter seiner Mitwirkung an. So wird er – nach einem Zusatzkonzert mit Anne-Sophie von Otter bereits im Dezember 2018 und einem „Auftakt!“ im Februar 2019 mit Kreuzorganist Matthias Grünert – in vier Konzerten unter diesem sprechenden Titel auftreten. Denen folgt stets eine „Director’s Lounge“, mit der jeweils persönliche Begegnungen von Publikum und Künstlerschaft verbunden sind.

Junge Künstler sollen mehr gefördert werden

In Frauenkirchkantor Matthias Grünert hat Daniel Hope, der in seinem neuen Amt „auf keinen Fall eine ‚Hope-Show‘“ absolvieren mag, einen einstigen Studienkollegen als künstlerisch aktiven Gefährten zur Seite. Auch der will „Wandlung“ im Sinne „nachhaltiger Programme“ verstanden wissen. „Keine stereotype musikalische Wiederholung, sondern neue Interpretationsansätze“ sollen damit verbunden sein. Das Publikum dürfe dies etwa bei Bachs Weihnachtsoratorium und der h-Moll-Messe erwarten und sich zudem auf Neuentdeckungen von Luigi Cherubini freuen.

In enger Zusammenarbeit mit der hiesigen Musikhochschule sowie in Kooperation mit dem Internationalen Musikwettbewerb der ARD soll die Förderung junger Künstler ausgeweitet werden. Die dafür aufgelegte Reihe „Young Artists“ beinhaltet ein Stipendiatenkonzert der Stiftung Yehudi Menuhin Live Music Now Dresden e.V. – das Geigenwunder von einst hätte gewiss seine Freude daran.

Als weiteres Novum im Musikjahr der Frauenkirche gibt es das sogenannte Dresden-Elbland-Ticket, um den Einwohnern von Dresden und dem Umland den Konzertbesuch auch finanziell schmackhaft zu machen. Musikalisch dürfte das Publikum 2019 ohnehin auf seine Kosten kommen, wobei es ein Anliegen Daniel Hopes gewesen ist, nicht mit „großen Namen“, sondern mit Inhalten zu punkten.

www.frauenkirche-dresden.de

Von Michael Ernst

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