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Regional Wunschvolles Unglück: "Gold!" des Niederländers Leonard Evers ist Musiktheater für die Kleinen an den Landesbühnen
Nachrichten Kultur Regional Wunschvolles Unglück: "Gold!" des Niederländers Leonard Evers ist Musiktheater für die Kleinen an den Landesbühnen
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17:16 09.09.2015
Patrizia Häusermann und Hendrik Gläßer. Quelle: Hagen König

Wieder einmal ist es - nach Cherubino, Hänsel und "Ariadne"-Komponist - eine Hosenrolle gewesen, in der sie begeistert. Auch wenn diesmal eher die Mützenrolle einer Alleindarstellerin daraus geworden ist. Denn die junge Sängerin hat jedes Mal, wenn sie im Musiktheater "Gold!" als Knabe zu agieren hatte, eine Strickmütze übers lange Haar gezogen. Verwandlung perfekt, auch die Jüngsten in der ersten Reihe hatten das sofort verstanden. Für die war überhaupt der Spaß am größten, denn in ihren Händen lag ein ganzes Meer!

Richtig, "Gold!" spielt am Wasser und handelt vom kleinen Jakob, der eines Tages einen winzig kleinen Fisch gefangen hat. Einen sprechenden Fisch! Der bat um sein Leben und versprach Jakob, ihm zu erfüllen, was der sich wünscht. Als Kind überaus armer Eltern, das bei jedem Schritt auf pieksende Muscheln trat, wünschte er sich praktischerweise erst einmal Schuhe. Die neidischen Eltern wollten das auch haben, wünschten sich dann eine wärmende Decke, dafür ein Bett, da herum ein Haus, als das zu klein schien, musste es ein ganzes Schloss sein. Immer wieder ging der Junge zum Ufer und überbrachte die neuen Wünsche, immer schwächer wurde das Fischlein. Bald wimmelte es im Schloss von fleißigem Personal und wurde es den gierigen Eltern zu turbulent, sie brauchten Urlaub, unternahmen Reisen und waren vom Trubel der Menschen überall nur genervt. Der ultimative Wunsch sollte ihnen endlich Ruhe verschaffen - was er auch tat, nur eben anders als erhofft. Der ultimative Wunsch ist ihr Desaster geworden.

"Gold!" bezieht sich aufs Grimm-Märchen "Vom Fischer und seiner Frau". Aus dieser alten Vorlage hat der junge niederländische Komponist Leonard Evers ein vergnügliches Stückchen gezaubert, das lediglich mit Sprechstimme, Gesang und Schlagwerk auskommt. An Marimba- und Xylofon nebst großer Trommel agiert Stefan Köcher (im Wechsel mit Hendrik Gläßer). Oft genügen da ein paar Rhythmen, und die Stimmung wird märchenhaft, beängstigend oder jubelnd. Das Rauschen des Meeres, in dem der Fisch ob der menschlichen Gier immer verzweifelter springt und tobt, das bewirken die Kinder in der ersten Reihe, indem sie mit riesigen blauen Folien heftige Wellen erzeugen.

Auf der kleinen Bühne ist Patrizia Häusermann, die präzise spricht und verständlich singt, mal der Jakob, mal die gierige Mutter, mal der nimmersatte Vater. Mütze auf, Mütze ab, schon funktioniert's.

Inszeniert wurde das kurzweilige Lehrstück von Klaus-Peter Fischer, der auch für die reisefreundliche Ausstattung sorgte. Alles passt in einen Wäschekorb. Denn "Gold!" ist nach der Premiere auf der Kleinkunstbühne Q24 in Pirna nun unterwegs, wird am Stammhaus Radebeul auf der Studiobühne gezeigt und tourt später durch Sachsen. Das Zielpublikum wird vom Spiel fasziniert sein, sich an witzigen Requisiten erfreuen und gebannt der so sensiblen wie energiegeladenen Verwandlungsfähigkeit von Patrizia Häusermann folgen. Dass die Geschichte eigentlich arme Leute vorführt, die sich vom Wohlstand haben blenden lassen, sehen sie vielleicht nicht. Aber wie ungesund es ist, so unbescheiden zu sein, das versteht jedes Kind. Solche Habgier kann nur ins finale Unglück führen.

Aufführungen: heute und morgen, 10.3., 28.4. Studiobühne der Landesbühnen in Radebeul; 16.3. Kulturhaus Freital, 24.3. Kulturhaus Böhlen, 19.5. Theater Meißen, jeweils 10 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.02.2015

Ernst, Michael

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