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15:45 10.11.2018
Der polnische Film "Die Maske" eröffnet die Osteuropäischen Filmtage: Heavy-Metal-Fan Jacek wird durch einen Arbeitsunfall auf der Baustelle vollkommen entstellt. Quelle: PR
Dresden

Dass sich über Humor trefflich streiten lässt, ist eine Binsenweisheit. Während sich die einen über Kaurismäkis skurrile Geschichten amüsieren, klopfen sich andere bei Pipi-Kacka-Witzen auf die Schenkel oder lieben die Scherze rabenschwarz und bitterböse. Aber ist das Humorverständnis auch von der Nationalität, von der Landeskultur abhängig? Dieser Frage gehen die Macher der Osteuropäischen Filmtagen nach, die am Sonnabend beginnen und bis zum 18. November im Dresdner Kino in der Fabrik (KIF) laufen.

Zehn Filme laden die Zuschauer ein, die Vielfalt des Humors zu entdecken. „Wir wollen zeigen: Worüber lachen unsere Nachbarn“, erläutert Mirko Schöne, Vorstandsmitglied im Kinofabrik e. V.. „Dabei kann man natürlich auch hinterfragen, ob Humor universell ist, ob man über die gleichen Dinge lacht wie Menschen aus anderen Ländern oder nicht.“ Der Kinofan fügt ein Beispiel an: „Der Ausflug“, ein polnischer Film aus dem Jahr 1970, sei bei unseren Nachbarn absoluter Kult, aber er selbst habe nur leicht darüber schmunzeln können. „Dafür habe ich mich beim tschechischen ‘Feuerwehrball‘ sehr amüsiert, weil der diese Feuerwehrtruppe völlig demontiert.“ Auch Komödien-Klassiker wie „Rette sich wer kann“ (SU 1961), „Lauf, Ober, lauf“ (ČSSR 1981) und Kusturicas „Schwarze Katze, weißer Kater“ (F/Serbien 1998) werden auf den KIF-Leinwänden zu sehen sein – einige als restaurierte Digital-Fassung, andere wie der „Ober“ als klassische 35-mm-Filmkopie.

Schaumbad mit Tiger: Der sowjetische Straßenfeger "Rette sich wer kann" ist bei den 6. Osteuropäischen Filmtagen wiederzuentdecken. Quelle: PR

Lachkulturen und Humordiskurse

Den wissenschaftlichen „Unterbau“ zum Humor-Schwerpunkt liefert das Institut für Slavistik der TU Dresden. Dort läuft eine Seminarreihe zu „Lachkulturen und Humordiskursen“. Experten der TU werden an zwei Abenden lockere Einführungen in den ländertypischen Humor Polens, Tschechiens, Russlands und Ex-Jugoslawiens geben.

Mirko Schönes Film-Favorit „Feuerwehrball“ bildet die Verbindung zu einem Mini- Schwerpunkt der osteuropäischen Filmtage: das 50. Jubiläum des Prager Frühlings. „Der Film war verboten, wurde 1968 noch mal kurz gezeigt und dann wieder verboten“, so der Cineast. Nach einem Vortrag zu den Filmen des Prager Frühlings läuft am 14. November „Der Leichenverbrenner“, eine bitterböse Parabel über Faschismus, Mitläufertum und Opportunismus, die trotz ihrer 50 Jahre immer noch aktuell ist.

„Wir gucken auf Festivals bewusst mehr osteuropäische Filme“

Aktuelle Produktionen aus Osteuropa bilden den zweiten großen Schwerpunkt der komplett ehrenamtlich organisierten Filmtage. Die drei Hauptorganisatoren vom Kinofabrik-Verein, Eva Grübel-Hoffmann, Frank Apel und Mirko Schöne, nehmen Filme ins Programm, die sie auf der Berlinale, beim Filmfestival Cottbus, dem Neiße-Filmfestival oder den russischen Filmtagen Berlin entdeckt haben. Bewusst haben sie den polnischen Berlinale-Preisträger „Die Maske“ als Eröffnungsfilm der Osteuropäischen Filmtage ausgewählt. „Der schlägt viele Themen an und ist auch optisch gut gemacht“, lobt Schöne. „Es geht darum, Gesicht zu zeigen, sein Gesicht zu wahren, die Haltung zu bewahren.“

Andere Filme wie den modernen Stummfilm „TodMachine“ empfehlen die Partner, etwa von den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen. „Einige Filme, auf die wir sehr neugierig sind, weil wir Gutes darüber gelesen haben, nehmen wir auch unbesehen ins Programm“, schmunzelt Schöne. Er selbst sei wegen der Inszenierung und der Bilder sehr gespannt auf „November“, ein dunkles Erwachsenen-Märchen aus Estland. „Das soll an das Kino von Tarkowski und Bela Tarr erinnern, und die mag ich beide sehr.“

Das Zuschauerinteresse an M.-Kontschalowski Epos "Sibiriade" erschöpfe sich nicht, so Mirko Schöne vom Kinofabrik e. V.. "Die Leute gucken den ein zweites oder drittes Mal." Quelle: PR

Wenn der Knoblauch-Geruch durchs Kino wabert

Auch kleine Traditionen haben die Osteuropäischen Filmtage bereits: „Wir versuchen, junge Filmemacher zu begleiten“, so Schöne. „Wir zeigen also die jüngsten Arbeiten von Regisseuren, die früher schon mal mit einem Film in unserem Programm vertreten waren.“

Und natürlich darf die „Sibiriade“ nicht fehlen, M.-Kontschalowskis monumentales Epos. Der Dreieinhalbstünder wird von einem deftigen russischen Frühstück unterbrochen – mit eingelegtem Gemüse, Fisch, Wodka und natürlich Knobi.

„Diese Filme gehören zu unserer Lebenskultur“

Die Liebe zu den großen Regisseuren aus Polen, Russland oder Tschechien war es auch, die die Mitglieder Kinofabrik e. V. veranlasste, 2013 die Osteuropäischen Filmtage ins Leben zu rufen. „Viele von uns lieben diese alten sowjetischen Filme. Die waren zu DDR-Zeiten häufig in den Kinos zu sehen, aber das ist nach der Wende eingeschlafen – dabei machen die Osteuropäer immer noch viele und gute Filme“, resümiert Vereinsvorstand Schöne. „Wir möchten einfach Filmen aus unterrepräsentierten Ländern ein Podium bieten.“

Programm unter www.kinofabrik-dresden.de

Von ttr

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