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Regional Wolfgang Rothe mit guter Bilanz
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11:32 05.07.2018
Die Semperoper, kultureller Anker der Stadt. Quelle: Matthias Creutziger
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Dresden

Das Intendantenzimmer der Semperoper war lange verwaist, wurde nur hin und wieder für Besprechungen genutzt. Wolfgang Rothe hat sein bisheriges Büro behalten und dessen Tür nicht mit dem Titel „Intendant“ schmücken lassen. Trotz Doppelfunktion als Kaufmännischer Geschäftsführer der Sächsischen Staatstheater und Kommissarischer Intendant der Staatsoper wolle er sich „Respekt und Kompetenz nicht durch einen Titel behaupten, sondern erwerben durch das, was man tut.“

Ab kommender Spielzeit wird der 57-Jährige wieder sein bisheriges Amt bekleiden, auf die sechs Jahre im Doppelamt als Verwaltungschef und Intendant blickt er „mit Stolz und Zufriedenheit“ zurück. Gestern zog er Bilanz und hob unter anderen die 93-prozentige Auslastung des Hauses hervor, ein schönes Indiz für seine Zufriedenheit. Um das zu erreichen, musste sich Wolfgang Rothe sowohl um die Zahlen als auch um die Kunst kümmern. Nach dem plötzlichen Tod der Intendantin Ulrike Hessler im Sommer 2012 sollte er das Haus für eine kurze Übergangszeit leiten und bildete dafür ein Direktorium, das aus vorhandenem Personal und externen Beratern wie Ronald H. Adler bestand. So sollte der Amtsantritt des künftigen Intendanten vorbereitet werden.

Der war zwar mit dem Belgier Serge Dorny rasch gefunden, doch beinahe ebenso rasch wieder passé. Dorny wurde noch vor seinem Start wieder geschasst und erhielt dafür nun, wie berichtet, 350 000 Euro Entschädigung.

Für Wolfgang Rothe wurde aus dem kurzen Übergang ein sechsjähriges Interim, für das er sich gerne als „Lokomotive“ sah – „Wer mich ein bisschen kennt, weiß auch, wenn ich mich auf etwas einlasse, dann immer mit ganzem Herzen und vor allen Dingen mit dem ganzen Kopf.“ –, aber deutlich betont, dass stets im Team gearbeitet worden ist. Er sei dankbar für die damit verbundenen Herausforderungen, denn diese Doppelbelastung ist für ihn ein beständiger Lernprozess gewesen: „Ich denke, dass ich nochmal sehr viel dazugelernt habe und ich habe auch viel über mich selbst erfahren, was da in mir steckte, das bis dahin noch gar nicht geweckt war.“

Wolfgang Rothe Quelle: Ian Whalen

Rückblickend gliedert Rothe die vergangenen Spielzeiten in jene, die noch komplett von Ulrike Hessler vorbereitet gewesen sind, über die folgende, nur in Teilen von ihm und seinem Team geänderte (mit Straussens „Feuersnot“ im Schlosshof und Purcells „King Arthur“ zum 100-jährigen Bestehen des Schauspielhauses) bis hin zur völlig eigenständigen Planung in jüngster Zeit. Zwischendrin gab es noch Einflüsse von Dorny, etwa mit „Pelléas et Mélisande“ von Claude Debussy, doch mit dessen Kündigung Anfang 2014 lag ab der Saison 2015/16 alles brach. Für Dresden sei mit diesem abrupten Finale durchaus eine Chance verloren gegangen, räumt Rothe ein, verweist aber darauf, „wenn es zum Amtsantritt von Serge Dorny gekommen wäre, hätte es eine Implosion am Haus gegeben.“

Was noch einmal an das Kompetenzgerangel zwischen dem designierten Intendanten der Oper und dem Chefdirigenten der Staatskapelle erinnert. „Eine Persönlichkeit, wie sie Christian Thielemann künstlerisch und als Mensch nun einmal ist, stellt auch eine Herausforderung in der Zusammenarbeit dar“, fasst Rothe zusammen.

Klare Position für ein weltoffenes Dresden

„Das war dann wirklich Stress“, erinnert er sich, denn nun war nicht nur für Notlösungen zu sorgen, sondern bekam er den Auftrag, drei vollständige Spielzeiten zu planen. Er habe das freilich nicht alleine gestemmt, sondern spreche viel lieber vom „Team Rothe“, in dem sich viel Sachkompetenz versammelt habe. Nicht ganz unbescheiden unterstreicht er seine „soziale Intelligenz“ sowie „ein gewisses Talent im Bereich Kommunikation und Menschenführung“ als Voraussetzungen für die gelungenen Jahre.

„Viele Dingen, die wir uns vorgenommen haben, konnten wir tatsächlich auch realisieren“, resümiert der Hausherr, der insbesondere auf die künstlerische Qualität der Sänger- und Dirigentenbesetzungen stolz ist. Wichtig sei ihm jedoch auch der Repertoireaufbau gewesen, wobei es immer auch darum gegangen sei, neben eher populäreren Titeln „nicht aus dem Auge zu verlieren, das Profil des Hauses zu bilden und zu schärfen.“

Mit einigem Recht ist Wolfgang Rothe stolz auf Opernproduktionen wie Humperdincks „Königskinder“ und Hindemiths „Mathis der Maler“, die in seiner Ägide herausgekommen sind und sich unter dem Aspekt gesellschaftlicher Veränderungen als absolut zeitgemäße „Volltreffer“ erwiesen hatten. Aber ebenso wie „Die Passagierin“ von Mieczysław Weinberg und nun auch das Operndoppel „Oedipus Rex“ von Igor Strawinsky und „Il prigioniero“ von Luigi Dallapiccola waren sie nicht immer ideal terminiert und erfreuten sich nicht größter Publikumsgunst. Die letzte Premiere seiner Amtszeit sieht Wolfgang Rothe als „Ausrufezeichen“, das ihm sehr wichtig sei.

Es reihe sich ein in das Engagement der Semperoper, klare Position für ein weltoffenes Dresden zu beziehen. Bei solchen Projekten habe ihm die Freiwilligkeit besonders am Herzen gelegen, „damit niemand den Eindruck bekommt, hier wird von oben festgelegt, wie man sich politisch zu engagieren habe.“ Das sei auch wichtig für die betriebliche Hygiene.

Künstlerische Qualität und betriebliche Hygiene bedingen einander. Keine Frage, dass Wolfgang Rothe sein Haus gut aufgestellt sieht: „Die Substanz ist da für Großes.“

www.semperoper.de

Von Michael Ernst

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