Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Wolf Maahn feierte seinen Geburtstag mit einem Auftritt in Dresden

In Tante Jus guter Stube Wolf Maahn feierte seinen Geburtstag mit einem Auftritt in Dresden

Zu seinem Geburtstag ist Wolf Maahn in Dresdens Tante Ju zurückgekehrt. Etliche im Publikum stimmen „Happy Birthday“ an, als der nun also 62-jährige, lange, hagere Typ mit dem unverzichtbaren Kopftuch die Bühne entert.

Voriger Artikel
Gojko Mitic spielt in Reformationsstück einen Häuptling
Nächster Artikel
Die evangelische Dresdner Annenkirche hat ein modernes Altarbild bekommen

Wolf Maahn und Band in der Tante Ju

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Thin Lizzys wunderbarer Gassenhauer „The Boys Are Back in Town“ erklingt direkt vor Beginn des Konzerts in der Tante Ju, und es passt natürlich, denn es ist erst ziemlich genau 14 Monate her, dass Wolf Maahn uns am gleichen Ort das Fieber zurückgab. Nun ist er zu seinem Geburtstag zurückgekehrt. Etliche im Publikum stimmen „Happy Birthday“ an, als der nun also 62-jährige, lange, hagere Typ mit dem unverzichtbaren Kopftuch die Bühne entert. „Ihr habt euch wohl vorher getroffen und geübt“, lautet sein lakonischer Kommentar. „Vielen Dank!“

Er hat ein Knieprobleme, sitzt am Anfang und gegen Ende noch einmal auf einem Hocker, aber natürlich ist er viel zu sehr energetischer Rocker, als dass es ihn da lange halten würde – Alterserscheinungen hin oder her. Die Band ist die gleiche herausragende wie im Vorjahr: eine wirkliche Einheit, Gemeinschaft. Wie vor allem Roger Schaffraths Leadgitarre immer wieder zwischen die Textzeilen des Chefs greift, Songs in Höhen und ins Tempo treibt, eben das Fieber schürt, das ist der gute, alte Rock, der immer noch glücklich machen kann.

Dabei war die Rezensentin schon ein wenig enttäuscht zu erfahren, dass die neue CD, mit der Maahn lange Zeit im voraus angekündigt war, eine Live-CD ist. Denn wer so oft beruflich auf Konzerten ist, will lieber (auch) etwas Neues hören als immer wieder die alten Hits, auf die verständlicherweise die meisten Gelegenheits-Besucher stets warten. Aber es ist heutzutage eben so, dass jede neue Veröffentlichung mit einer Tour vermarktet wird, und die letzte Studio-CD „Sensible Daten“ ist ja noch fast druckfrisch, insofern war frau dann auch schon versöhnt mit der Konstellation. Dennoch besonders schön, dass Maahn selbst anspricht, dass sie zwar Live-CD und -DVD im Gepäck haben, aber immer versuchen, dass tatsächliche, reale Konzert zu einem noch bemerkenswerteren Ereignis zu machen. Und dass es ihnen gelingt!

Vom Opener „Wenn der Regen kommt“, dessen Intro Maahn allein mit seiner halbakustischen Gitarre gestaltet, über die herrlich entspannte Ballade „Soul Maahn“ und „Das Gelobte Land“ von „Sensible Daten“ ist der Eröffnungsbogen gespannt, der die Menge mitnimmt, diese spezielle On-The-Road-Gefühl in den Saal pumpt. Der Sound ist abgehangen, die Musik das absolute Hier-und-Jetzt.

Maahn wäre nicht Maahn, wenn er nicht auch ein paar politische Botschaften einstreuen würde. Und es wirkt sehr, sehr befremdlich, wenn bei seinem Zwischentext über die 60 Menschen, die weltweit so viel besitzen wie der Rest der Menschheit zusammen, betrunkenes Gegröle zu hören ist, im Prinzip unverständlich, vom Inhalt her jedoch wohl so etwas meinend wie: Der Musiker möge die Musik bringen, für deren Konsum sie bezahlt haben. Nein, meine Herren, so funktioniert das nicht! Sie haben Tickets für ein Wolf Maahn-Konzert erworben, kein Recht auf meinungsfreie Unterhaltung. Immerhin, als Maahn später sagt, wie sehr es „sein Herz erwärmt“, dass jetzt jeden Sonntag Tausende für Europa auf die Straße gehen, gibt es ein wenig Applaus.

Die bekannten Hits werden ein wenig variiert eingestreut: „Fieber“ wieder anfangs von ihm allein, akustisch, intoniert, während „Irgendwo in Deutschland“ stimmt Maahn sein Gitarre, bei „Rosen im Asphalt“ stellt er die Band vor – neben E-Gitarrist Schaffrath, der ein wahrer Seelenfänger an den Saiten ist, der gute und meist auch gutgelaunt grinsende Volker Vässen am Bass, Jan Wienströr an den Drums sowie Jürgen Dahmen am eher unauffälligen Keyboard.

Reichlich zwei Stunden absolute Gegenwart in zeitloser Musik: Mehr kann man von einem solchen Abend nicht erwarten. Danke schön, Wolf Maahn, und: Rock on! Noch mindestens 20 Jahre ...

Von Beate Baum

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr