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"Wir haben uns nie verstellt" - Pur-Frontmann Hartmut Engler vor dem Auftritt in Dresden im DNN-Interview

"Wir haben uns nie verstellt" - Pur-Frontmann Hartmut Engler vor dem Auftritt in Dresden im DNN-Interview

Seit mehr als 30 Jahren stehen die Musiker von Pur mittlerweile auf der Bühne. Was einst als kleine Baden-Württembergische Schülerband begann, hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer der erfolgreichsten Formationen im deutschsprachigen Raum entwickelt.

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Hartmut Engler

Quelle: PR

Vor dem Dresdner Auftritt von Pur sprach Stephan Hönigschmid mit Sänger Hartmut Engler über die Scheinwelt des Showgeschäftes, gesundheitliche Probleme und die treuen Fans der Band.

Frage: Vor wenigen Monaten hatten Sie eine Stimmbandreizung und konnten plötzlich nicht mehr auftreten, mussten sogar Konzerte verschieben. Machen Sie solche Momente, wenn der Körper Grenzen setzt, trotz des anhaltend großen Erfolges nachdenklich?

Hartmut Engler: Nachdenklich hat mich 2005 eine Stimmbandoperation gemacht. Denn da hatte ich wirklich Probleme, weil es Veränderungen an meinen Stimmbändern gab. Obwohl die Ärzte das Schlimmste befürchtet haben, ist am Ende glücklicherweise alles gutgegangen. Seither freue ich mich jedes Mal, wenn ich ein schönes Konzert geben kann. Mit Dingen wie Stimmbandreizungen muss man aber immer mal rechnen. Das passiert eben, wenn man die Stimme oft benutzt.

In der Vergangenheit sind Sie sehr offen mit persönlichen Schwierigkeiten umgegangen, wie z.B. Alkoholproblemen. Warum haben Sie sich entschieden, damals in die Offensive zu gehen und die Probleme nicht zu verheimlichen?

Es ist schwierig zu verheimlichen, wenn in einer großen deutschen Boulevardzeitung auf dem Titelbild steht "Depressionen und Alkohol - Hartmut Engler in Lebenskrise". Als jemand, der in seinen Liedern viel über sein Leben erzählt, möchte man die Probleme den Leuten auch erklären. Meine Schwierigkeiten hingen aber in erster Linie mit den Depressionen zusammen. Das wollte ich klarstellen. Heute geht es mir wieder gut, und ich freue mich auf die Konzerte.

Trägt das Showgeschäft, wo es oft sehr oberflächlich zugeht, dazu bei, dass man manchmal nicht mehr mit dem Leben klarkommt?

Das ist sicher für Leute, die normale Jobs mit normalen Anfangszeiten haben, schwer nachzuvollziehen. Auf Tournee zu leben in verschiedenen Städten und unzähligen Hotels ist eine Sache. Sich hingegen im Privatleben so einzurichten, dass man auch abseits der großen Bühnen Zufriedenheit findet, ist wieder etwas völlig anderes. Damit muss man halt klarkommen.

Das aktuelle Album von Pur setzt sich mit den Fragen von Schein und Sein auseinander. Wie sind Sie auf die Idee dazu gekommen?

Wenn man in der Unterhaltungsbranche arbeitet, ist das immer ein Thema. Die Leute fragen sich ja oft, wie sind die Stars eigentlich im wirklichen Leben. Ich glaube, dass wir bei Pur uns nie verstellt haben. Wir sind auf der Bühne die gleichen Menschen wie im Alltag. Und mit dieser Einstellung hatten wir Erfolg. Das ist unser großes Glück. "Schein und Sein" hat mir aber auch als Titel von Anfang an gut gefallen. Ich bin beim Joggen auf die Idee gekommen und habe danach sofort im Internet nachgesehen, ob es den Titel schon einmal gegeben hat. Das war aber nicht der Fall.

Welche Aspekte von Schein und Sein beleuchten Sie?

Beim Nachdenken über das Thema stellt man zwar fest, dass es auf der negativen Seite viel mit Manipulation, mit Lügen und Sich-etwas-Vormachen zu tun hat, aber auf der positiven Seite auch mit Kreativität, mit Fantasie und allem, was man sich vorstellen mag und kann. Wenn man ins Theater geht, wird einem ja auch etwas vorgespielt. Das ist ja auch eine Scheinwelt.

Auf dem Album gibt es auch das Lied "Hohlraumversiegelung", wo sinngemäß gesagt wird, dass in unserer Gesellschaft viele Menschen zu viel Unsinn reden. Ist es Ihnen wichtig, dass sich daran etwas ändert, haben Sie eine Mission oder möchten Sie es bloß ansprechen?

Das ist gar nicht so tiefgründig oder sozialkritisch, wie man vielleicht denken könnte. Ich habe mit meinen Kindern ferngeguckt, und da fiel das Wort. Mir hat es auf Anhieb gefallen, weil es alle Vokale enthält und gut klingt. Außerdem wusste ich auch nicht genau, was es bedeutet. Ich dachte, das könnte was Schönes sein, einen Hohlraum im Kopf, den man versiegelt. Mittlerweile ist das Lied zum Partysong geworden.

Pur gibt es inzwischen seit 30 Jahren. Was war bisher die schönste Zeit, was war weniger schön und was hätte man vielleicht anders machen können?

Wenn wir zurückblicken, sagen wir, dass es ja eigentlich eine Sensation ist, dass wir als ehemalige Schülerband aus Baden-Württemberg mit etwa 50 Jahren noch immer diesen Job auf diesem Niveau machen können. Im Laufe der Jahre gab es unglaublich viele schöne Momente, und ich glaube, wir haben beruflich sehr viel richtig gemacht. Sicherlich sind uns auch Fehler unterlaufen, aber im Großen und Ganzen sind wir zufrieden.

Haben sich die Fans verändert, die zu den Konzerten kommen?

Zum Teil sind die Fans mit uns älter geworden. Und die haben auch schon wieder Kinder, die ebenfalls Kinder haben. Einige Fans kommen in der dritten Generation zu uns. Junge Leute werden zudem über den Partyhitmix, der auf Skihütten oder schlimmstenfalls am Ballermann zu hören ist, neugierig auf unsere Musik und besuchen die Konzerte. Wir haben da eine richtige Partygemeinde zusammen. Das ist ein sehr bunt gemischtes Publikum, das alle Altersklassen umfasst.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Dresden denken?

Wir haben bei der letzten Open-Air-Tournee am Elbufer gespielt, und das war sehr schön, weil die Leute gut drauf waren und es ein tolles Ambiente ist.

iKonzert am Sonnabend bei den Filmnächten am Elbufer; Beginn: 20 Uhr, Einlass ab 18 Uhr; Tickets ab 44,50 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.08.2013

Stephan Hönigschmid

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