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Winterliches im Grünen Gewölbe

Museum Winterliches im Grünen Gewölbe

„Kommt mit zur blendenden Eisbahn….“, heißt es neuerdings, ganz der Jahreszeit gemäß, im Sponsel-Raum des Grünen Gewölbes. Dass ein mit Pferden bespannter Schlitten durch einen wundervollen Winterwald gleiten kann, kommt in unseren Breiten kaum noch vor. Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, als Winter hier in Mitteleuropa mit ziemlicher Sicherheit Eis und Schnee verhieß.

Schlittschuhlaufender Holländer. Wohl Frankfurt/ Main, um 1700–1705. Barockperlen, Gold, Email, Silber, teilweise vergoldet, Rubine, Smaragde, Diamanten, Glas, teilweise kalt bemalt, Spiegelglas. Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.

Quelle: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Karpinski

Dresden. „Kommt mit zur blendenden Eisbahn….“, heißt es neuerdings, ganz der Jahreszeit gemäß, im Sponsel-Raum des Grünen Gewölbes. Heute muss bekanntlich immer öfter mit Technik und viel Elektroenergie nachgeholfen werden, um eine Eisfläche herzustellen oder Schnee in die Landschaft zu blasen. Und dass ein mit Pferden bespannter Schlitten durch einen wundervollen Winterwald gleiten kann, kommt in unseren Breiten kaum noch vor. Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, als Winter hier in Mitteleuropa mit ziemlicher Sicherheit Eis und Schnee verhieß. Dieses bezeugen auch die von Kuratorin Susanne Tuttas mit Liebe zusammengestellten Exponate der kleinen Schau, in deren Zentrum ein von einem unbekannten Künstler zwischen 1700 und 1705 geschaffener „Schlittschuh laufender Holländer“ steht. Der dreht seine Kringel auf dem gläsernen Deckel eines mit Edelsteinen besetzten, vergoldeten und mit Jahreszeitenallegorien bemalten Kästchens. Er selbst besteht – ganz wie andere der Perlfiguren – aus ebensolchen und weiteren edlen Materialien wie Diamanten und Rubinen.

Dass die kleine Preziose dazumal sehr viel mit der Realität in der winterlichen Niederlande zu tun hatte, illustrieren zudem ein kleines Gemälde von Isaak van Ostade aus dem Jahr 1645 und mehrere grafische Blätter. Ersteres lässt den Betrachter in die Vielfalt der „Belustigung auf dem Eis“ der zugefrorenen Wasserstraßen eintauchen, die allerdings auch Nützliches und Beschwerliches wie den Transport von Feuerholz einschließt – oder jenen von Familienmitgliedern. Dafür dient ein Gefährt, das vom auf dem Eis dahin gleitenden Herrn des Hauses geschoben wird. Dazwischen wuseln fröhliche Hunde herum und – eher im Hintergrund festgehalten – gibt es auch mal einen Sturz. Die Sportsmänner des 17. Jahrhunderts entdeckt man auf mehreren grafischen Blättern: sie spielen eine Art Eishockey.

Grünes Gewölbe, Kupferstich-Kabinett und Rüstkammer haben noch mehr Derartiges zu bieten, beispielsweise Objekte, die einen kleinen Einblick in die winterliche Festkultur bei Hofe geben. In einer Art Musterbuch sind prunkvolle Ausstattungen für Pferd und Schlitten festgehalten. Andere Blätter zeigen detailreich Bekleidungsentwürfe, etwa für die Darstellung des Winters. Die jeweilige Beschriftung stammt von August dem Starken höchst persönlich. Umgesetzt zeigen sich die herrschaftlichen Winterphantasien, abgesehen von einer kunstvollen Schlittenpreziose, in Form prachtvoller Stirnschilde für die Pferde, die anlässlich der Verlobung des Kurprinzen Friedrich August II. mit Maria Josepha den Cupido- bzw. den Dianaschlitten zogen. Leider ist, wie von Dirk Syndram, dem Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, zu hören war, von Schlitten und manchem Zierrat aus dem 18. Jahrhundert nichts mehr vorhanden. Gut erhalten haben sich – siehe Stirnschilde - viele Textilien. So auch ein Paar nicht herrschaftliche strapazierfähige, sorgfältig gearbeitete Winterhandschuhe aus festem Wolltuch, mit denen ein entsprechender Hofbediensteter wohl auch Schnee schippen konnte.

Eher geistig, philosophisch, stellt sich der Hintergrund von Elfenbeinschnitzereien und einer Bronzefigur zum Thema Winter dar, thematisieren sie doch seinen Platz im Lauf des Jahres oder auch dessen Beschwernisse. Als Beispiel sei eine Winterallegorie von Balthasar Permoser genannt, deren Gewand so expressiv schwingt, dass es sich am Feuer entzünden könnte. Entzünden kann und soll sich in der kleinen Schau allerdings auch die Phantasie.

Von Lisa Werner-Art

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