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Regional „Wildwechsel“ am tjg Dresden
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18:28 22.09.2017
Vereinte alles, was das Theater hergibt: die Inszenierung des Magdeburger Puppentheaters „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ nach Fritz Langs gleichnamigem Film. Quelle: Jesko Doering
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Dresden

Die Konkurrenz auf allen Bühnen ist groß an diesem verlängerten Wochenende in Dresden. Das „Wildwechsel“-Festival der ostdeutschen Kinder- und Jugendtheater überlappt sich mit dem Generationen-Festival im Zentralwerk und dem „Off Europa“-Festival am Societaetstheater. Dessen Prohliser Stadtteilprojekt kommt hinzu, und selbst verständlich beansprucht der Fünfpremierenauftakt am „großen“ Staatsschauspiel die größte Aufmerksamkeit für sich. Solch mangelhafte Abstimmung könnte einen in Sorge geraten lassen um das „Wildwechsel“-Festival am Theater Junge Generation im Kraftwerk Mitte. Aber diese Sorge erweist sich nach vier der sieben eingeladenen Inszenierungen als unbegründet. Neben dem Fachpublikum füllte auch die Zielgruppe die drei Säle des tjg reichlich.

Apropos Fachpublikum. Ungleich intensiver als die zur Eitelkeit neigenden Renommierbühnen für die Erwachsenen sind die Bühnen für Kinder und Heranwachsende vernetzt. 38 staatliche und freie Theater sind im Arbeitskreis Ost der Kinder- und Jugendtheater Deutschlands miteinander verbunden. Aufbauen konnten sie auf eine vorbildliche Basis. Ob nun ideologisch motiviert oder nicht – die DDR leistete in Verbindung mit den Schulen eine gute Nachwuchsarbeit. Bis heute fallen die eigenständigen Kinder- und Jugendtheater wie etwa in Leipzig oder Dresden auf, während diese Zielgruppe an den meisten Häusern eher wie eine fünfte Sparte behandelt wird. Es gibt allerdings auch im Osten Diaspora-Situationen wie im kaum vertretenen Mecklenburg-Vorpommern.

Seit 2014 veranstaltet nun dieser Arbeitskreis Ost ein eigenes Festival. Nach Nordhausen und Weimar ist Dresden der dritte Ausrichter. Eine Gelegenheit, Inszenierungen kennenzulernen, aber auch eine Gelegenheit für den Austausch über Strategien und Methoden. Vor allem der Sonnabend vor der Bundestagswahl wird den Workshops und Debatten vorbehalten sein. Diskutiert wurde aber schon beim Sekt zum Auftakt am Donnerstagabend. „Solch ein Festival nutzt auch dem Theater insgesamt“, sagt beispielsweise Christoph Dittrich, Intendant in Chemnitz und Vorsitzender des Bühnenvereins Sachsen. Hier würden Ästhetiken erprobt, die auch auf die „Großen“ ausstrahlen können. Kinder gelten als das anspruchsvollste Publikum. Vom Kampf um dieses Nachwuchspublikum will Dittrich gar nicht sprechen, denn das Kinder- und Jugendtheater leiste einen Beitrag für die Gesellschaft insgesamt, wie die Vermittlung von Selbstbewusstsein als Voraussetzung für Empathie- und Gesprächsfähigkeit.

Frank Bernhardt, künstlerischer Leiter des Puppentheaters Magdeburg, möchte die schon an Suchtverhalten grenzende Nutzung digitaler Medien bewusst nicht in Konkurrenz zum Theaterangebot setzen. „Klug adaptieren und integrieren“ müsse eher das Motto sein. Das durch nichts zu ersetzende Live-Erlebnis entdecken Kinder aber meist nur mit Hilfe der Eltern oder der Pädagogen in Schule und Theater.

Der Magdeburger Festivalbeitrag dürfte ein dringender Kandidat für die Preise sein, die eine Kinder-, eine Jugend- und eine Profijury am Sonntagabend vergeben wird. „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ nach dem Film von Fritz Lang hatte im April 2016 Premiere. Wer bei Puppentheater noch an Kindergarten denkt, hat ohnehin die Entwicklung von Jahrzehnten verschlafen. Aber diese bitterböse Groteske vereint in atemberaubender Weise fast alles, was das Theater hergibt. Menschenkörper und Puppen verschmelzen, die Spieler erweisen sich auch als packende Sänger von Couplets und gefühlvolle Instrumentalisten. Poetische und deftige Bilder, skurrile Einfälle. Wie eine Revue ist die Auseinandersetzung mit der zeitlosen Angst aufgezogen, hier geschürt durch einen Kindermörder. Die aktuelle Terrorpanik und die Furcht vor Ausländerkriminalität springen einen geradezu an. Bürgerwehr und Selbstjustiz entspringen dem gesunden Volksempfinden, sogar die „anständigen“ Kriminellen verbünden sich mit dem überforderten Staat.

Gut zur aktuellen Station des Flüchtlingsbootes am Pieschener Hafen zwei Tage zuvor hätte auch „Der Junge mit dem Koffer“ des gastgebenden tjg gepasst. Eine Fluchtgeschichte, die sich ebenso poetisch wie makaber an die sieben Reisen Sindbads anlehnt. Am Freitag gastierte das viel besprochene Chemnitzer NSU-Stück „Beate Uwe Uwe Selfie Click“ von Laura Linnenbaum, gewiss auch ein Preisfavorit. Empfohlen ab 16 Jahren, während auch schon Kindergartenkinder ganz entzückt auf das Objekttheater „Ein Loch ist meistens rund“ des freien Berliner Duos Florschütz & Döhnert reagierten. Wie sie muss man wohl auch schauen und nicht die frappierende Technik und die Tricks hinterfragen wollen, die schwarze Löcher entstehen und verschwinden und sich vermehren und allerlei Gegenstände aus ihnen entspringen lässt. Ein magisches Vergnügen! Bleibt noch zu erwähnen, dass dieses unter der Überschrift „Nachbarschaft“ stehende Ost-Festival auch von der Ostbeauftragten der Bundesregierung Iris Gleicke und vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird, ebenso von Sparkassen, der Kulturstiftung des Freistaates und dem Dresdner Kulturamt.

Von Michael Bartsch

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