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Regional Wiedereröffnung ohne Rätsels Lösung
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19:01 22.08.2017
Münzkabinettsdirektor Rainer Grund zeigt mittelalterliche Silberpfennige sogenannte Brakteaten. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Es ist ziemlich genau acht Monate her, dass dieses Rätsel auftauchte. Kurz vor Weihnachten 2016 wurde ein milchig-weißer Belag sichtbar auf zahlreichen Silbermünzen im Dresdner Münzkabinett: Silberchlorid (DNN berichteten). Woher er stammt und warum er sich auf den Münzen bildete – dieses Rätsel ist noch ungelöst. Doch die Experten geben sich zuversichtlich, denn nach menschlichem Ermessen sind alle Fragen gestellt worden, wenn auch nicht mit der finalen, alle befriedigenden Antwort. Diese Zuversicht hat nun auch einen zeitlichen Rahmen. Das Münzkabinett, das im März wegen eben jener ungeklärten Münzbeläge komplett geschlossen worden war, soll noch in diesem Jahr wieder fürs Publikum geöffnet werden. Genauer gesagt, vor Weihnachten.

Das zumindest ließ gestern Rainer Grund, der Direktor des Münzkabinetts, durchblicken. Bis Mitte November sollen, auch mit Hilfe einer zusätzlichen Fachkraft in den Restaurationswerkstätten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), die betroffenen Münzen gesichtet, eventuell restauriert und schließlich konserviert werden. Vor der Schließung des Münzkabinetts waren rund 1400 Münzen aus den Vitrinen entnommen worden, von denen wiederum etwa 100 den Belag aufwiesen.

„Das Rätsel haben wir noch nicht komplett lösen können“, räumte SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann gestern freimütig ein. Das Phänomen sei in der Fachwelt bislang nicht bekannt. Die Schließung bezeichnete sie rückblickend als „prophylaktisch“, sie sei „aus Sicherheitsgründen“ erfolgt. Das Silberchlorid sei aber glücklicherweise so früh entdeckt worden, „dass keine irreversiblen Schäden eingetreten sind“.

Michael John, der Leiter Technischer Dienst der SKD, ließ noch einmal Revue passieren, welche Überlegungen angestellt worden waren. Die Ursachenforschung bezog sich ihm zufolge hauptsächlich auf zwei Bereiche: die Ausstellungsräume und die Vitrinen, in denen die Münzen gezeigt wurden. Man sei der Frage nachgegangen, ob in den Vitrinen verbaute Materialien wie Schläuche oder Textilien Chlorid emittierten. „Unter allen denkbaren Hypothesen wurden die Bedingungen im Münzkabinett und in den klimatisierten Vitrinen erforscht, von den verwendeten Materialien der Einrichtung bis zur Luft. Dabei sind keine Hinweise gefunden worden, die die Entstehung des Silberchlorids eindeutig erklären würden“, hieß es in einer Pressemitteilung der SKD.

Diverse Gutachten waren eingeholt worden, ein weiteres ist noch in Arbeit. Doch auch das Fraunhofer Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut Braunschweig, das den Angaben zufolge auf Schadstoffe in Museen, Bibliotheken und Archiven spezialisiert ist, habe innerhalb messbarer Grenzen „keinen Anhaltspunkt für die Verursachung der Veränderungen auf den nicht konservierten Silberobjekten gefunden“. Oder wie es John ausdrückte: „Wir hatten viele Verdächtige, konnten aber keinen festnehmen.“

Dennoch bleibt der Blick nach vorn und das Wissen, möglichst allen Eventualitäten – sprich erneut auftauchenden unerwünschten Münzbelägen – vorzubeugen. Die Umgebungsbedingungen sollen verbessert werden: von der strengen Luftabdichtung der Vitrinen bis hin zu den Filtern für die Belüftungsanlagen der Räume.

Die genauen Kosten für die Schließung des Münzkabinetts und die Restaurierung der Exponate konnte Ackermann noch nicht beziffern. Für die anstehenden Arbeiten werde auf das bestehende Budget des Hauses für Restaurierungen zurückgegriffen.

Die Anfänge des Dresdner Münzkabinetts reichen etwa 500 Jahre zurück. Mit rund 300 000 Objekten, von denen gut ein Prozent ausgestellt war, zählt es in Deutschland zu den bedeutenden Universalsammlungen seiner Art neben Berlin und München.

www.skd.museum

Von Torsten Klaus

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