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Regional Werke von Wolfgang Kühne in der Sächsischen Landesärztekammer
Nachrichten Kultur Regional Werke von Wolfgang Kühne in der Sächsischen Landesärztekammer
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10:20 12.11.2015
Wolfgang Kühne. Elblandschaft (Ausschnitt), 2015, Öl auf Leinwand. Quelle: Repro: Landesärztekammer Sachsen

Einige sind auch früher datiert - das älteste 1992 ("Heuschober und Huthäuser"). Kühnes Werke entsprechen einer künstlerischen Haltung, die an der Hochschule für Bildende Künste Dresden durch Lehrer wie Gerhard Kettner, Jutta Damme oder Christian Hasse fundiert wurde. Freundeskreise, so jener, wo Kühne, Veit Hofmann, Günter Hein und Helge Leiberg seit 1980 gemeinsam Akt zeichneten, und weitere freundschaftliche Verbindungen, etwa mit Konrad Maass oder dem verstorbenen Rainer Zille, waren nicht weniger wichtig. Gerade unter den Bedingungen der DDR boten diese "Zirkel" Gelegenheiten zum Austausch - nicht zuletzt über die Kunst anderer, etwa die Dresdner Romantik, die ältere Generation Dresdner Landschaftsmalerei des 20. Jahrhunderts oder auch die französische Moderne.

Kühnes Kunst konzentriert sich auf "klassische" Sujets wie Landschaft und Stillleben, zudem Porträt und Akt. Basis ist das Zeichnen und Malen vor der Natur, vorm "Gegenstand". Gerade für seine Landschaften sind der unmittelbare Eindruck draußen, die dort sich schnell ändernden Situationen - etwa den Einfall des Lichts oder sich wandelnde Wolkenformationen betreffend - unverzichtbar. Auf dieser Grundlage vollzieht sich in der Folge die Arbeit im Atelier, deren Ergebnis malerische Annäherungen an das Wesen des Gesehenen sind. Kühnes Bilder sind Ergebnis eines wohlüberlegten, oftmals langwierigen Prozesses, einschließlich der Übermalung früherer Fassungen.

In diesem Zusammenhang fällt die Betonung von Strukturen oder auch eine gewollte Reduktion ins Auge. Beispielhaft dafür sind etwa die gezeigten italienischen Landschaften. Der Künstler hebt hier auf die durch Berge und Felder, einzelne Häuser und Bäume geprägte Struktur ab, verleiht der Malerei damit sogar ein konstruktives Moment, was sich in anderer Form - als schwunghaft-zeichenhafte Struktur - im Bild "Schneereste im Erzgebirge" (2015) zeigt.

Auffallend sind auch in ein überscharfes Licht gesetzte Motive, wodurch manche Arbeiten eine nahezu magische Aura erhalten. Das Bild "Vor Sonnenuntergang" (2014), das einen Hausgiebel zeigt, der halb im Licht, halb im Schatten liegt, ist ein Beispiel dafür. Ähnliches gilt für einen von Sonne beschienenen "Steinbruch" (2009), der ein reizvolles Licht- und Schatten-Spiel bietet, das den Künstler zu einer ganzen Folge zum Thema "Steinbruch" inspirierte. Auch kaltes Winterlicht kann eine magische Wirkung entfalten, wie ein Blick auf Schloss "Pillnitz im Winter" (2015) vermittelt. Gleiches gilt für viele Motive, die die Sonne über weiten Wasserflächen oder einen von Wolken verhangenen Himmel einfangen. Besonders solche Landschaften strahlen ob ihrer Weite und scheinbaren Unberührtheit eine enorme Stille aus. Alles zusammen - die zurückhaltende, kultivierte Farbigkeit eingeschlossen - lässt diese zu leicht melancholischen Monumenten eines Friedens werden, den alle suchen, der aber auch in der Natur höchst gefährdet ist.

Seine Motive fand Kühne zunächst im Umland Dresdens. Aus der Altmark gebürtig, wurde er hier dank des Kunststudiums (1973-1978) heimisch. In Laubegast fand er 1976 jenes alte Haus, das zum Dreh- und Angelpunkt für Familie und Kunst wurde und wo - im wahrsten Sinn des Wortes existenziell - 2002 und 2013 zwei Elbehochwasser zu überstehen waren. Kein Wunder, dass dies auch zum Bildthema wurde. Eine weitere, andere Bedeutung bekam der Fluss für ihn nach 1989: Der geübte Bootsfahrer paddelte 1990 bis Hamburg. Dabei entdeckte er auch die Landschaft neu, wo er geboren war. Seit längerem ist er nun häufig in einem alten Deichwärterhaus zwischen Havel und Elbe anzutreffen. Hier hat sich ihm ein neues Motivreservoir eröffnet, das vor allem von dem alten Gehöft, dem Deich, aber auch der scheinbar unendlich weiten Landschaft zwischen den beiden Flüssen und dem Haveldelta geprägt ist. Wasser, Weite, Himmel eröffnen im Wandel der Tages- und der Jahreszeiten eine neue Dimension, die (ähnlich wie beim Hochwasser in Dresden) eine existenziellere Nähe zur Natur einschließt.

Betrachtet man Kühnes Schaffen, ist eine ganz eigene Qualität herauszustellen. Besonders in seiner Malerei vermittelt sich dem Betrachter auf unaufdringliche Weise etwas von der Größe der Natur. Ob es die italienische Berglandschaft ist oder die weite Flusslandschaft in der Altmark, man wird von dem Gefühl ergriffen, dass die Natur ewig und unbesiegbar ist. Und selbst in Situationen, die für den Menschen, der oft entgegen alter Erfahrungen und neuer Erkenntnisse handelt, eine Katastrophe sein können, ist die Natur schön. Gefahr und Schönheit sind sozusagen eine Frage der Perspektive. Auch darüber nachzudenken, regen Wolfgang Kühnes Bilder an. Ganz im Sinne von Leo Tolstois Erzählungstitel "Wie viel Erde braucht der Mensch? Oder auch jener Frage: Sollte alles gemacht werden, was machbar ist?

Bis 22. November, Mo-Fr 9-18 Uhr, Landesärztekammer, Schützenhöhe 16

www.slaek.de

von Lisa Werner-Art

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