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Regional Werke von Jürgen Wenzel in der Galerie Q in Quohren
Nachrichten Kultur Regional Werke von Jürgen Wenzel in der Galerie Q in Quohren
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09:32 18.08.2016
Jürgen Wenzel Quelle: M.Lange
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Quohren

In der landschaftlich zauberhaft gelegenen Galerie Q in Quohren wird gegenwärtig eine sehenswerte Ausstellung mit Malerei und Grafik von Jürgen Wenzel gezeigt. Er gehört zu den wichtigsten sächsischen Künstlerinnen und Künstlern mit einer unverwechselbaren Handschrift, die mit bildnerischen Gleichnissen Zeit beschreiben. Er war einer jener Protagonisten eines Neoexpressionismus in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, die das Publikum aktivieren und beunruhigen wollten. So ist es nicht verwunderlich, dass er sich mit der Kunst der „Brücke“-Künstler auseinandersetzte. Sie verwirklichten 1905 ihre Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies in der Natur, an den Moritzburger Seen.

Jürgen Wenzel ließ sich von den Motiven inspirieren und zeichnete vor den Landschaftsmotiven der bewunderten Vorläufer, im Brücke-Stil. Es entstanden 15 grafische Blätter als Kaltnadelradierung, Strichätzung, Reservage, Aquatintaradierung oder Offsetdruck. 1996 erschien eine Grafikmappe mit zwölf Blättern der ursprünglichen Version und drei neuen Motiven. In der Ausstellung hängen farblich brillant kolorierte Radierungen.

Jürgen Wenzel ist ein charismatischer Maler, ein eigensinniger dazu, der Traditionslinien und Wurzeln nicht verleugnet. Grundlagen für seine malerische Verwirklichung waren die Auseinandersetzung mit der Farbdramatik des Expressionismus und mit der Kunst alter Meister, wie mit dem Werk von Rembrandt und Tizian oder dem des Vorimpressionisten Chardine. Der Maler nähert sich verehrungsvoll seinen künstlerischen Vorbildern mit eigener Sicht und Hingabe auf ihre historisch verbürgten Bildideen. Die hauptsächliche Motivik der Ausstellung sind Stillleben mit ausgeweideten Tieren, Jagdtrophäen, Früchten, erlegten Fasanen und einem Festmahl von Karpfen.

Überquellende Fruchtberge auf mit Damasttuch bedeckten Tischen, Wildbret, Stundenglas und Totenschädel, angesprungenen und umgefallenen Gläsern, aufgeplatzten Paradiesäpfeln waren beliebte Sujets der barocken, niederländischen Malerei. In der Steigerung von Lebensgenuss bis zur wollüstigen Ekstase war der Hinweis auf die Vergänglichkeit der irdischen Freuden verbunden. Wenngleich das Thema über alle Zeiten aktuell blieb, ist es in der Gegenwartskunst nur noch selten anzutreffen. Jürgen Wenzel hat es stilistisch unverwechselbar wieder belebt. Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen ist somit auch das Grundthema, dem er sich zuwendet. Bekannt geworden ist er mit seinen Aufsehen erregenden Schlachthausbildern von ausgeweideten Tieren. Das Motiv behandelte Wenzel immer abstrakter, so dass die Formmaterie, trotz Titelgebung, nichts Abschreckendes mehr an sich hatte, sondern auch Assoziationen an Landschaft oder aber Hinweise auf Mythologie, Religion und Zeitgeschehen zuließ.

Er wurde 1950 in Annaberg geboren. Nachdem er eine Lehre als Porzellanmaler in der Porzellanmanufaktur Meißen abgeschlossen und einige Jahre als Indischmaler gearbeitet hatte, studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden Malerei und Grafik bis 1980. 1992 gründete er gemeinsam mit Anton Paul Kammerer, Bernd Hahn und Andreas Küchler die Grafikwerkstatt auf der Bürgerstraße 53 in Dresden-Pieschen. Seitdem firmierte die Gemeinschaft unter dem Synonym B53. Zwei Jahre später wurden die Grafikeditionen ins Leben gerufen. Zahlreiche thematische Mappenwerke belegen eine einzigartige druckgrafische Tätigkeit. Seit 1992 ist die B53 in Burgstädtel bei Borthen beheimatet. Mit dem Tod von Andreas Küchler und Bernd Hahn stellte die Gemeinschaft an sich ihre Tätigkeit ein, wenngleich die Edition 2000-2015 erschienen ist.

Zurück zur Ausstellung: Ein leidenschaftlich vorgetragener Pinselduktus kennzeichnet die pastos wogende Farbmaterie seiner Malerei, in die er sich einzuwurzeln scheint, orgiastisch und dennoch diszipliniert. Wenzel besitzt die Gabe, Dunkelheiten mit einem wunderbar leuchtenden Rot aufzubrechen, mit einem Licht, das von innen her aus den Bildern heraus leuchtet. Beeindruckend ist der Raum mit den „tanzenden“ Fasanen, denen sogar etwas Erotisches anhaftet. Man ist fasziniert und erst mit dem zweiten Blick wächst die Irritation, wenn man die Titel liest „Fasan mit gebrochenem Genick“, „kopfloser Fasan“ oder „gegarter Fasan“. Ein genialer Totentanz!

bis 26. August, Galerie Q, Schulweg 3, Kreischa/OT Quohren, geöffnet Freitag und Samstag 15-19 Uhr und nach Absprache, Tel. 03520 639561

http://www.galerieq.com

Von Karin Weber

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