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Regional Werke von Gerda Lepke im Kollwitz-Haus in Moritzburg
Nachrichten Kultur Regional Werke von Gerda Lepke im Kollwitz-Haus in Moritzburg
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18:41 03.05.2016
Gerda Lepke. Christuskopf nach Veit Stoß. Quelle: Galerie

Die Künstlerin Gerda Lepke hat für eine Ausstellung im Käthe Kollwitz Haus in Moritzburg Landschaftsblätter und Detailstudien einzelner Naturformen, die im Siebdruck ausgeführt sind, mit druckgraphischen und aquarellierten Arbeiten zur Passion Christi und weiteren, konzentrierten Figurenstudien kombiniert. Sie hat sich beschränkt auf Werke der letzten fünf Jahre, denen bei aller Bewegtheit eine verhaltene Intensität und Leichtigkeit zu eigen ist. Dies gilt sowohl für die Natur- als auch für die Figurenstudien. Landschaft und Figur – das sind die zentralen Themen im Werk Gerda Lepkes, die sie in vielfältigen künstlerischen Techniken bearbeitet. In dieser Ausstellung zeigt sie – dem besonderen genius loci verpflichtet – Siebdrucke und Aquarelle, die getrennt voneinander präsentiert werden.

Gerda Lepke hat dem Thema der Passion hier besonders großen Raum gegeben. Der von Blatt zu Blatt wie vor den Stationen eines Kreuzwegs sich weiter bewegende Betrachter hat Gelegenheit, in einzelnen Gestalten oder Figurengruppen sich konkrete Ereignisse der biblischen Passionsgeschichte vor Augen zu führen. Dabei hat die Art und Weise der Darstellung etwa des dornengekrönten Christuskopfes nichts Erzählerisches. Das suchende, nüchterne Erfassen dieses schmerzgezeichneten, geneigten Kopfes, die Reduzierung der Mittel verleihen der Kopfstudie eine erschütternde Intensität und Tiefe. Dass es sich hier um eine Arbeit nach einem geschnitzten Bildwerk von Veit Stoß handelt, ist in diesem Fall von untergeordneter Bedeutung. Kopfstudien, in denen eine charakteristische seelische Gestimmtheit eingefangen ist, spielen in Gerda Lepkes künstlerischem Schaffen eine hervorragende Rolle. Vergleichbar vielleicht dem Charakterkopf in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, dem „tronie“, dürfen sie nicht mit der Gattung des Porträts verwechselt werden.

So ist im Schaffen Gerda Lepkes zu verfolgen, wie sie sich, inspiriert durch ein antikes Bildwerk, mit einem Kopftyp oder einer in bestimmter Bewegung dargestellten Figur intensiv und immer wieder beschäftigt. Im Laufe der Auseinandersetzung mit einem Vorbild wie dem hier benannten spätgotischen Christuskopf von Veit Stoß entstehen offensichtlich zahlreiche Versionen und Varianten, die sich irgendwann vom ursprünglichen Vorbild lösen und künstlerische Dokumente von „allgemeinmenschlicher“ Qualität werden.

Es finden sich weitere, zum Teil zwei- und mehrfarbige Arbeiten zur Passionsgeschichte in dieser Ausstellung, die in bewegt-nervösen Linien und Schwüngen dichte Figurengruppen wiedergeben. Sprechende Körperhaltungen, das in die Szene eingebundene Kreuzsymbol und durch die Künstlerin hinzugefügte Bezeichnungen der Blätter bestätigen den Ausgangs- und Orientierungspunkt für diese Arbeiten. Aber auch hier rückt die biblische Erzählung bald in den Hintergrund. Vielmehr geht es Gerda Lepke offensichtlich um das Festhalten von typischen Haltungen, Gebärden und Gesten miteinander agierender Menschen, es geht ihr um Nähe und Entfernung, um Aufgerichtet- und Gebeugtsein, um Zugewandtsein und Ablehnung. Künstlerischen Ausdruck verleiht sie diesem Thema, indem sie die Figuren in Linien und Bogenformen, Netzstrukturen und schwingenden Kreisformen aus dem Blattgrund quasi herausschält. Andere Figurenkompositionen, die sie schlicht als „Begegnung“ bezeichnet hat, weisen ganz ähnliche Charakterzüge auf. Auch hier verläuft die Grenze zwischen dem literarisch oder kunsthistorisch verankerten und dem davon „befreiten“ Bildthema fließend.

Gerda Lepkes unglaublich weite Landschaften mit ihren hohen Himmelsgewölben und niedrigen Horizonten sind oft beschrieben worden. Von ihrem hochgelegenen großen Atelierfenster in Freital Wurgwitz am Stadtrand von Dresden hat sie einen grandiosen Ausblick, der sie zu allen Zeiten des Tages und zu jeder Jahreszeit zu diesen Landschaftsblättern inspiriert. Beinahe einer Sucht ähnlich, sucht sie die immer wieder wechselnden Licht- und Luftstimmungen, die Atmosphäre eines windigen, eines strahlenden oder eines verhangenen Tages zu erfassen und in ihrer charakteristischen Handschrift aufs Japanpapier, die Leinwand oder den Zeichenkarton zu bannen. Seit den 1970er Jahren hat Gerda Lepke Landschaften mit dominierenden Himmelszonen gemalt. Sie ist dabei nicht in die gegenstandslose Malerei gewechselt, sondern hat diese Bilder immer als erkennbare Notate einer Erscheinung der Realität aufgefasst.

Dies trifft auch auf jene Blätter in dieser Ausstellung zu, in denen die Künstlerin einen derart kleinen Landschaftsausschnitt gewählt hat, dass das dargestellte Motiv durchaus Qualitäten abstrakter Malerei aufweist. Die wunderbaren Rasenstücke in Grün, Grau, Schwarz und Rot sprechen von neuem Wachstum, von neuem „Ergrünen“ der Natur, die in der Zeit des Frühlingsanbruchs ihrer Grau-Schwarzen Winterruhe entrissen wird. Wie in einer makroskopischen Aufnahme sind hier extreme Details der Natur zum Thema geworden, ohne dass Gerda Lepke jedoch ihre stilistischen Mittel verändert hätte. Lediglich die Dichte und Eindringtiefe der Schilderung scheinen sich intensiviert zu haben.

Aprilblätter, Grafische Arbeiten von Gerda Lepke, bis 5. Juni. Käthe Kollwitz Haus Moritzburg, Meißner Str. 7, Mo-Fr 11-17 Uhr, Sa / So 10-17 Uhr

http://www.kollwitz-moritzburg.de

Von Uta Neidhardt

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