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Werke von Eun Nim Ro, Gerhard Bartsch und Jan Köchermann

Galerie Friesen in Dresden mit ungewöhnlicher Kombination Werke von Eun Nim Ro, Gerhard Bartsch und Jan Köchermann

Gleich drei Künstler kommen in der Galerie Friesen zusammen: Eun Nim Ro, Gerhard Bartsch und Jan Köchermann. Dazu gesellen sich noch Schöpfungen von Tim von Veh. Alles ergibt in der Zusammenschau eine frische Sichtweise auf einzelne Disziplinen der bildenden Kunst: Grafik, Zeichnungen, Malerei und Skulpturen.

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Gerhard Bartsch: „Immunsystem“, Mischtechnik auf Papier, 2017.

Quelle: Heinz Weißflog

Dresden. Zwei Tage vor der Ausstellungseröffnung waren die drei Künstler angereist, um in der Galerie Friesen ihre Bilder und Objekte zu installieren. Was sich zunächst als Hemmschuh erwies (die an den Wandecken, an der roten Galeriewand und an der Decke der drei Räume drapierten ornamentalen Radierungen von Tim von Veh), verkehrte sich in einen glücklichen Umstand. Die abnehmbaren Schöpfungen des Leipziger Künstlers ließen sich geschickt nutzen, um die Wirkung und den Eindruck der Ausstellung zu einem Gesamtkunstwerk zu steigern. Unter dem Titel „Odysseus und Penelope“ unternimmt der Betrachter eine Entdeckungsfahrt zu den Rändern seines Bewusstseins, als wäre er selbst auf den Spuren des „Schlaukopfs“ Odysseus, der am Ende in den Armen seiner treuen Ehefrau Penelope strandet. In drei unterschiedlichen Teilen (und in der Ergänzung der den Raum umfassenden Radierungen von Tim von Veh) erlebt der Besucher eine so in Dresden noch nie gesehene Zusammenstellung von Zeichnungen von Gerhard Bartsch, archaisch-sinnlichen Malereien der Südkoreanerin Eun Nim Ro und kleinen, geschickt mit Figurinen arrangierten Modellen für Skulpturen auf Plattenbauten von Jan Köchermann. Alles ergibt in der Zusammenschau eine frische Sichtweise auf einzelne Disziplinen der bildenden Kunst: Grafik, Zeichnungen, Malerei und Skulpturen.

Eun Nim Ro

Eun Nim Ro: o.T., Mischtechnik auf Leinwand, 2017.

Quelle: Heinz Weißflog

Die Malerin Eun Nim Ro (geb. 1946 in Chonju, Südkorea) sollte, wie es die Eltern wollten, Medizin studieren. Nach dem plötzlichen Tod der Mutter aber brach sie ihr Studium ab und ging in das damals noch unerschlossene Grenzgebiet zu Nordkorea, um als medizinische Entwicklungshelferin zu arbeiten. Dort hatte sie erste Kontakte zum Schamanismus (seiner spezifisch koreanischen Ausprägung) und begann, künstlerisch zu arbeiten. 1972 wanderte sie nach Deutschland aus und war zunächst als Krankenschwester tätig. Der Wechsel in die andere Kultur verursachte eine seelische Krise. 1973-1979 studierte sie Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei den Professoren Hans Thielmann und Kai Sudek. Im Kontakt mit bedeutenden Künstlern der Gegenwart und den modernen Strömungen der internationalen Kunst vor Ort entdeckte sie sich selbst, die Lösung ihres inneren Konfliktes, und entwickelte einen intuitiven Stil: Eun Nim Ro fand eine eigene zwanglose Synthese aus der östlichen, auf dem Hintergrund viel Weiß lassenden koreanischen Kunst, besonders der Kalligrafie, die eine wesentliche Quelle ist, wie auch die beseelt geglaubte Natur und die Ahnen- sowie Geisterwelt. Aus der westlichen Kunsterfahrung nimmt Eun Nim Ro Bezug auf die abstrakt-figürliche Moderne, die sich durch eine Reduktion der Formen auszeichnet, sowie durch ein Overall der Farben. Mit ihren Mischtechniken auf Papier und Leinwand schuf sie formelhaft-stark reduzierte narrative Zeichen, die zumeist Tiere, aber auch den Menschen, Pflanzen, Vogel und Schlange darstellen. Es sind immer Mischformen aus allen, die eine große Leichtigkeit und Einfachheit ausstrahlen.

Gerhard Bartschs schwarz-weiße Emailleschriftschilder (z.B. Ich) bilden die Knoten- und Kontaktpunkte der Ausstellung. Im ersten Raum beginnt er mit den Schildern – sollte man hier vielleicht sagen, Warnzeichen? – „verhängen“ und „verbrennen“: möglicherweise eine Anspielung auf den Aufbau der Ausstellung, das Erwägen und Verwerfen immer neuer Konzeptionen. Über das schwierig zu identifizierende „Ich“ (in das die philosophische Untersuchung von Bartsch im zweiten Raum einführt) und dem Schild „enthüllen“ (meint er vielleicht der Bilder?) geht es mit dem Schild „verspüren“ in den dritten Raum, in dem es schließlich vielversprechend heißt: „alle Wege führen zu mir“. So eingeführt, kann man sich mit den beiden Hauptprotagonisten der Ausstellung auseinandersetzen, mit der überdimensionalen Metamorphose „Penelope“, einer Mischtechnik auf Leinwand von Eun Nim Ro, und den Gedankenspielen von „Odysseus I und II“, „Schädel“ und „Gehirn“ (zehn bzw. acht Einzelblätter), allesamt mit dem Filzstift geschriebene Schriftbilder von Gerhard Bartsch, und sich auf eine Reise begeben durch das Gehirn und seine bildhaft gewordenen Kreationsfähigkeiten. Herrscht bei den formelhaften Malereien von Eun Nim Ro großzügig das Weiß und die leere Fläche des Papiers oder der Leinwand ganz im Sinne fernöstlicher Tradition, so sind die Blätter von Bartsch (geb. 1943 in Gdansk) durch ein Netz von Begriffen und Sentenzen mit den zentralen Begriffen „Matrix-Impuls-Konzept-Kreativität“ verdichtet, eine Anspielung auf die ewige Odyssee des Künstlers im Schöpfungsprozess der Bildfindung. Auf einer roten, von Tim von Veh gestalteten Wand im dritten Raum vereinen sich Objekte von Eun Nim Ro und Jan Köchermann zu einer lustigen Installation.

Jan Köchermann

Jan Köchermann: „Sunrise Claudia“, Plastik, Stoff

Quelle: Heinz Weißflog

Auf Abenteuer-Reisen ist auch Jan Köchermann (geb. 1967 in Lüdenscheid) und dabei immer auf den lokalen Spuren des Ausstellungsortes unterwegs. Ortsspezifische Mini-Plattenbauten (aus Modellbaukästen seiner Kinder) werden mit selbst gefertigten Figuren aus Pappmaschee oder Ton kombiniert, die auf minimale Weise und mit großem Witz die Geschichte von individuellen Begegnungen erzählen. So nimmt Köchermann auch Bezug auf den Standort der Galerie Friesen in seiner Arbeit „High Five Strehlen“ (2017). Seine in den Galerieräumen präzise platzierten Modelle (eines mit integriertem Radio) sind eigentlich Vorschläge für übergroße Skulpturen auf realen Gebäuden, ähnlich seinen Tunnels und Schächten mit ihren abenteuerlichen Ein- und Ausgängen, die je nach dem vom Himmel gefallen sind oder aus tatsächlichen Fassaden herausschauen. Jan Köchermann arbeitet im künstlerischen Management der Hamburger Sommerakademie „Pentiment – Internationale Sommerakademie für Kunst und Design e.V.“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die von seinen beiden Mitausstellenden 1988 gegründet wurde.

bis 15. Oktober. Galerie Margareta Friesen, Basteistraße 3, geöffnet: Di-Do 14-19 Uhr und nach Vereinbarung (Kontakt: 0351/ 216 5252)

www.galerie-friesen.de

Von Heinz Weißflog

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