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Regional Werke von Andreas Hegewald gleich an drei Orten in Dresden
Nachrichten Kultur Regional Werke von Andreas Hegewald gleich an drei Orten in Dresden
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17:49 09.09.2015
Andreas Hegewald: Athene und Odysseus. Roter Zöblitzer Serpentin. Quelle: H. Weißfog

Der Beschäftigung mit den "Köpfen" ging die Folge "Der Gezeichnete" mit 50 Arbeiten, darunter Köpfe und 25 Gedichte, voraus. In Pillnitz reihen sich unterschiedlich beschaffene Gesichter. Unter den ausgestellten handschriftlichen Gedichten von Hegewalds macht diesbezüglich eines davon deutlich: "Was du nicht weißt, kannst du nicht sehen". Betrachtet man die in Doppelzeile übereinander hängenden Blätter mit den "Köpfen" intensiver, so überrascht, wie unterschiedlich sie gezeichnet sind. Diese Art zu zeichnen (punktuell, schraffiert, linear) ist es, die dem Gesicht einen immer wieder anderen Charakter verleiht. Jedes Gesicht wird durch einen anderen Strichmodus lebendig: So folgt die Zeichnung im Profil rechts oder links gewandt einem zugrundeliegenden Prinzip. Es sind eher Schöpfungen der Einbildungskraft als Porträts. Die "Köpfe" stellen Variationen des Innersten dar, aber auch elementare Zustände wie brennend, Wind im Gesicht, tränenreich, wortlos. Die Kopfformen gehören im Prinzip zu der gleichen Person, sind nicht naturalistisch, sondern freie künstlerische Erfindungen. So sind die Zeichnungen Übungen in der unendlichen Varianz menschlichen Ausdrucks und Charakters. Dem Künstler bleibt die Erkenntnis: "Was du nicht weißt, ist relevant/du kannst es in dir selbst entdecken/wenn auf den Grund du deiner Seele siehst/und nicht vor deiner Blindheit fliehst/wirst du vor dir auch nicht erschrecken".

Im "versteckten neuen Kunstraum" der Firma "purnatour" stellt Hegewald eine weiteres komplexes Werk aus: die mit starken Emotionen und Trauer aufgeladenen Tuschezeichnungen und Gedichte unter dem Titel "Die Engel sind nicht in die Stadt gekommen". Eines der Blätter ist seiner 2011 verstorbenen Gefährtin Christiane Just gewidmet. Angesichts ihres Todes arbeitete Hegewald an dieser poetischen Dichtung weiter und trug in der schwersten Stunde mit dieser existenziellen Arbeit einen Kampf um sein Weiterleben aus. 30 Blätter davon sind ausgestellt. Sie sind Szenarien des Fernbleibens der Engel. Nur im Bild sind sie noch auszumachen, wenn sie über einer fiktiven Stadtlandschaft schweben. Alle figurativen und architektonischen Motive, die mit dem Edding-Stift gezeichnet wurden, sind Zeichen. Sie atmen die Wucht der urbanen Zivilisation, aber auch das Verhängnis der Stadt, die den Menschen einsam und hilflos macht. Während die Stadt in ihrer dreisten Hochmütigkeit nicht bemerkt, dass Engel an ihr vorübergeflogen sind. Überdimensionale Zündkerzen, Laptop, U-Boot, Mercedes-Stern u.a. kennzeichnen eine technisierte und genormte Welt, von der Büroklammer bis zum Raumschiff. Die ausgeraubte ägyptische Pyramide ist ein Zeichen des Unvermögens des Menschen, seine Geschichte und sein Leben vernünftig und friedfertig zu gestalten, aber auch Trost, in den Sternbildern eines unendlichen Kosmos leben zu dürfen.

Vor der Villa Baumgarten am Albertplatz steht zudem Hegewalds Athene-Odysseus-Skulptur aus rotem Zöblitzer Serpentin. Die unsterbliche Göttin der Weisheit und der listige, aber sterbliche Odysseus sind schicksalhaft auch im Stein miteinander verbunden. Die Aufstellung erfolgte innerhalb des Projektes der Ostrale, mit Kunst und ihren Künstlern auch innerstädtisch sichtbar zu sein. Für die Skulptur ist ein ständiger Platz in Dresden zu empfehlen.

bis 4. Oktober, Kunstraum Pillnitz, Wilhelm-Wolf-Straße 1b, Tel. 0351/21 06 69 56, 2 65 44 35

"purnatour", Glauchauer Straße 1, Tel. 0351/ 32 94 91 29, www.purnatour.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.09.2014

Heinz Weißflog

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