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Regional Werke aus der Sammlung Barbara und Stefan Weidle in Dresden
Nachrichten Kultur Regional Werke aus der Sammlung Barbara und Stefan Weidle in Dresden
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17:15 09.09.2015
Sigmar Polke: "Sieht man ja, was es ist", 2002 (1999), C-Print, schwarzweiß, auf Karton . Repros (2): Galerie Quelle: Repro Galerie

Die Galeristin Margareta Noeske aber will mit ihrer Ausstellung auf Defizite unserer Wahrnehmung aufmerksam machen, auf ein genaueres Hinschauen und Hineindenken in eine Kunst, die für viele keine ist, weil sie nicht eins zu eins abbildet, sondern sich eher hermetisch verschließt. Die Welt aber ist anders als die Welt der Bilder, grundverschieden. Unter dem Titel "Yes" (Kiki Smith, 1997, ein schwarz-weißes Blatt mit einem Falter) hat die Galeristin mehrere Dutzend Druckgrafiken, Zeichnungen und Fotografien zu einer Ausstellung vereint, in denen Abstrakte, Informel, Minimalismus und die konkrete Kunst dominieren.

Alle Arbeiten stammen aus der umfangreichen Kunstsammlung von Barbara und Stefan Weidle, Weidle Verlag, Bonn, die als Verlag von Gegenwartsliteratur über Jahre hinweg renommierte Künstler zu Buchtitelblattgestaltern verpflichteten. Deshalb kann man in der Ausstellung ebenso eine Auswahl von Büchern des Verlages (vorwiegend Romane) finden und in die Hand nehmen, während die freien Arbeiten aus dem Fundus als Gesamtkonvolut in fünf Räumen zu einem poetischen Ganzen zusammengefasst sind. Das war nicht leicht, da jedes Kunstwerk seine Einzigartigkeit behalten sollte, auch in der Behauptung gegenüber den anderen. Eine ästhetisches Konzept gab es dabei nur im geringen Maße, trotzdem folgten die Galeristin und die Verlegerin Barbara Weidle formalen Aspekten wie Farbigkeit, Struktur und Bildgröße jedes einzelnen Blattes.

Hier kann nur eine kleine Auswahl vorgestellt werden: Eine farbige Papierarbeit von Ellsworth Kelly (geb. 1923 USA) dominiert den ersten Raum. Bekannt geworden ist der Maler, Grafiker und Bildhauer durch monochrome Malerei, hard edge painting, Farbfeldmalerei und als Minimalist, vom abstrakten Expressionismus kommend und stark beeinflusst durch den französischen Impressionismus. Eine vertikale Streifigkeit kennzeichnet dieses Blatt. Streifen von Braun, Grün, Schwarz und Blau. Beeinflusst von John Cage und dessen minimalistischer Musik sowie durch den modernen Tanz, entwickelte er eine spröde, aber durchaus farbig frische Handschrift und öffnete sich jüngst besonders dem Surrealismus und dem Neoplastizismus.

Robert Ryman (geb. 1930 USA) ist mit einer Aquatinta-Radierung (aus einer Serie von sechs) im zweiten Raum vertreten, die, außer dem Prägedruck des Signums, nur als ein beiges, unstrukturiertes Blatt erscheint, das wie eine verputzte, leicht unebene Wand wirkt. Die leere Fläche zum Kunstwerk zu deklarieren ist eine Methode, sich über die Leere klar zu werden. Sie scheint mit John Cages (1912-1992) Monotypie (neben der Tür) verwandt, die eine Feuerspur zeigt. Aber was ist eine "verputzte Wand (Ryman) oder ein "stockfleckiges Blatt" (Cage) gegenüber einem Bild? Beiden Künstlern geht es um die besondere Beziehung ihrer Bilder bzw. ihrer Musik zur Wand, zum umgebenden Raum, zum Sound.

Der amerikanische Maler, Bildhauer und Architekt Donald Judd (1928-94) war ein Hauptvertreter des amerikanischen Minimalismus, der sich in den 60er Jahren in New York entwickelte hatte. In der Malerei kommt er wie viele vom abstrakten Expressionismus. Seine kubischen Objekte sind eine Folge der Beschäftigung mit dem Minimalismus. In der Ausstellung sind zwei gespiegelte Aquatinta-Radierungen von 1990 zu sehen, die eine korrekte, schwarz-weiße, horizontale Streifung thematisieren. Sie dominieren den Raum und fungieren in der Ausstellung als Blickfang.

Eine Schlüsselfigur der postmodernen amerikanischen Malerei war Philip Guston (1913-80). Als Autodidakt wandte er sich verstärkt dem abstrakten Expressionismus zu, war auch, wie viele seiner Zeitgenossen, von John Cages Musik begeistert. In der Ausstellung sind drei Lithografien zu sehen, die durch eine, der Oberfläche des Steins angemessene Struktur auffallen und in denen der Künstler mit seltsam- grotesk-belebten Formen gearbeitet hat.

"Jede Kunstform, auch die bildende, lebt erst durch Betrachtung", formuliert Margareta Noeske ihr Konzept, dann aber warnt sie, indem sie auf Charles Darwin verweist: "Erste Eindrücke gründen stets sehr fest auf den zuvor erworbenen Vorstellungen." Damit wird die Auseinandersetzung des Betrachters mit dem jeweiligen Kunstwerk zu einer intellektuellen Herausforderung. Gerade jene Bilder, auf denen auf Anhieb nichts Spektakuläres zu sehen ist, bieten dem Schauenden genug Möglichkeiten der Interpretation. Warum hat der Künstler das so gemacht und nicht anders? Und warum arbeitet er mit der Reduktion der Mittel und Ausdruckskräfte? Je minimaler ein Bild erscheint, desto mehr Raum bietet es für die Fantasie, für Überlegungen und findet folgerichtig seine gedankliche Fortsetzung erst im Betrachter.

Verlängert bis 28. Februar. Galerie Margareta Friesen, Basteistraße 3, 01277 Dresden. Tel. 0351/216 52 52 Di-Do 14-19 Uhr und nach Vereinbarung www.galerie-friesen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.02.2015

Heinz Weißflog

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