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Regional "Wer ist Deutscher?" - Eine Fotoschau rund um unsere Identität
Nachrichten Kultur Regional "Wer ist Deutscher?" - Eine Fotoschau rund um unsere Identität
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17:12 09.09.2015

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Einige haben ihr Haar zu strengen Zöpfen geflochten, einer wird der Kopf vermessen. Ein gewisses Unbehagen schwebt über den Bildern. Spätestens bei der Betrachtung des Mannes mit dem nackten Oberkörper und der Tätowierung "Never forget" nebst Davidstern auf der Brust, der vor einem Stacheldrahtzaun unbestimmt in die Ferne blickt, ist klar, dass hier ein ambivalentes Bild aufgemacht wird. Genau dies ist das Ansinnen des 44-jährigen Erschaffers dieser Bilder: Marc Erwin Babej, ein Künstler mit deutsch-jüdischen Wurzeln, der seit 1986 in den USA lebt und dessen Mutter und Großeltern im KZ Theresienstadt interniert waren, was nur die Frauen überlebten.

Seine Ausstellung "Mischlinge" feiert in der Dresdner Galerie M2A ihre Premiere. Ausgerechnet in der Stadt, in der seit einiger Zeit unzählige "besorgte Bürger" ihre Sicht auf eine "Überfremdung des Deutschen" zum Ausdruck bringen, stellt Babej nun die provokante Frage "Wer ist Deutscher?". Ein Zufall, der dem Künstler nicht ungelegen kommt: "Aktueller könnte das Thema wirklich nicht sein. Vor allem bin ich froh, dass die Arbeit die Ursprünge und den Kern des extrem und populistisch rechten Denkens in Deutschland anspricht", findet er. "Somit ist meine Arbeit 'Mischlinge' auf der einen Seite klar relevant, steht aber auch über dem Tagesgeschehen." Auf seinen an Schauplätzen mit NS-Vergangenheit verorteten Bildern sind ausschließlich Menschen abgebildet, die einen deutschen Pass besitzen. Einige, wie der Grünen-Abgeordnete Cem Özdemir (auf der Tribüne des Olympia-Stadions in München) oder das Model Anastasia Kholosta (vor dem Kriegerdenkmal in München) besitzen Migrationshintergrund. Andere, wie der Schauspieler Robert Dölle (als Mephisto in der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang) oder Rainer Höß (am Zaun des KZ Buchenwald), Enkel des berüchtigten Nazi-Kommandanten Rudolf Höß, nicht. Sie alle stehen für unsere heutige, vielfältige deutsche Gesellschaft. Dass es dabei "den Deutschen" gar nicht geben kann, unterstreicht Babej, indem er sämtliche Abgebildete einem DNS-Test unterzog und die Ergebnisse in die Bildunterschriften integriert hat. So erfährt man beispielsweise, dass die junge Frau, die vor den Embryoexponaten im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden auf eine unbekannte Lichtquelle blickt, zu 63 Prozent Osteuropäerin, zu 30 Prozent Westeuropäerin und zu 6 Prozent Nordeuropäerin ist. Die Idee zu dieser kombinierten Form der Darstellung ist ihm in einem Guss gekommen, als er sich die Frage stellte, wie es aussehen würde, wenn man heutige Deutsche in der Ästhetik der Nazis darstellt und mit dem DNS-Test gleichzeitig auf den Arisierungs- und Vermessungswahn dieser Zeit verweist. Dabei war es ihm bewusst wichtig, die Serie zuerst in Deutschland vorzustellen, da ihm die Relevanz der Thematik gerade dieser Tage wieder augenfällig wurde.

Marc Babej beobachtet von New York aus mit Konsternation die Geschehnisse in Dresden und andernorts - als im Ausland lebender Deutscher informiert er sich täglich aus deutschen Medien, um seiner Heimat verbunden zu bleiben. "Schon unglaublich, wie sich die Dinge entwickelt haben", findet Babej. Als er im April des vergangenen Jahres das Konzept entwickelt und die ersten Bilder gemacht habe, sei das Thema "Wer ist Deutscher?" sozusagen ein Evergreen gewesen. Auch als er im Sommer in Dresden war, gab es Pegida noch nicht, und die meisten hätten sich die Entwicklungen wohl kaum vorstellen können, vermutet er heute. Aus seinem mittlerweile eher amerikanischen Blickwinkel heraus ist es für ihn bedauerlich, dass gewisse Kreise in Deutschland immer noch eine Art "völkische Gesellschaft" anstreben: "In den USA zu leben bedeutet, in einer Gesellschaft zu leben, in der jeder durch die Staatsbürgerschaft ein vollständiges Mitglied ist."

Mit seiner Serie "Mischlinge" hofft Babej nun, etwas zum Dialog in Deutschland beizutragen.

bis 28. Februar, Mi-Fr 16-20, Sa 12-16 Uhr, Galerie M2A, Königsbrücker Str. 70, HH, Eintritt frei

www.galerie-m2a.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.02.2015

Susanne Magister

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