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Regional Wenn Kunst den Schlaf raubt – Die Museumsnacht Dresden steigt zum 20. Mal
Nachrichten Kultur Regional Wenn Kunst den Schlaf raubt – Die Museumsnacht Dresden steigt zum 20. Mal
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07:30 29.06.2018
Ist Gewalt geschlechtsabhängig? Was dran ist an gängigen Klischees, wird in der Ausstellung „Gewalt und Geschlecht – Männlicher Krieg, weiblicher Frieden?“ hinterfragt, die derzeit im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr zu sehen ist. Quelle: aus "Gewalt und Geschlecht"
Dresden

Nun gut, man kann am 30. Juni natürlich auch das zweite Achtelfinale der WM in Russland gucken, das Spiel zwischen dem Sieger der Gruppe A und dem Zweiten der Gruppe B, was lange auf ein Treffen zwischen Iran und Australien auf dem grünen Rasen hinauslief (okay, da war viel Zweckoptimismus im Spiel – tatsächlich spielen Uruguay und Portugal). Aber man kann König Fußball auch die Rote Karte zeigen und es vorziehen, eine Karte für die Museumsnacht Dresden zu lösen, die ebenfalls an diesem Abend über die Bühne geht – und zwar von 18 bis 1 Uhr und definitiv ohne Verlängerung.

Vorschau auf die Dresdner Museumsnacht 2018

Die Museumsnacht feiert ihren 20. Geburtstag, Happy Birthday an dieser Stelle also. Noch immer geht das Konzept auf: die neue Erfahrung, zu ungewohnter Stunde die Museen erkunden zu können. Seit 20 Jahren begeistert diese einzigartige Veranstaltung, bei der es bis tief in die Nacht heißt: Entdecke die vielfältige Museumslandschaft Dresdens!

Wann sonst kann man ohne große lange Planung entspannt einen ganzen Abend lang durch die schönsten und erstaunlichsten Sammlungen streifen? Wird von den Museumsleuten begrüßt, die neugierig sind auf ihre neuen Gäste? Kommt zwanglos ins Gespräch mit den Ausstellungsmachern? Kann zwischendurch mit Freunden einen Drink an der eigenes aufgebauten Bar nehmen oder auf Liegestühlen, die im Hof aufgebaut sind, in den Himmel des hoffentlich lauen Abends schauen?

Und 50 Museen hoffen, dass rein zuschauermäßig nicht der Spruch „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“ aus dem Matthäusevangelium (Kapitel 18, Vers 20) zutrifft. Kein Museum, das die Lehren aus der Ökonomie der Aufmerksamkeit nicht begriffen (oder zu erleiden) hätte, allenfalls notorische Kritikaster mosern was von „Hochverrat an der Seriosität und Sieg des Boulevard“.

Preise und Tipps

Einzelkarte: 13 Euro

Ermäßigungsberechtigte: 9 Euro

Familienkarte: 28 Euro (2 Erwachsene + bis zu 4 Kinder unter 14 Jahren); Kinder unter 6 Jahren frei!

Die Karte berechtigt zum Eintritt in alle teilnehmenden Häuser von 18 bis 1 Uhr, zur Fahrt mit den Museumsnacht-Buslinien und allen Linien im Bereich des VVO während der Museumsnacht sowie zur An- und Abreise im gesamten VVO-Verbundraum von 14 bis 6 Uhr und außerdem zum Eintritt zur Museumsnachtparty im Lipsius-Bau.

Die Leipziger Band Annuluk eröffnet die Party um 23 Uhr, danach legen die Dresdner DJanes Gucci 1 und Gucci 2 unter dem Motto „Let’s Dance“ bis gegen vier Uhr morgens auf.

www.museumsnacht.dresden.de

Aber die Zeiten ändern sich nun mal – und mit der gewandelten Rezeptionsästhetik einher geht die Identitätsstiftung einer Museumsgemeinschaft, das Wir-Gefühl der Direktoren, Kuratoren, Assistenten aller Museen einer Stadt, deren vermeintlich verstaubte Hochkultur im Angesicht der Verführungen durchs Entertainment oft genug mit der Existenzfrage konfrontiert wird. Also okkupiert, recht clever, die Hochkultur das Entertainment, oder genauer: Macht sich die Hochkultur das Entertainment zu nutze, indem sie dessen Vermittlungsmodi zu ihren Bedingungen anwendet. Deswegen spielt dann hier eine Jazzcombo, klampft dort ein Gitarrist, legt hier ein DJ auf, pflanzen sich dort Bässe fort durch ehrwürdige Häuser, auf dass man nur hoffen kann, dass der Nagel hält, der das Bild trägt.

Egal, es ist und bleibt eine gute Gelegenheit, auch mal Orte betreten, die man vorher kaum wahrgenommen, allenfalls den Namen gehört hat. Die entspannte Atmosphäre, die die Museumsnacht ausmacht, hat nicht zu knapp mit der besonderen Beleuchtung am Abend zu tun, aber auch damit, dass sich die Museen einmal anders als sonst präsentieren.

Auf dem Neumarkt steigt die große Abschlussparty

Die Alabaster-Figuren nach Michelangelo in der Skulpturensammlung waren lange nicht zu sehen. Das Archiv für Avantgarde und Kunst der Moderne ist ganz neu im Japanischen Palais zu entdecken. Sie kamen als Geschenke in Dresdens Museen, im 16. Jahrhundert von Cosimo de‘Medici und im 21. Jahrhundert von Egidio Marzona. Figuren und Archiv sind nun auch Teil der Museumsnacht, im barocken Ambiente des Zwingers und des Japanischen Palais.

Die beteiligten Einrichtungen schlagen mit ihren Veranstaltungen und Ausstellungen den Bogen von historischen Weltbildern zu den künftigen: von Bildern aus Kohle und Öl zu Bildern aus Daten. „Was wir wissen wollen, wie wir uns verständigen, was wir anziehen und womit wir uns bewegen: all das findet in der Museumsnacht Dresden zusammen“, schreibt Martin Chidiac vom Amt für Kultur und Denkmalschutz im vielerorts schon ausliegenden und in der Nacht erst recht erhältlichen Programmheft. Wer gerne einem roten Faden folgt, sich besonders für Mode interessiert oder lieber selber werkelt, für den werden Thementouren angeboten.

Auf dem Neumarkt gibt es ein sommerliches Blaulichtfest und schließlich eine große Abschlussparty bis in die tiefe Nacht im Lipsius-Bau an der Brühlschen Terrasse, wo zuvor u.a. das Künstlerkollektiv Slavs and Tatars unter dem nicht ganz ernst gemeinten Fragereigen „Dschingis Khan? Dschentrifizierung? Dschin Tonic?“ frank und frei Philosophie, Religion und Politik mit Popkultur verknüpft und dabei die emotionale und politische Bedeutung von Sprache betrachtet.

Shuttle-Busse und Straßenbahnen stellen die Verbindung her. Neue und neu gestaltete Attraktionen sind dabei: das Kindermuseum, das Archiv der Avantgarden und das Turmcafé in den Technischen Sammlungen. Und dann die Ausstellungen – es geht um Michelangelo und die Medici, moderne Kunst aus Polen, die Erfindung des Rassismus und das Verhältnis der Generationen. Und Haustiere sind ebenso Thema wie Mode und Fotografie.

Liste der teilnehmenden Museen

Albertinum mit Lipsiusbau, Tzschirnerplatz 2; Altana Galerie, Helmholtzstr. 9; Archiv der Avantgarden, Palaisplatz 11; Botanischer Garten, Stübelallee 2; Carl-Maria-von-Weber-Museum, Dresdner Str. 44; Deutsches Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1; Deutsches Uhrenmuseum Glasthütte, Töpferstr. 4; Eisenbahnmuseum Dresden, Zwickauer Str. 86; Erich Kästner Museum, Antonstr. 1; Fernmeldemuseum, Annenstr. 5; Gedenkstätte Bautzner Straße und Stasi-Unterlagen-Archiv, Bautzner STr. 112a; Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Münchner Platz 3; Gemäldegalerie Alte Meister, Theaterplatz 1; Hans Körnig Museum, Wallgäßchen 2; Historisches Grünes Gewölbe, Taschenberg 2; Josef-Hegenbarth-Archiv, Calberlastr. 2; Kleinbauernmuseum Reitzendorf, Schullwitzer Str. 3; KraftWerk – Dresdner Energie-Museum, Kraftwerk Mitte 26; Kraszewski-Museum, Nordstr. 28; Kügelgenhaus – Museum der Dresdner Romantik, Hauptstr. 13; Kunstgewerbemuseum, August-Böckstiegel-Str. 2; Kunsthaus Dresden, Rähnitzgasse 8; Kupferstich-Kabinett, Taschenberg 2; Leonhardi-Museum Dresden, Grundstr. 26; Mathematisch-Physikalischer Salon, Zwinger; Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Olbrichtplatz 2; Münzkabinett, Taschenberg 2; Museum Bunte Republik Neustadt, Prießnitzstr. 18; Museum für Sächsische Volkskunst mit Puppentheatersammlung, Jägerhof – Köpckestr. 1; Museum für Völkerkund und Museum of Untold Stories, Palaisplatz 11; Museum Hofmühle Dresden, Altplauen 21; Neues Grünes Gewölbe, Taschenberg 2; Palitzsch-Museum Prohlis, Gamigstr. 24; Panometer Dresden, Gasanstaltstr. 8b; Porzellansammlung, Sophienstr.; Residenzschloss Renaissanceflügel und Hausmannsturm, Taschenberg 2; Richard-Wagner-Stätte Graupa, Richard-Wagner-Str. 6 (Graupa); Rüstkammer, Taschenberg 2; Schillerhäuschen, Schillerstr. 19; Schloss & Park Pillnitz, August-Böckstiegel-Str. 2; Schulmuseum Dresden, Seminarstr. 11; Senckenberg Naturhistorische Sammlungen, Palaisplatz 11; Stadtmuseum und Städtische Galerie im Landhaus, Wilsdruffer Str. 2; Technische Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1-3; Verkehrsmuseum Dresden, Augustusstr. 1

Von Christian Ruf

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