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18:00 16.02.2018
Der Dresdner Musiker Johnethen Fuchs ist oft mit seiner Gitarre unterwegs – Auf der Suche nach Inspirationen für seine neuen Songs. Quelle: Junes Semmoudi
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Dresden

„Johnethen, aber die meisten nennen mich einfach Fuchs.“ Der dunkel gekleidete Mann stellt sich mit seinem Künstlernamen vor, seine Gitarre hält er in der Hand. Johnethen Fuchs lebt als Sänger und Gitarrenlehrer von der Musik. Sein 2014 formiertes Bandprojekt Johnethen Fuchs & The Woods kann nun mit 13 neuen, euphorischen Songs aufwarten. Das zweite Album mit dem Titel „Less Is Not Enough“ wird am 14. April veröffentlicht und bietet einen wilden Mix aus Indie, Rock und Pop.

Das Dresdner Kollektiv besteht neben Johnethen aus dem Schlagzeuger Damian, dem Bassisten Hauke und dem Melodiegitarristen Paul. Und auch wenn sich die Band von der Instrumentalbesetzung nicht wesentlich von den zahlreichen deutschen Indiebands unterscheidet, ist das Ensemble doch anders strukturiert: Johnethen ist der Kopf und der Motor. Er ist nicht nur Leadsänger und Gitarrist, sondern außerdem Pressesprecher, Manager, Organisator und der Songwriter der Band. „Ich glaube, die Jungs sind ganz froh, dass ihnen die Arbeit abgenommen wird“, schmunzelt Johnethen. „Jemand gibt die Struktur vor, jemand sagt wo es lang geht. Dass sie nicht so stark in den Organisationsprozess involviert sind, finden sie ganz angenehm.“ Und allzu diktatorisch ist Johnethen nicht. „Der Kern der Songs ist zwar vorgegeben, aber es gibt durchaus Freiräume.“

Musikalischen Input holt sich Johnethen Fuchs von Oasis, den Arctic Monkeys, Black Rebel Motorcycle Club, Mando Diao oder der australischen Psychedelic-Rockband Tame Impala. Der Dresdner Musiker geht oft alleine in den Proberaum, um eine Songidee zu skizzieren. „Wenn diese konkretisiert ist, spiele ich den Jungs den Song vor und wir üben ihn.“ Bei den spontan organisierten Bandproben wird selten drauflos gespielt und nach Eingebungen für neue Songs gesucht, denn das grobe Liedkonstrukt gibt Johnethen vor.

Aus Liebe zur Musik kündigte er den Job

Aufgewachsen ist der 29-Jährige in Görlitz. Mit 14 Jahren begann er Gitarre zu spielen, mit 16 zog er nach Dresden, um Hotelfachmann zu lernen. Nebenberuflich gab er Gitarrenunterricht und spielte gelegentlich auf kleineren Bühnen. „Ich habe aber schnell gelernt, dass Gastronomie und Musik von den Arbeitszeiten her stark kollidieren“, lacht Johnethen. Und als ihm sein Arbeitgeber verbat, sich für eine Konzertreihe freizunehmen, kündigte Johnethen und ging auf Tour.

Mal kratzig, mal weich, in einem Moment angenehm tief, im nächsten überraschend hoch – Johnethens Stimme ist prägnant und wandlungsfähig. Thematisch verarbeitet er sein eigenes Gedankengut in den Songtexten. „Ich mache mir oft zu viele Gedanken, was das Zwischenmenschliche angeht. Diese Inspirationen bringe ich dann im Text unter. Inhaltlich kann man viele Songs des ersten und auch des zweiten Albums auf das Thema Liebe reduzieren.“ Dennoch gibt es Unterschiede zwischen der 2015 veröffentlichten Debüt-Platte „Algeroy“ und dem neuen Album „Less Is Not Enough“: „Auf ’Algeroy’ kommt der akustische Singer/Songwriter-Charakter stärker zur Geltung. Das neue Album klingt mehr nach Band und nach Indie. Wir haben mehr ausprobiert. Die Songs sind differenzierter, die Arrangements größer – passend zum Albumtitel, der übersetzt „Weniger ist nicht genug“ bedeutet.

Bei mehr Spenden als nötig will die Band auch Vinyl-Platten anbieten

Die Lieder werden noch abgemischt und kommen Mitte Februar zum Mastering. Sind die Songs fertig bearbeitet, werden die CDs gepresst. Um den kostspieligen Arbeitsschritt zu finanzieren, hat die Band auf der Internet-Plattform „Startnext“ eine Crowdfunding-Aktion gestartet: Privatpersonen können den Bandmitgliedern im Vorfeld Geld spenden und bekommen je nach Betrag verschiedene Prämien als Dankeschön – das fertige Album auf CD etwa, oder ein Privatkonzert. Sollte die gesamte Spendensumme über 2500 Euro liegen, wird das Geld an die Band ausgezahlt. „Dieses wird dann in die CDs, aber auch in die Produktion eines Musikvideos investiert“, erklärt der Bandleiter. Sofern über 4000 Euro gesammelt werden, wird das Album zudem auf Vinyl-Schallplatte gepresst.

Im letzten Jahr gab Johnethen über 60 Konzerte und reiste dafür mit dem Zug nach München, Frankfurt oder Zürich. Auf seinen Solo-Touren spielt er in Cafés und Bars, aber auch in kleinen Clubs oder als Vorband. Als Band sind Johnethen Fuchs & The Woods bei Stadtfesten rund um Dresden präsent und spielen beim Elbhangfest, zur Bunten Republik Neustadt oder auf dem Hechtfest. Im vergangenen Jahr hat die Band unter anderem beim „Rocken am Brocken“ erstmals Festivalluft geschnuppert. „Auch für diesen Sommer sind wir bereits mit Veranstaltern im Gespräch“, verrät Johnethen. Es wäre also durchaus möglich, den Jungs während des kommenden Festivalsommers hier und da über den Weg zu laufen.

Die Crowdfunding-Aktion der Band läuft noch bis zum 4. März auf startnext.com/lessisnotenough

Von Junes Semmoudi

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