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Wem kommt die vom sächsischen Landtag um eine Million Euro erhöhte „Allgemeine Kunst- und Kulturförderung“ zugute

Finanzen Wem kommt die vom sächsischen Landtag um eine Million Euro erhöhte „Allgemeine Kunst- und Kulturförderung“ zugute

2015 hatte der sächsische Landtag eine Erhöhung des Titels „Allgemeine Kunst- und Kulturförderung“ um eine Million Euro beschlossen. Hinter diesem Titel verbirgt sich die Förderung der in den Landeskulturverbänden organisierten freien und Breitenkunst wie auch die institutionelle Förderung jenseits der großen Freistaatseinrichtungen.

Dresden. Einiger Stolz schwang mit, als das sächsische Wissenschafts- und Kunstministerium im Januar auf die Ausreichung der institutionellen Förderung für Kunst und Kultur hinwies. Pünktlich zu Jahresbeginn und nicht durch späte Haushaltberatungen verzögert. Eigentlich ist das keine Sensation mehr, hatte doch der Landtag im Vorjahr eine Erhöhung des Titels „Allgemeine Kunst- und Kulturförderung“ um eine Million Euro beschlossen. Was so allgemein klingt, ist eine sehr detaillierte und konkrete Angelegenheit. Denn hinter diesem Titel verbirgt sich die Förderung der in den Landeskulturverbänden organisierten freien und Breitenkunst wie auch die institutionelle Förderung jenseits der großen Freistaatseinrichtungen wie die Kunstsammlungen oder die Staatstheater.

Wem kommen die vier Millionen Euro institutioneller Förderung zugute?

Die SPD-Landtagsfraktion begrüßte nochmals, was sie als Koalitionspartner selber durchgesetzt und mitbeschlossen hatte. Doch wem kommen die vier Millionen Euro institutioneller Förderung zugute? Das Kunstministerium will keine Zahlen zur Aufteilung auf die Kunstsparten und Institutionen bekannt geben, um Neiddebatten vorzubeugen. Überflüssige Vorsicht, denn auch bei Unzufriedenen wird die Mittelerhöhung durchweg begrüßt. Torsten Tannenberg, Geschäftsführer des Sächsischen Musikrates, goutiert als Sprecher der Landeskulturverbände, dass sich der Freistaat in wirtschaftlichen guten Zeiten „einen kräftigen Schluck aus der Pulle“ für die Kultur gegönnt habe. Und untereinander bleiben die Verbände trotz fortbestehender Disproportionen solidarisch. Man wolle sich keinesfalls gegeneinander ausspielen lassen, betont Tannenberg. Freilich wirkt noch immer nach, „wer 1990 zuerst am Topf saß“, wie Tannenberg salopp formuliert. Musik spielt nun einmal eine dominierende Rolle in Sachsen, und so gehört der Musikrat mit Zuwendungen in der Größenordnung von 800 000 Euro zu den Premium-Landesverbänden.

Der Film zählte lange zu den Stiefkindern

Übersehen wird dabei leicht, dass auch der Kinder- und Jugendfilmdienst in ähnlichen Dimensionen gefördert wird. Der Film zählte lange zu den Stiefkindern und kann nunmehr als der Hauptgewinner der Aufstockungen gelten. Zum zweiten Mal wird beispielsweise das Neiße-Filmfest mit 80 000 Euro gefördert. Ralf Kukula von „balance film“, früher kritisch aktiv im Landesfilmverband, äußert sich inzwischen sehr anerkennend. „Mit dem Kinderfilm, dem Kurzfilm und dem Animationsfilm werden sächsische Stärken gefördert“, hält er Sachsen für „vergleichsweise vorbildlich“. Der Animationsfilm, an dem ihm besonders liegt, kann für 30 000 Euro eine Geschäftsstelle einrichten. Auch die Pflege des Audiovisuellen Erbes komme in Gang, was hauptsächlich Digitalisierung und Archivierung meint.

Freilich kann sich der Film sonst kaum auf Förderung durch die Kulturräume verlassen, und die bis zu 350 000 Euro der Kulturstiftung kommen vorrangig Festivals zugute. Auf der Produktionsseite fördert die Mitteldeutsche Medienförderung als Dreiländereinrichtung auch den jungen und experimentellen Film. Oft fehlt allerdings der Anschluss nach dem Debüt oder dem zweiten Film. Insgesamt aber freut sich Kukula über einen „Schub in der Arbeit“.

„Faktische Unterbelichtung“ der Sparte Bildende Kunst

Weniger begeistert zeigt sich Lydia Hempel in der Geschäftsstelle des Landesverbandes Bildende Kunst. Ihre Würdigung des verstärkten finanziellen Engagements auf Landesebene ändert nichts an der Klage über die „faktische Unterbelichtung“ ihrer Sparte. Nach der Übernahme der Förderung des Neuen Sächsischen Kunstvereins durch die Stadt Dresden befindet sich beispielsweise kein einziger Kunstverein mehr auf der Liste der vom Ministerium institutionell geförderten Verbände und Einrichtungen. Freie Bildende Künstler stehen nicht nur in Sachsen am Ende der Einkommensskala. Lydia Hempel aber würde mit dem Dachverband gern mehr für die vielen dezentralen kleinen Vereine und Initiativen tun, die als Kunstvermittler fungieren. Sie hätten kaum Chancen, in die kommunale oder Kulturraumförderung zu gelangen, die eher auf Museen orientiert sei. Die Bildende Kunst spürt besonders, wie bestehende Strukturen zur Verfestigung neigen und dem viel beschworenen „Neuen“ wenig Raum bieten.

Darstellende Kunst wird aufgewertet

Torsten Tannenberg registriert wiederum erfreut, dass die bislang bei den Kulturverbänden schlecht repräsentierte Darstellende Kunst aufgewertet wird. Amateurtheaterverband und der Landesverband der Freien Theater sollen ein Landesbüro bekommen. Für ihre Verbandsarbeit erhalten die sechs Landeskulturverbände jeweils etwa 15-20 000 Euro mehr. Was fängt man mit dieser nicht gerade üppigen Erhöhung an? „Da werden Löcher gestopft, da kommt nichts Neues“, antwortet Tannenberg spontan. Der Musikrat ist bislang der einzige, der nach Tarif bezahlen kann. Hier könnten andere nun nachziehen. Tannenberg betont, dass weit mehr als die Hälfte der Verbandsgelder für Projekte und nicht für die Organisation oder kulturpolitische Arbeit ausgegeben wird. Der Musikrat verfügt über 4,6 Stellen, und die Bildenden Künstler verschwenden ihre Mittel für 1,2 Stellen nicht gerade an einen Wasserkopf.

Es klagt also derzeit niemand laut bei den Kulturverbänden, deren organisierende und vernetzende Arbeit Kunstministerin Eva-Maria Stange nochmals würdigte. Dass sie „zur guten Entwicklung und zum Zusammenhalt der Gesellschaft“ beitragen, wissen sie und hören es dennoch gern noch einmal von „denen da oben“.

Von Michael Bartsch

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