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Warum Dresden den Vertrag mit Forsythe in Hellerau verlängern sollte

Warum Dresden den Vertrag mit Forsythe in Hellerau verlängern sollte

Jetzt hat sich Sachsens frühere Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) in die Debatte um die Zukunft der Forsythe-Company in Hellerau eingeschaltet - und fährt ihren SPD-Stadtratsgenossen gehörig in die Parade.

"Offenbar haben einige Stadträte vergessen, dass die Kooperationsvereinbarung mit der Company nicht allein Angelegenheit der Stadt Dresden ist. Sie ist ein Vier-Seiten-Vertrag zwischen Sachsen, Hessen, Dresden und Frankfurt a. M.", so Stange. Außerdem sei Dresden an den Hauptstadtkulturvertrag gebunden. DNN-Redakteur Ralf Redemund analysiert die vertrackte Lage.

Worum geht's im sächsischen Hauptstadtkulturvertrag zwischen Dresden und dem Freistaat Sachsen?

Der Freistaat betreibt die Oper, das Schauspielhaus, die naturhistorischen Sammlungen, das Museum für Völkerkunde und die Staatlichen Kunstsammlungen (u.a. Gemäldegalerie Alte Meister, Münzkabinett, Grünes Gewölbe), aber auch die Palucca-Schule sowie die Hochschulen für Bildende Künste und Musik. Der Hauptstadtkulturvertrag beteiligt die Stadt Dresden an den Kosten. Die derzeitige Regelung ist mühsam unter Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) ausgehandelt worden. Das Papier hat sich Ende 2010 automatisch unbefristet verlängert, "weil keiner der beiden Vertragspartner einen Anlass gesehen hat, Verhandlungen zu dessen Änderung aufzunehmen", wie Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) den DNN erklärte.

Wie viel muss Dresden zahlen?

Dresden zahlt jährlich 10,5 Millionen Euro an den Freistaat. "Damit leistet die Stadt einen Eigenbeitrag für den immensen Nutzen der zahlreichen vom Land finanzierten Kultureinrichtungen wie Schauspielhaus, Semperoper oder Staatliche Kunstsammlungen", betont die SPD-Landtagsabgeordnete Stange.

Wohin fließt das städtische Geld?

Bis zu 2,5 Millionen Euro fließen ins Verkehrsmuseum, das zur Stadt gehört. Noch einmal 2,5 Millionen erhalten die Stiftung Hygienemuseum sowie 1,5 Millionen die Forsythe-Company in Hellerau. Die restlichen vier Millionen gehen ans Staatsschauspiel. Im Prinzip "symbolische Millionen" für die Summe aller Landeseinrichtungen in Dresden, von denen die Stadt profitiert.

Hätte die Stadt Dresden einen finanziellen Nutzen davon, wenn sie William Forsythe kündigt?

"Nein", sagt Eva-Maria Stange. "Es ist falsch, den Eindruck zu erwecken, als ob bei Kündigung des Vertrages durch die Stadt Dresden diese Mittel in andere Kulturprojekte der Stadt wie zum Beispiel die freie Kulturszene fließen könnten. Hier muss die Stadt schon mehr eigene Anstrengungen unternehmen, so wie es Leipzig und Chemnitz mit deutlich mehr Mitteln tun."

Welche anderen Gründe sprechen dafür, den Vertrag mit der Forsythe-Company bis Ende 2016 (und Option bis 2018) zu verlängern?

In Dresden breche der Provinzialismus wieder aus, glaubt Stange. Mit dem Ballett der Oper, der einzigen europäischen Hochschule des Tanzes und der Forsythe-Company sei in Dresden ein einmaliges Netzwerk des klassischen und modernen Tanzes entstanden. Davon profitieren die Bevölkerung, die Touristen, die jungen Tänzer aus aller Welt und der Weltkulturerbe-Bewerber Hellerau. "August der Starke hat die Basis mit seiner Weltoffenheit und seinem Hang zum Modernen gelegt. Warum schaut Dresden immer mehr zurück als nach vorn, wenn es um Kunst und Kultur geht?", fragt Stange.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.07.2012

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