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Wanda mit Popmusik aus Schnaps und Amore in der Dresdner Reithalle

Konzert Wanda mit Popmusik aus Schnaps und Amore in der Dresdner Reithalle

Adriano Celentano lebt noch. Er kann deshalb schlecht in einem anderen Körper vor uns erscheinen. Trotzdem sieht man ihn – den charismatischen Schauspieler und Sänger aus Italien – in dem Mann, der da vorn auf der Bühne immer sein linkes Bein aufstellt, wenn er am Mikro steht: Marco Michael Wanda.

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Adriano Celentano lebt – in Gestalt von Wanda.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Adriano Celentano lebt noch. Er kann deshalb schlecht in einem anderen Körper vor uns erscheinen. Trotzdem sieht man ihn – den charismatischen Schauspieler und Sänger aus Italien – in dem Mann, der da vorn auf der Bühne immer sein linkes Bein aufstellt, wenn er am Mikro steht. Wenn Marco Michael Wanda es beidhändig umklammert, es festhält wie einen Schatz, wenn er ihm seine Liebe schwört und noch ein letztes Bussi haben will. Wandas viel besungene Amore bekommt zuallererst das Mikro zu spüren. Die körperliche, gern inzestuös anmutende, alles mitreißende Liebe in Zeiten von Beherrschung, Unverbindlichkeit und Understatement. Also nicht, dass Popsongs nicht schon immer die romantische Liebe mit ganz dickem Filzstift nachgezeichnet hätten. Doch hier ist plötzlich alles vereint, sind Schlager und Philosophie nicht länger Gegenteile. „1, 2, 3, 4 – es ist so schön bei dir / Ich kann dich nackt und wunderschön von hier aus seh’n / Ich will mit dir in einem schwarzen Kreis aus Opium steh’n / Und die Stadt träumt sich in uns’re Herzen‚ nein / Denn in mütterlicher Stille fängt es an zu schnei’n“. Wanda öffnen mit solchen Zeilen die Herzen ihrer Fans, soweit diese es eben zulassen, und schütten hinein, was sie an Rausch und Poesie aushalten.

So ist ein Konzert der fünf Wiener immer auch eine Flucht. In den fremden Rausch. Aus dem Ist-Zustand des eigenen Lebens, der Arbeit, der Beziehungen, hinein ins Soll. Die Menschen flüchten zwar erst einmal in leblose Orte wie die Reithalle, die so gar nicht für Amore stehen will, aber immerhin ganz passend heißt. Dort trinken sie Bier aus Plastikbechern und hoffen, es möge bald losgehen mit der ungezügelten Liebe. Denn das erwarten sie von Wanda. Nach zwei ziemlich großartigen Alben und vielen halb berauschten Artikeln über die Band. Wanda ist, so stand es geschrieben, was ganz Neues, jetzt aber mal wirklich, und die Rettung des deutschsprachigen Pop. Fünf Machos mit Wiener Schmäh und europäischem Charme. Musiker, die kein Problem mit dem Falco-Vergleich haben. Deren zweite Platte „Bussi“ (2015, Vertigo) einigermaßen genau so klingt wie die erste „Amore“ (2014, Problembär Records). Weil sie eben lange üben mussten, um diesen amourösen Sound perfekt hinzukriegen und jetzt, da sie es geschafft haben, und Wanda sein Mikro umklammern und so schön hinein schreien kann, sehen sie überhaupt nicht ein, dass sie damit gleich wieder aufhören sollen.

Folgerichtig räumen sie ab, was es an Musikpreisen, Ehrungen und Herzen abzuräumen gibt. Ihre „Popmusik mit Amore!“ setzt das Ausrufezeichen hinter den Übermut, die Selbstüberzeugung und den Exzess. Alles Dinge, die auf der Bühne so gut funktionieren, wie sie im Leben zum Scheitern führen. Und es funktionierte auch dieses Mal. Auch wenn statt Schnaps- nur Wasserflaschen neben den Musikern standen. Auch wenn Marco Michael Wanda in Jeanshemd statt in seiner Lederjacke auftrat. Seine braune, schweißdurchnässte, alkoholgetränkte Lederjacke ist zum scheinbar zweitwichtigen Detail ihrer Symbolik geworden, zumindest las man oft von ihr, sah sie bei so vielen Konzerten und auch noch auf dem letzten Plattencover. Wo sie wohl geblieben ist? Verschleißerscheinungen sind unumgänglich. Bleibt zu hoffen, dass Wanda noch ein paar Runden auf dem Karussell der Aufmerksamkeit drehen dürfen, bevor sich ihr Amorismus abnutzt. Nach Dresden treten sie nun kurz etwas ruhiger. Doch dann, im Herbst, geht’s endlich auf „Bussi-Kreuzfahrt“ nach Italien. Zu Adriano Celentano vielleicht. Ganz sicher aber nach „Bologna“, an den Ort, der ihre Liebe erfand.

Von Juliane Hanka

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