Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Vor den Toren Dresdens: Die Schummaniade 2016

In aller Vielfalt Vor den Toren Dresdens: Die Schummaniade 2016

Zu den Konzerten der diesjährigen Schumanniade vor den Toren Dresdens gab es allerorten beglückte Seufzer zu hören. Anlass war ein Novum im nunmehr neunten Durchgang des Festivals. So mancher Besucher ist ja von Anfang an dabei und schwelgte nun in seinen Erinnerungen. Dass es auch bei den Künstlern „Mehrfachtäter“ gibt, zeigten die Konzerte in diesem Jahr.

Der deutsche Pianist Alexander Krichel.

Quelle: dpa

Reinhardtsgrimma. Zu den Konzerten der diesjährigen Schumanniade vor den Toren Dresdens gab es allerorten beglückte Seufzer zu hören. Anlass war ein Novum im nunmehr neunten Durchgang des Festivals, nämlich eine Vielzahl von Fotografien über Mitwirkende – und was waren da für internationale Größen u.a. der Kammermusik oder des Liedgesangs zu erleben! – und Publikum samt der reizvollen Austragungsorte in der Vergangenheit. So mancher Besucher ist ja von Anfang an dabei und schwelgte nun in seinen Erinnerungen. Dass es auch bei den Künstlern „Mehrfachtäter“ gibt, zeigten die Konzerte in diesem Jahr.

So erklangen im Schloss Reinhardtsgrimma mehrstimmige Gesänge von Schumann und Brahms: das in Kreischa im Juni 1849 entstandene, schwärmerische „Minnespiel“ op. 101, die „Spanischen Liebeslieder“ op. 138 aus dem gleichen Jahr und schließlich Brahms’ beliebte „Liebesliederwalzer“ op. 52 – und zwar mit Musikern, die nicht zum ersten Male hier waren. Der Abend hätte das Motto tragen können „Mit großem Vergnügen“. Ute Selbigs feiner, silbriger Sopran, die Wärme von Annette Markerts Alt, der tenorale Schmelz, den Lothar Odinius verschwenderisch verströmte, und dazu der kernige Bass von Egbert Junghanns – alles fügte sich vorzüglich zu homogenem Ensemblegesang zusammen, in dem sich sängerische Erfahrung und die hör- und spürbare Begeisterung an der ausgewählten Literatur bestens mischten. Dazu kam das dezente, fein nuancierte Klavierspiel von Camillo Radicke im Verein mit Ragna Schirmer. Mit Feingefühl und Leidenschaft vertiefte man sich z.B. in das spanische Kolorit von Schumanns op. 138. Und so wunderbar kultiviert, variabel und natürlich im Ausdruck hört man diesen Brahms wirklich selten.

Der 1989 in Hamburg geborene Alexander Krichel hat schon einige Meriten auf internationalen Konzertpodien eingeheimst. Auch hier konnte man sich von der außergewöhnlichen Qualität des Pianisten überzeugen und gefangen nehmen lassen. Dabei machte er es sich keinesfalls leicht. Das Dreigestirn der drei großen romantischen Liedkomponisten – Mendelssohn, Schubert, Schumann – stand im Mittelpunkt der Matinee im Schloss Reinhardtsgrimma. Dass Alexander Krichel ein ausgesprochenes Faible fürs Lied, fürs Lyrische hat, bewies er gleich mit Mendelssohn Bartholdys „Variations sérieuses“ – federnd, plausibel differenziert und sich hingebungsvoll in deren Gesangsgestus vertiefend.

1819 schrieb Franz Schubert seine jugendlich-frische A-Dur-Sonate D 664. Sie erscheint wie ein einziges, frohes Frühlingslied. Und wie locker und delikat ließ Alexander Krichel hier den Flügel singen, wie wunderschön plastisch formte er die melodischen Linien. Einen direkten Bezug zum Lied stellte er mit Liszt-Bearbeitungen des Genres her, u.a. mit einem recht drastischen „Erlkönig“.

Ein wahres Meisterstück vollbrachte Krichel in seiner fulminanten Interpretation der „Symphonischen Etüden“ op. 13 von Schumann, in der er auch die heikle 3. und 9. Etüde nicht wegließ. Bei aller – wie selbstverständlich – zelebrierten Brillanz und Virtuosität präsentierte sich Krichel nicht als Tastendonnerer, sondern als einer, der zu charakterisieren versteht, der die tieferen Dimensionen der so unterschiedlichen Variationen bloßlegen will und kann. Technisch ist das „natürlich“ alles ohne Fehl und Tadel und absolut mitreißend. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Alexander Krichel nach dem funkelnden Glanz der Etüden völlig problemlos als Zugabe in die sehr innige und intime Welt einer Eigenkomposition, nämlich eines Wiegenliedes, zurückfand. Auch einen solch unmittelbaren Stimmungswechsel zu bewältigten ist nicht jedem Pianisten gegeben.

Von Beginn an legen Peter Schreier und der hinter der Schumanniade stehende, rührige Kunst- und Kulturverein „Robert Schumann“ Kreischa e.V. Wert darauf, auch weniger bekannte Schumann-Werke zu Gehör zu bringen. Diesmal war es das Requiem, entstanden ab April 1852 und von Wehmut und der Ahnung der kommenden Katastrophe (Schumanns Selbstmordversuch) geprägt. Peter Schreier legte als Dirigent die Wiedergabe in der Krische zu Kreischa angemessen schlicht, aber nicht pathetisch an, emotional dicht, voll auf die ergreifende Klangschönheit der etwa vierzigminütigen Totenmesse bauend. Der Sächsische Kammerchor (an der Orgel Matthias Eisenberg) setzte das Konzept überzeugend um. Das Ensemble zeichnet sich durch einen besonders gepflegten Chorklang und eine bis auf die Spitze getriebene, präzise Artikulation aus. Vor dem Requiem sang der Sächsische Kammerchor unter Leitung von Fabian Enders einige der volksliedhaften Balladen Schumanns aus op. 75, glasklar in der Intonation, zuweilen etwas steif im Ausdruck.

Von Mareile Hanns

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr