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Vor 100 Jahren wurde der Dirigent Erich Leinsdorf geboren

Vor 100 Jahren wurde der Dirigent Erich Leinsdorf geboren

Ein Gänsehaut-Dirigent war Erich Leinsdorf, heute vor 100 Jahren in Wien geboren und bis kurz vor seinem Tod 1993 aktiv, eher nicht; wohl aber ein Mann souveräner Kennerschaft und Zuverlässigkeit, mit dem sich zum Beispiel so unterschiedliche Pianistentypen wie Arthur Rubinstein, Swjatoslaw Richter und Lazar Berman gern auf die großen Standard-Klavierkonzerte einließen.

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Erich Leinsdorf 1991.

Nie war es Leinsdorfs Bestreben, seine ganz alleinige, möglichst alles Bisherige umwerfende Interpretation zu liefern.

Er diente zuerst dem Werk und dann seinen Partnern - Instrumentalsolisten eben und noch häufiger den Sängern auf der Opernbühne, wo er sowohl im Tagesbetrieb wie auch in seiner Diskographie die prägnantesten Leistungen hinterlassen hat: Puccinis "Turandot" und Verdis "Maskenball" zum Beispiel, die noch heute Referenz-Status haben, aber auch, damals eine veritable Wiederentdeckung, Korngolds "Tote Stadt".

So spielte Leinsdorf in gewisser Weise oft den zweiten Mann - ohne den freilich, wie beim Secondo-Geiger im Streichquartett, reinweg gar nichts laufen würde. Die Abneigung, sich missionarisch nach vorn zu drängen (verbunden allerdings mit einer dennoch fordernd-präzisen, an Toscanini geschulten Arbeitsweise und einer skeptisch-kritischen Haltung dem Kulturbetrieb gegenüber) mag vielleicht auch der tiefere Hintergrund dafür sein, das sich Leinsdorf nirgendwo allzu lange binden ließ.

Andererseits bescherte das dem Dirigenten, der gleich seinen Jahrgangskollegen Kurt Sanderling und Georg Solti aus einer jüdischen Familie stammte, bereits 1937 an der New Yorker Met die "Walküre" dirigiert und 1942 die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, ein reiches Reiseleben, das ihn erst zu vielen amerikanischen Spitzenensembles brachte (in Cleveland, Boston und an beiden New Yorker Opernhäusern hatte er zeitweise die Chefposition inne) und dann in seinen Altersjahren zum vielbeschäftigten Global Player machte.

Dieses respektable Pensum über viele Jahrzehnte hin pflegte der energiegeladene Maestro ab und zu ironisch zu konterkarieren, indem er sich selbst zu einem im Grunde faulen Dirigier-Hedonisten stilisierte. Dergleichen darf man natürlich nicht eins zu eins nehmen. Doch hinsichtlich einer Musik- und Weltneugier, die nie ihre quasi jugendliche Unruhe ablegte, dürfte der Dauer-Vergnügungsfaktor bei Leinsdorf tatsächlich ziemlich hoch gewesen sein, zumal er ihn durch hohe Arbeitsökonomie auspegelte und sich auf diese Weise viel, aber eben nie zu viel abforderte.

Sein Sinn dafür, komplexe dramaturgische Entwicklungen auf den gestischen Punkt zu bringen, bewährte sich für Bühne wie Konzertpodium gleichermaßen. Und darin, Deutlichkeit über Rauschhaftigkeit zu stellen, ist Erich Leinsdorf, gerade in seinem Kernrepertoire zwischen 1800 und 1920, bis heute aktuell geblieben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.02.2012

Gerald Felber

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