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Vonda Shepard entzückte ihre Fans in der Dresdner Lukaskirche

Vonda Shepard entzückte ihre Fans in der Dresdner Lukaskirche

Um das Pferd mal von hinten aufzuzäumen: Mit "Roxanne", der unverwüstlichen Ode auf eine besonders nette Prostituierte, klingt der Abend aus, ein Klassiker der früh vollendeten Punk-Reggae-Rockgruppe Police steht also am Ende des Konzerts von Vonda Shepard in der Lukaskirche.

Warum? Nun, weil die US-Amerikanerin, bekannt geworden durch die vor allem in gewissen Frauenkreisen Kult gewordene Serie "Ally McBeal", den deutschen Tourmanager, von dem sie erfahren hat, dass er Sänger einer Sting-Coverband ist, auf die Bühne bittet. Und siehe da, auch diese Nummer geht ins Ohr.

Die Lukaskirche war passabel gefüllt. Die Vonda-Welle ist halt doch ein bisschen abgeflacht. Sonderbarerweise scheint die gesunkene Aufmerksamkeit aber eher förderlich für die Qualität ihrer Lieder zu sein. Das neue Album "From the Sun", aus dem Shepard etliche Titel vorstellt, ist reifer, eleganter, verspielter, musikalisch anspruchsvoller und in manchen Fällen auch intimer geraten als der Bluesrock und Soul vergangener Jahre. Weit mehr und mutiger als früher aber nutzt Shepard versiert eine komplexe Harmonik, die manchmal an den Jazz angelehnt ist. Die Stimme ist wandlungsfähiger, als man gemeinhin denkt, schmeichelt wunderbar in warmen Tiefen und quietscht mitunter in den Höhen.

Die Inhalte ihrer Lieder sind an sich noch genauso sentimental wie früher. Die Songs schleichen sich überall ein, und sind sie erst mal angekommen, wird man sie nicht mehr los. Sie sind wie Einrichtungsgegenstände, von denen man sich nicht trennen mag, weil man sich irgendwann irgendwo irgendwie gedacht hatte, sie zu kaufen. Was Shepard besonders gut kann (hier geht es nur um die Musik): gefällige, gefühlvolle Balladen.

"Maryland" etwa, die Hommage auf einen Staat, wo Shepards Mutter immer leben wollte, aber nie tat, ist eine wirklich feine, ausgefuchste Nummer. Mögen die Harmoniefolgen Shepards auch vergleichsweise einfach sein, mit denen sich Shepard am Flügel selbst begleitet - ihre Aura fesselt, obwohl eigentlich das Klavier zwischen ihr und dem Publikum steht. Glück und Zufriedenheit stehen im Antlitz der Blondine, die quirlig jung geblieben wirkt, geradezu festgeschrieben.

Keine Show lenkt von der Musik ab. Und immer ist Platz für eine kleine private Geschichte oder Anekdote zwischen zwei Liedern. Es menschelt, ob Shepard nun entspannt von letztlich gescheiterten Beziehungen erzählt (ohne sich gleich in privaten Abgründen zu verlieren) oder das deutsche Essen lobt.

Die Mischung aus nachdenklich-gefühlvollen Balladen und schnelleren Nummern war rund, insofern war für jeden an diesem Abend etwas dabei. Passend zur Adventszeit gab es auch ein "Christmas-Set". Und siehe da: Es war nicht der abgenudelte Soundtrack zum kapitalistischen Kaufrausch. Die von Shepard erzeugte Wärme nimmt ein, nur notorische Nörgler mögen nölen, dass früher mehr Lametta war.

Die Post ging dann wieder ab bei dem Gospel "Sweet Inspiration", den man vor allem von "The Temptations" kennen dürfte. Der Satzgesang ist dreistimmig, hat der Star doch den jungen Singer-Songwriter Jaimi Faulkner und die Holländerin Stevie Ann, die zu Beginn noch nacheinander das einstündige Vorprogramm bestritten haben und von ihr in ihrer Heimat Kalifornien (nix Big Apple) entdeckt wurden, noch mal mit auf die Bühne gebeten. Vor allem den Namen Faulkner sollte man sich merken, auch wenn zumindest einige mit ihm schon den großen amerikanischen Schriftsteller verbinden. Christian Ruf

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.12.2011

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