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Vom Politökonomen zum Levitenleser: Manfred Breschke wird 65

Breschke & Schuch Vom Politökonomen zum Levitenleser: Manfred Breschke wird 65

Manfred Breschke wird er 65 Jahre alt. Statt in Rente zu gehen, wird er weitermachen, schon weil sein Puls noch immer hochgehen dürfte, wenn ihm im politischen Tagesgeschäft was sauer aufstößt. Er wird also ab September zwar einen Gang runter schalten, aber wohl doch auch die eine oder andere Pointe zum Kabarett Breschke und Schuch beitragen.

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Manfred Breschke

Quelle: Elisaweta Schuch-Wiens

Dresden. „Lasst wohlbeleibte Männer um mich sein“, lässt William Shakespeare seinen Julius Cäsar sagen, was entsprechend immer wieder gern zitiert wird, wenn Übergewichtige eine boshafte Anspielung scherzhaft kontern wollen. Wie es der echte Cäsar mit dicken Männern hielt, ist nicht verbürgt ist. Sollte er Männer mit schweren Knochen gern in seiner Umgebung gehabt haben, weil die ja angeblich so gemütlich sind, dann hätte er an Manfred Breschke wohl eher wenig Gefallen gefunden, denn der hätte ihm die Leviten gelesen, so wie er sich in Gallien aufgeführt und dann zur Alleinherrschaft in Rom gestrebt hat..

Ja, Breschke ist beleibt, wirkt äußerlich wie der gemütliche Dicke, aber wenn es in ihm brodelt, weil ihm etwas gegen den Strich geht, dann geht er auf die Barrikaden. Ohne wenn und aber. Breschke, promovierter Politökonom, der erklärtermaßen den Kapitalismus schon in der DDR studierte, obwohl es ihn dort gar nicht gab, schwingt dann auf der Bühne das satirische Florett, greift aber auch zum schweren Säbel.

Heute wird er 65 Jahre alt. Früher hätte das gereicht, um dem Arbeitsleben zu entfliehen, aber schon Udo Jürgens wusste, dass auch mit 66 Jahren noch lange nicht Schluss ist. Breschke wird weitermachen, schon weil sein Puls noch immer hochgehen dürfte, wenn ihm im politischen Tagesgeschäft was sauer aufstößt. Er wird also ab September zwar einen Gang runter schalten und die wohlverdiente Spötterrente verbraten, aber wohl doch auch die eine oder andere Pointe zu einem Programm des Kabaretts Breschke und Schuch beitragen, wo er seit 25 Jahren zusammen mit Thomas Schuch zwar nicht allabendlich (auch Kabarettisten haben hier und da ein Wochenende und gehen in Urlaub), aber doch sehr häufig den Leuten im Saal wie auch den Spitzen in Politik und Wirtschaft die Leviten liest, möglichst so, dass die Zuschauer auch daran Vergnügen finden. Aber er scheut sich nie, auch mal anzuecken, was vornehmste Kabarettistenpflicht ist. So sind die gemeinsam durch dick und dünn gehenden Humoristen so frei, jedes Jahr am 5. März klar Stellung zu beziehen und unter dem Motto „Lasst uns das Erinnern nicht vergessen“ an die Bücherverbrennung 1933 zu NS-Zeiten in Dresden am Wettiner Platz zu erinnern (auch am kommenden Sonntag, 11 Uhr).

Geboren in Ortrand, wurde Breschke zunächst zum Facharbeiter für Betriebsmess-, Steuerungs- und Regelungstechnik ausgebildet, studierte mit heißen Bemüh’n erst auf Lehrer und dann Marxismus-Leninismus, eingestandenermaßen „etwas intensiver“ als in der DDR ohnehin üblich, so dass er gar zum Doktor der politischen Ökonomie brachte. In einem Studentenkabarett in Zwickau unternahm er dann an der Seite Günther Pölitz erste kabarettistische Laufversuche. Nach einem Engagement im Erfurter Kabarett kam Breschke 1984 an die Herkuleskeule, wo er 1991 auf Thomas Schuch traf. Es war Künstlerliebe auf den ersten Sketch und da sie auf einer Satiriker-Länge ticken, traten beide dann 1998, die Chancen der Marktwirtschaft nutzend, den Weg in Selbstständigkeit an und gründeten ihr eigenes Haus. Konkurrenz belebt das Geschäft, das gilt auch für die Kabarettlandschaft.

2002 soff das Theater von Breschke und Schuch bei der großen Flut ab, aber auch dank zahlreicher Helfer und Spender konnte man den Spielbetrieb bald wieder aufnehmen. Die Hilfe zeigte: Breschke und Schuch können auf Freunde zählen, müssen auch bei der Fangemeinde etwas richtig gemacht haben. Ein Alleinstellungsmerkmal: Breschke und Schuch nehmen auch regionale und lokale Zustände immer aufs Korn. Es gibt nicht viele Kabaretts, die so was machen, zumal ja immer die Gefahr besteht, dass Gäste von auswärts den Gag nicht verstehen, aber als besorgte Bürger der Stadt können und wollen Breschke und Schuch nicht die Augen davor verschließen, dass in Dresden so einiges im Argen liegt.

Auch im Fernsehen war Breschke mitunter zu sehen, etwa in wie „Spot(t)light“ und „Zebralla“ an der Seite von Dieter Hallervorden. Er stand sogar mit dem mittlerweile verstorbenen Satire-Altmeister Dieter Hildebrandt beim „Scheibenwischer“ vor der Kamera, hat an der Dresdner Staatsoperette den Doolittle gespielt und gesungen. Zudem hat er zusammen mit seiner Frau Monika und Schuch den Dresdner Satire-Preis ins Leben gerufen, der vor allem dem Nachwuchs eine Chance geben soll und den schönen Nebeneffekt hat, dass Dresden kein weißer Flecken auf der Karte für Auszeichnungen für satirische Höchstleistungen ist. Auch diese Initiative zeigt, dass Breschke was bewegen will, dass er ein Macher ist.

Von Christian Ruf

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