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Vom Brett getroffen - D.E. Edwards Wovenhand kamen diesmal als ICE in den Beatpol Dresden

Vom Brett getroffen - D.E. Edwards Wovenhand kamen diesmal als ICE in den Beatpol Dresden

Als dann doch vielleicht überlebenswichtige Momente lang die Galeriefenster im Beatpol-Haus geöffnet blieben und vom Beginn des Konzertes bis zum Eintreffen der offiziellen Lärmbelästigungsbeschwerden nur wenige Minuten vergingen, müssen die Nachbarn oben im Club wohl eine Art Metal-Band vermutet haben.

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Saunagang auf der Bühne: David Eugene Edwards.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das geht ja gar nicht. Sind ja nicht in Wacken. Früher - und wir haben das Alter, um mit diesem Wort ungestraft einen Satz zu beginnen - wäre David Eugene Edwards wohl etwas länger durchgekommen. Früher hätten er und Wovenhand nicht über eine halbe Stunde lang am Brett geschreddert, gefräst, und das Brett dann auch noch ungehobelt in den vollen Saal geworfen. Früher hätten sie, wie auf der Modelleisenbahn, erst genüsslich ein paar Unheil verkündende Runden gedreht und sich langsam in Schwarzfahrt gespielt. Diesmal aber kamen Edwards, Ordy Garrison (Drums) und Gregory Garcia (Bass) mit dem ICE. Eine klare Ansage war das, gut verständlich und so gar nicht verspätet.

Wovenhand also als Trio, zudem völlig auf dem Punkt. Die Live-Situation im Studio, wo mit "The Laughing Stalk" ihre letzte Platte entstanden ist, hat sich nochmals zugespitzt. Das war das so gar nicht Überraschende, das wir im Vorfeld mutmaßten. Bis auf ein paar unterlegte Sounds als Brücken zwischen Songs, gab es nichts weiter als Stimme, Saiten, Fell, Blech und Klöppel. Garcia wechselte für kurze, aber im diesmal eher überschaubaren Klangbild blitzlichtartige Sequenzen an die Percussions. Andere Additionen - Fehlanzeige. Selbst Edwards setzt einen knappen Mittelteil an der kehligen "Horsepower"-Mandoline in den natürlich stickigen Raum, um den eher narrativen Elementen seiner Lyrics etwas Raum zu geben. Es klang eher wie ein Atemholen. Zwei Stücke solo, eins mit den Kollegen, dann flog das Altholz-Instrument schon wieder auf den Ständer. Und im Bräter ging es weiter.

Mühsam zu erkennende Stücke wie "As Wool" oder "Long Horn", schon auf Platte nicht arm an Vehemenz und Kraft, bekommen noch einmal eins mit der Peitsche. Es scheint, als würde man Wovenhand beim Ausmisten ihres eigenen Stalls zuhören. Schon die Formation macht das neue und mutmaßlich temporäre Konzept deutlich: David Eugene Edwards ist an den linken Rand gerückt, statt zentral in der Mitte zu stehen resp. zu sitzen. Anfangs ist er noch der Isegrim, der in einer Mischung aus Sonderschüler und Pantomime die Namen seiner Songs in Gebärdensprache tanzt, dabei noch immer nicht inszeniert wirkt, sondern wie unter Kribbelstrom gesetzt. Wenn er also "dirty hands" intoniert, dann singen seine Hände. Und wenn es um "den Herrn" geht, dürfte man ihm wahrscheinlich noch immer kein Kreuz und Nägel auf die Bühne reichen, ohne dass er sie auch verwenden würde. Doch schneller als gewöhnlich taucht Edwards in den unbarmherzigen Trio-Druck ein. Denn weder Garrison noch Garcia gönnen sich und ihm auch nur ferne Ahnungen von Pausen. Optisch dankbare Bilder liefern während dieses Saunagangs von Schweiß satt gespritzte Gitarrensaiten, Hemden, die nur noch zum Schein an Oberkörpern kleben (und zur Zugabe dann gänzlich verschwinden).

Ja, Wovenhand zeigten sich ein weiteres Mal umgekrempelt. Stillstand lag ihnen in keinem der über zehn Jahre ihres Bestehens, die Fan-Gefolgschaft früher Tage mag das nunmehr fast vollständige Fehlen von Farbtönungen vermissen, das Wechselspiel von Dynamik, Tempi, Nuancen, das homogene und so bezeichnende Miteinander von akustischen und elektrischen Instrumenten. Zur Allerweltskapelle aber werden Wovenhand, trotz der Reduktion, noch lange nicht. Andreas Körner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.08.2013

Andreas Körner

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