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Regional Vocal Concert Dresden wird 25
Nachrichten Kultur Regional Vocal Concert Dresden wird 25
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06:00 13.06.2018
Vocal Concert Dresden 2018 Quelle: David Nuglisch
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Dresden

Am Beginn stand die Idee, das lange vernachlässigte Repertoire der Dresdner Chor- und Kirchenmusik neu zur Aufführung zu bringen. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein hatte es in der Stadt etliche gemischte Chöre gegeben, die in ihren Programmen nicht nur die „großen“ Komponisten führten, sondern traditionsbewusst auch die heimischen, aber weniger bekannten auflegten. Im Lauf der Zeit war so neben dem Hoftheater und der Hofkirche eine starke bürgerliche Musikkultur gewachsen, an die der junge Dirigent Peter Kopp 1993 anschließen wollte: „Neuer Körnerscher Sing-Verein“ hieß der Chor, der das sein sollte, was einst dem Namenspatron Christian Gottfried Körner, dem Vater Theodor Körners, für ein solches Ensemble vorschwebte: Ein Verein, ein Kammerchor aus musikalisch fundiert ausgebildeten Laiensängern, der sich nicht nur dem Barockrepertoire, sondern gezielt auch den Komponisten der Aufklärung und der frühen Romantik widmen sollte.

Für das anfänglich wohlwollende, später immer anspruchsvollere Publikum des Chores gab es Raritäten zu entdecken: Musik von Zelenka, Ristori, Heinichen und schließlich von Johann Gottlieb Naumann. Dank der in den Orchestern solcher Mess-, Oratorien- und Kantatenaufführungen konsequent gespielten „alten“ Instrumente wurde der Neue Körnersche Sing-Verein parallel zu einem Eckpfeiler der historischen Aufführungspraxis in Dresden.

Dass es bei „Raritäten“ nicht bleiben konnte, stellten Peter Kopp und der Chor bald fest. Zusätzlich zum allgemeiner bekannten Repertoire erschloss man sich nun auch neue Spielräume: A-cappella-Konzerte im Seifersdorfer Tal wurden zur Spezialität des Ensembles, und erste CD-Einspielungen ließen das Publikum außerhalb Dresdens auf den jungen Chor aufmerksam werden. Spätestens bei den ersten Gastspielen im Ausland wurde offensichtlich, dass der Name, mittlerweile leicht verändert zu „Körnerscher Sing-Verein Dresden“, ein sprachlicher Stolperstein bleiben würde. International stockte es beim Umlaut, im Lande haftete dem Wort „Verein“ aus schlechter Erfahrung der Duft von Zigarrenrauch und mäßigem Wohlklang an. Die vor zehn Jahren vollzogene Umbenennung in Vocal Concert Dresden brachte neuen Schwung in die überregionale und internationale Aufmerksamkeit, die sich der Chor bis heute erhalten hat.

Wie ein Geniestreich mutet inzwischen an, was Peter Kopp und Vocal Concert Dresden mit der ersten Aufführung von „Nine Lessons and Carols“ in der Loschwitzer Kirche glückte. Was ein einmaliges Konzert werden sollte, das aus der Liebe zum orgelbegleiteten englischen A-cappella-Gesang und aus der Bewunderung für die Wirkung des als Vorbild dienenden Gottesdienstes in Cambridge entstand, hat sich so etabliert, dass sich hunderte Dresdner und ihre Gäste Weihnachten inzwischen nicht mehr anders vorstellen können. Und eine neue Generation kennt das Fest gar nicht mehr ohne dieses Ereignis.

Dass sich die Besetzung von Vocal Concert Dresden in 25 Jahren verändert und auch verjüngt hat, bedarf keiner Erklärung. Gelungen ist es Peter Kopp, den Chor über diese Zeit auf ein sehr hohes Niveau zu heben und da zu halten. Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Dresdner Kreuzchor und der Sächsischen Staatskapelle zeigen die Wertschätzung, die dem Ensemble in der nicht gerade dünn besetzten Dresdner Chorlandschaft entgegengebracht wird, und dank seiner Initiative für eine andere Kunstbetrachtung in der Reihe „Vocal Concert Dresden im Albertinum“ (in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Kunstsammlungen) ist dem Ensemble in den letzten Jahren ein neuer Publikumsstamm zugewachsen. Regelmäßig singt der Chor zudem in den Vespern der Dresdner Kreuzkirche. Die Möglichkeit, dort kleinere, aber sehr interessante Stücke in dem Rahmen aufführen zu können, für den diese ursprünglich entstanden, schätzt Peter Kopp besonders. Abseits der Konzerte haben diese Aufführungen ein besonders großes und dabei nicht weniger kritisches Publikum. Dass Peter Kopp nach seinem Wechsel auf den Posten des Rektors der Hochschule für Kirchenmusik in Halle die Arbeit mit Vocal Concert Dresden in der bisherigen Intensität fortsetzen kann, ist das Ergebnis eines großen gemeinschaftlichen Engagements.

Mit dem Programm des Jubiläumskonzerts kehrt Vocal Concert Dresden in gewisser Weise zu seinen Wurzeln zurück: Beethovens relativ selten gespielte Messe C-Dur und die noch seltener aufgeführten Kantate „Gottes Wege“ von Naumann sind Raritäten eines unverbrauchten Repertoires. Die große inhaltliche Spanne, die sich Vocal Concert Dresden in einem Vierteljahrhundert zwischen Lutherischen Chorälen, der Musik des Frühbarock, den Oratorien Händels und Bachs, den Liedern der Befreiungskriege, der Chormusik der frühen Dresdner und der späten deutschen Romantiker über Schönberg bis hin zu Eisler, Theodorakis und mehreren Uraufführungen erarbeitet hat, ist ein beredtes Zeugnis für die Kontinuität der anspruchsvollen Arbeit, die der Slogan des Chores wunderbar zusammenfasst: Schön zu hören.

Jubiläumskonzert 25 Jahre Vocal Concert Dresden am 17.6., 18 Uhr, Annenkirche Dresden Karten an der Vorverkaufskasse Kreuzkirche und unter www.kreuzkirche-dresden.de Vorbestellungen auch unter info@vocalconcert.de möglich

www.vocalconcert.de

Von Hartmut Schütz

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