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Regional Urbane Kunst bei Dresdens LackStreicheKleber
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18:26 02.08.2016
Urbane Kunst in der Galerie ist mittlerweile salonfähig – das zeigt die Ausstellung „Sweeping Passel“ zwischen Glasdach und Pflastersteinen im Treibhaus. Quelle: Christiane Michel
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Dresden

Die Ausstellung „Sweeping Passel“ im Rahmen des diesjährigen LackStreicheKleber-Festivals (noch bis Sonntag) zeigt viel Filigranes und wenig, was man im Vorübergehen konsumieren sollte. Urbane Kunst in der Galerie ist mittlerweile salonfähig und wird gern marketingstrategisch vereinnahmt, während sie an ihrem eigentlichen Bestimmungsort – im öffentlichen Raum – meist, wenn überhaupt, toleriert im Sinne von ignoriert, im schlechteren Fall kriminalisiert wird. Den Ort, den die LackStreicheKleber-Macher für ihre Ausstellung gewinnen konnten, verbindet beide Pole ein Stückweit miteinander.

Die (ehemalige) Galerie Treibhaus im Veranstaltungsareal der Katharinenstraße 11-13 war mal ein Anlaufpunkt für kleine, feine Ausstellungen, Lesungen und Konzerte. Dann musste sie 2010 schließen und war jahrelang überwiegend Garderobe und Lager für den benachbarten Nachtklub. Betritt man jetzt das reanimierte Treibhaus, tummeln sich hier für kurze Zeit die Werke von 16 Urban Art-Künstlern und -Kollektiven zwischen Glasdach und Pflastersteinfußboden.

Und es schleicht sich sofort das gute Gefühl ein, dass es richtig ist, dass eine Galerie genau das ist, was hierher gehört. Eine Besucherin jedoch , die sich mit Stilettos zur Eröffnung gewagt hatte, dürfte dies unter Umständen anders gesehen haben. Alle anderen amüsierten sich sichtlich, vermutlich nicht zuletzt, weil es in der „Bar der Korrekten“ Bier zum guten Zweck und fair zusammengemischte Brausen gab.

Auf den Ausstellungstitel angesprochen, erklärt LackStreicheKleber-Mitstreiterin und Künstlerin Anett Bauer: „Sweeping Passel, zu deutsch ‚Umherschweifende Schar’, das hat sowas Waberndes, wie das Konzept des Festivals – es kamen immer noch Künstler hinzu, manches entstand live, anderes verändert sich im Laufe der Ausstellung noch mal.“ Auf den ersten Blick fällt zunächst einmal auf, dass viele der überwiegend regionalen Urbanart-Künstler für die Galeriepräsentation detailverliebte, vielfach kleinformatige Grafiken aus dem Portfolio geholt haben.

Albert Gouthiers gutes Dutzend kleiner Gemälde und Zeichnungen beispielsweise nimmt eine ganze Wand zwischen zwei Türen ein. Sie scheinen sich dieses geweißte Stück gleichsam einzuverleiben, sind sie doch umrahmt und verwoben mit direkt auf die Wand getuschten, floralen Elementen – ein geordnet-chaotisches Gesamtkunstwerk. In ähnlicher Weise haben sich auch Sylvia Pásztor und Stefan Schwarzer in den freien Umgang mit den Räumlichkeiten eingearbeitet und ihre vorab auf Dresdner Streifzügen entstandenen Collagen mit der Galerie verschmolzen. Ihre miteinander korrespondierenden Zootiere leben auf der Wand weiter, springen auf sie über oder finden dort ihre Vollendung.

Festivalorganisatorin Anett Bauer alias „MUAH“ nutzte hingegen bewusst den „Deckenplatz“, um die Wandplätze für die Gäste frei zu halten, ihre aus geometrischen Formen zusammengesetzten Monster und Fabelwesen baumeln auf großen Scheiben von der Decke und lassen den Blick so auch immer mal wieder gen Glasdach schweifen.

Den Preis für das Kunstwerk, das man am ehesten übersehen könnte, gewinnt wohl der Bauzaun mit „Geweih“ mitten im Raum, den das Rockefeller Center for Contemporary Arts in die Ausstellung eingebracht hat. Mittlerweile vollendet sein dürfte auch die live zur Vernissage entstandene Wandmalerei von Cre-ei8ght.

Herausragend sind zudem die Fotoarbeiten der Rotterdamer Künstlerin Judy van Luyk, die sich im Rahmen ihres Artist in Residence-Aufenthalts in Dresden in die Stadt „hineingedacht“ hat. Mit einem quasi psychotischen Blick habe sie sich in Details verloren. Herausgekommen ist eine Zusammenstellung aus Nahaufnahmen von Mauerecken, Asphaltrissen und Ornamentfugen – ein Codesystem, das zunächst einmal nichts zu bedeuten hat, sich aber jeder selbst etwas hineindenken könne.

Wer wachen Auges langsam durch die Stadt läuft, wird vielleicht bemerken, dass sie einige ihrer „Funde“ in Urban Art- Manier auch wieder in die Stadt zurückgegeben hat. Die Ausstellung ist bis Sonntag täglich von 15 bis 20 Uhr geöffnet. Am Sonnabend gibt es auf dem Katharinenstraßenareal noch einmal verschiedene Live-Painting-Aktionen zu erleben: Das Künstlerduo Frau Albert verkunstet die Kickertische in der Groovestation, Jens Besser bemalt Außenwände auf dem Areal und nach einigem bürokratischen Hin und Her erhielten die LackStreicheKleber-Macher als i-Tüpferl die Genehmigung, auch die Außentore des benachbarten Asylbewerberheims in einem Teil der ehemaligen Feuerwache (Katharinenstr. 9) zu bemalen. Hier verewigen sich Artourette, Andy K. und Muah.

Zur Finissage am Sonntag ab 16 Uhr gibt es zu guter Letzt mit der Filmvorführung „Streetart in Dresden“ von Vincent Trouillard einen Einblick in das letztjährige LackStreicheKleber-Festival. Hier schließt sich der Kreis – auf ein Neues.

Von Susanne Magister

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