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Regional Uraufführung von „Kreis, Dreieck, Chaos“
Nachrichten Kultur Regional Uraufführung von „Kreis, Dreieck, Chaos“
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17:09 14.09.2017
Szene aus „Maid of the Mist“ mit Anna Till (vorn) und Ulrike Feibig. Quelle: Benjamin Schindler

Man muss dran bleiben und ausdauernd sein, wenn man etwas erreichen will. Das sagen sich seit geraumer Zeit auch all jene vom Villa Wigman für TANZ e.V., die sich mit diversen Ideen und erheblichem Durchhaltevermögen dafür einsetzen, dass das Gebäude der einstigen Wigman-Schule in Dresden dem Tanz erhalten bleibt. Im Rahmen ihres vielgestaltigen Tanzfonds Erbe Projektes haben sie nun einen gemeinsamen Abend herausgebracht, der sich „Kreis, Dreieck, Chaos“ nennt, und dabei geht es um „Die Tänze der Mary Wigman heute“. Die Betonung liegt auf heute. Was schließlich ein guter Ansatz dafür ist, um auf ganz eigene Weise Mary Wigman näher zu kommen und sich dabei auch selbst zu nützen.

Diese Premiere und eine weitere Aufführung haben zwar nicht, wie doch erhofft, schon im Wigman-Haus stattfinden können, dafür aber bei Verbündeten im nahe gelegenen Societaetstheater. Und das Publikum ist dazu äußerst reichlich erschienen, war offensichtlich recht angetan vom Erlebten, so dass sich vielleicht auch noch weitere Vorstellungstermine finden lassen. In diesem Theater wie ebenso in anderen Häusern, und irgendwann dann wohl auch in der Villa Wigman. Wofür es ja derzeit erfreuliche Anzeichen gibt.

Im Programm des Abends ist die Rede von vier Uraufführungen, was absolut nicht zu bestreiten ist – da stecken die Ideen und das Können von jeweils vier Teams dahinter. Aber letztendlich – und das ist noch viel besser – erweist sich, dass aus vier durchaus eins zu machen ist. Eben diese schlüssig ineinander gefügte Aufführung mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Als ganz persönliche und selbstbewusste Annäherung an Mary Wigman. Wozu beispielsweise schon im Juni spannende Workshops mit vielen Teilnehmern sowie Meisterkurse mit Irene Sieben und Susanne Linke beigetragen haben.

Auch Katja Erfurth, Johanna Roggan, Anna Till und Isaac Spencer, die als Vierergespann für Konzept und künstlerische Leitung von „Kreis, Dreieck, Chaos“ verantwortlich zeichnen, konnten auf diese Weise viel von der Körperarbeit und Gedankenwelt der Wigman quasi am eigenen Leibe erfahren. Was sie deutlich ermutigt und einmal mehr auch vereint hat. Um dennoch ganz eigene Wege zu gehen, je nach Interessen und Prägungen sowie gemeinsam mit befreundeten Künstlern. Herausgekommen ist dabei etwas Ganzes und Überzeugendes.

Wofür auch wichtig ist, dass die Bühnengestaltung durchweg in den Händen von Stephanie Zurstegge gelegen hat, realisiert als Teil ihrer Diplomarbeit im Studiengang Bühnen- und Kostümbild an der HfBK Dresden. Dabei ist es ihr gelungen, assoziierend zum barocken Bühnenportal des Societaetstheaters eine matte Spiegelwand in beweglichen Teilen zu schaffen, die verdeckt, bewegt, „zerlegt“ den Raum zu markieren und ein unaufdringliches Bild des Geschehens zu „zeichnen“ vermag. Das funktioniert gut für so verschiedenartige Choreografien, und auch in die Kostüme der Tänzer hat die Absolventin schlüssige Ideen einbringen können.

Zu Beginn der Aufführung gibt es ein Solo „Resonanzen“ mit einer geheimnisvollen Gestalt, die nur ihre Hände und Füße unverhüllt zeigt. Das Gesicht ist mit einer hellen Maske verdeckt, und manche wissen, andere ahnen es bald, dass da justament Katja Erfurth dahinter steckt. So wie sie weiß kaum einer derart markant mit Händen und Füßen zu tanzen, und die Finger spielen wie auf einer Klaviatur des schwarz umhüllten Körpers (dieses Kostüm stammt von Magdalene Buschbeck), der sich in den Haltungen immer wieder verwandelt. Ein kurios bewegtes Geschöpf, verzagt, auftrumpfend, nervös, beunruhigt, abwartend, und das im steten Körper-Klang-Zwiegespräch mit dem sensibel vorgebenden wie auch reagierenden Schlagzeuger Sascha Mock.

„Wigman wieder-holen“ nennt Johanna Roggan ihre Choreografie, die sie gemeinsam mit Romy Schwarzer tanzt. Ein Auftreten ganz ohne Eitelkeiten, eine Körpersprache, die von den zeitlich variierten Abfolgen der Bewegungen und auch der Verschiedenheit beider Tänzerinnen lebt. Was mal mehr und mal weniger spannend, aber doch konsequent gehandhabt ist. Und der rhythmisch drängende Klangduktus von Demian Kappenstein lässt dabei ein Ausweichen auch gar nicht erst zu.

Die Dritte im Bunde, Anna Till, die bereits in ihrer erkundenden Produktion zur Tanzmoderne intensiv Erfahrungen auch mit den Drehtänzen der Mary Wigman gemacht hat, kommt dieser nun auf der Bühne mit „Maid of the Mist“ sowie Ulrike Feibig und Ludwig Bauer als Text- und Piano-Partnern verdeckt/versteckt ungehörig in die Quere. Also frisch, frei und mit Verstand. Sicher, diese Art von Humor kann man mögen oder auch nicht. Aber langweilig ist das nicht. Und wenn dabei ernsthaft Texte von Mary Wigman einbezogen sind, sich Szenen „unmittelbar“ vor dem abgelichteten Rheinfall bei Schaffhausen abspielen, assoziierend zu den Niagarafällen und der „Gier nach Gischt“, macht das Spaß und auch nicht dümmer. Um letztendlich, beim austrudelnden Kulissen-Schieben im verklingenden Spiel der Worte die Frage im Raum stehen zu lassen, man habe doch eigentlich noch über die Verstrickungen der Wigman im Nationalsozialismus reden wollen. Was ja gewissermaßen auch eine Antwort ist. Und vielleicht mehr bewegt als allzu heftiges Agitieren.

Dass der in sich schlüssige Abend zum Abschluss noch eine weitere Überraschung bereit halten würde, war, auf den Tanz bezogen, durchaus voraussehbar. Denn der aus Amerika stammende Isaac Spencer ist nun mal ein hervorragender Tänzer mit viel Bühnenerfahrung. Aber es überraschte dann doch, als er mit seinem so unverfälschten Solo „the heart of the matter“ beweisen konnte, dass er zudem auch ein guter Choreograf ist. Auf eine ganz eigene Art und Weise gelingt ihm die Annäherung an die deutsche Tanzmoderne, und das in einer absolut heutigen Bewegungssprache, wo man sich auch mokieren könnte über Armhaltungen und dergleichen mehr. Egal! Isaac Spencer weiß in der Intensität von Körper, Raum, Zeit, Loslösung und Spannung viel mehr zu erzählen als manch andere im Tanz. Und ist dabei dicht dran an Mary Wigman. Zudem sind ihm ganz offensichtlich ebenso die im Tanz immer wieder vernachlässigten dramaturgischen Zusammenhänge (Thomas Schaupp) wichtig, und er findet gemeinsam mit dem Komponisten Tamer Fahri Özgönenc auch zu einer sensiblen, wortlos beredten Klangszenerie, die vor allem mit der Atmung arbeitet. Das ist rundum beeindruckend.

Von Gabriele Gorgas

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