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Uraufführung der Dresdner Sinfoniker im Festspielhaus Hellerau

„I EXIST – Nach Rajasthan“ Uraufführung der Dresdner Sinfoniker im Festspielhaus Hellerau

Die Dresdner Sinfoniker und Marc Sinan haben sich musikalisch auf die Suche begeben: „Nach Rajasthan“! Im gleichnamigen indischen Bundesstaat (auch als „Land der Könige“ bezeichnet) werden die Wurzeln der Roma und ihrer Kultur vermutet.

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„I EXIST – Nach Rajasthan“ – Uraufführung im Festspielhaus Hellerau

Quelle: Stephan Floß

Dresden. Sinti und Roma sind heute in vielen Teilen der Welt präsent. Es ist politisch nicht korrekt, sie als „Zigeuner“ zu bezeichnen. „Fahrendes Volk“ führt auch in die Irre. Dabei führen just sie aller Welt vor, wie widersinnig und unnatürlich Staatsgebilde und Grenzen sind.

Sie leben und lieben die Freiheit so selbstverständlich, dass ihre Sprache nicht mal ein eigenes Wort dafür hat. Dadurch bereichern sie – mal etwas mehr, oft aber wesentlich weniger geduldet – das Leben in den künstlich gebildeten Staaten. Ihre Lebensweise wird häufig als „nicht angepasst“ und „fremd“ wahrgenommen, desgleichen ihre Kultur. Faszinierend ist sie allerdings doch. „Zigeunermusik“ etwa, wer könnte deren Reiz widerstehen?

Wo aber hat diese Musik ihren Ursprung? Ganz gewiss nicht in den operettig verkitschten k.u.k.-Dynastien, auch nicht in ungarischen Weinkellern und schon gar nicht in Schmachtfetzen à la „Zigeunerbaron“. Wenngleich sich Einflüsse nicht leugnen lassen.

Die Dresdner Sinfoniker und Marc Sinan wollten es aber genauer wissen und haben sich auf die Suche begeben: „Nach Rajasthan“! Im gleichnamigen indischen Bundesstaat (auch als „Land der Könige“ bezeichnet) werden die Wurzeln der Roma und ihrer Kultur vermutet. Fataler Treppenwitz der Geschichte: Ausgerechnet dort liegt der historische Ursprung auch der Arier, wo jene Menschen herstammen, auf die selbsternannte „Arier“ jenes deutschen Mitläufer-Reiches zwölf Jahre lang rassenideologische Jagd machten. Das Unrecht an den Sinti und Roma ist noch längst nicht vollständig aufgearbeitet worden – was mit ein Grund dafür gewesen sein dürfte, dass Dieter Jaenicke vor zwei Jahren das Projekt RomAmoR initiiert und die Dresdner Sinfoniker nun für eine Uraufführung ans noch von ihm geleitete Festspielhaus geladen hatte.

Aus der Spurensuche vor Ort sind Komponist Marc Sinan und Intendant Markus Rindt auf authentische Klangbilder gestoßen, die im Alltag präsent sind und vermutlich auf uralte Wurzeln zurückgehen. Aus Videomitschnitten und Interviews entstand zusammen mit verfremdenden Kompositionen und einer farbprächtigen Ausstattung die Collage „I EXIST – nach Rajasthan“, die nun in Hellerau präsentiert wurde und nach einer Aufführung in Berlin heute in München gezeigt werden soll.

Was wie eine Kakofonie begann, schlug bald in aufsteigende Tonfolgen um, die noch und noch wiederholt worden sind, als wäre man fündig geworden auf einer Recherche. Aus dem Zusammenspiel von Musikern der Dresdner Sinfoniker, des No Borders Orchesters und von Gästen aus Rajasthan ergab sich mehr und mehr ein Gefühl für die Lebensfreude in dieser Musik, für deren Schönklang und tänzerische Charakteristik. Am deutlichsten wurde dies natürlich in Filmaufnahmen aus Indien, die das ausgeprägte Gemeinschaftsgefühl zeigten, sowie im Trio von Raju Bhopa, Dayam Khan und Papamir, die mit Gesang, Röhrentrommel und dem einst als „Missionarsorgel“ nach Indien gekommenen Tischharmonium Musik ihrer Heimat aufführten.

Die Geigerin Iva Bittóva griff die sehnsüchtigen Tonfolgen auf und führte musikalisch in die Balkanregion, ohne deren Folklore zu strapazieren. So entstand keine lineare Verbindung der Musik über die Kontinente, sondern ein Miteinander des Grundverschiedenen. Eine gemeinsame Sprache von Menschen, die sich im künstlerischen Ausdruckswillen verbunden sind. Vor dem prachtvollen Hintergrund aus Wortfetzen und assoziativ bemalten Stoffen von Damian und Delaine Le Bas – darauf auch das von den Nazis missbrauchte Sonnensymbol – ergab diese Uraufführung „I EXIST – nach Rajasthan“ ein Gesamtkunstwerk, das mehr als das Freilegen musikalischer Wurzeln verbindendes Wachsen betonte.

Von Michael Ernst

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