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Unika und Seltenheiten in einer sehenswerten Sommerschau

Einzigartig im Dresdner Kupferstichkabinett Unika und Seltenheiten in einer sehenswerten Sommerschau

Das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden lädt bis Ende September zu einer spielerisch-beschwingten Sommerausstellung ein. Unter dem Motto „Einzigartig“ werden Unika und Seltenheiten quer durch die Zeiten und die künstlerischen Medien der Kunst auf Papier präsentiert.

Otto Dix, Selbstporträt, Feder in Tusche auf Zeichenkarton, 1927

Quelle: Herbert Boswank

Dresden.  Sommer. Ferienzeit. Da bietet es sich an, die Besucher mit etwas Spielerischem, vielleicht auch Überraschendem zu locken. Stephanie Buck, die Direktorin des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, und ihre Mitarbeiter haben zu diesem Zweck einen tiefen Blick in die riesige Sammlung getan – die Chefin sprach von mehr als 500 000 Werken – und schließlich etwa 60 ausgewählt. Unter dem Motto „Einzigartig – Unika und Seltenheiten“ widmet sich die beschwingt-spielerische Sommerschau in mehreren Kapiteln unterschiedlichen Aspekten des im Kupferstich-Kabinett Aufbewahrten, wobei die ausgewählten Werke bisher selten oder noch nie gezeigt wurden.

Gleich eingangs begegnet der Besucher einem Thema, das wohl der Bedeutung von „einzigartig“ am nächsten kommt: der Zeichnung und dabei auch einigen Selbstporträts, etwa von Caspar David Friedrich, Max Klinger oder auch Otto Dix. Nicht alle der Zeichnungen sind aus konservatorischen Gründen über die ganze Zeit im Ausstellungsraum präsentiert. Man findet sie hier aber sowohl als Druck als auch an einer Medienstation. Die Originale warten in der Mehrheit im Studiensaal. Auf jeden Fall sollte man also dort klingeln, um sich diese zeigen zu lassen. Das ist nicht zuletzt eine Möglichkeit, aus eigener Anschauung den Unterschied zwischen Original und Reproduktion zu erleben, ganz besonders auch jenen zwischen dem Erscheinungsbild eines Werks auf dem Computerbildschirm und dem Erlebnis, das Bild direkt vor sich zu haben, die Materialität zu sehen und die Aura zu spüren. Das ist wirklich einzigartig!

Claude Mellan,Schweißtuch der heiligen veronica – Vera Icon, Kupferstich, 1649

Claude Mellan,Schweißtuch der heiligen veronica – Vera Icon, Kupferstich, 1649.

Quelle: Andreas Diesend

Über das Thema „Einzigartigkeit“ in der Fülle und Vielfalt der Sammlung hatte sich Anfang des 20. Jahrhunderts bereits der Kurator Hans Wolfgang Singer Gedanken gemacht, in seinem Buch „Unika und Seltenheiten im Königlichen Kupferstich-Kabinett zu Dresden“ (1911), wobei er für diesen Katalog nur druckgraphische Werke auswählte. Singer ging es darum, die Bedeutung der Druckgrafik hervorzuheben, etwa kolorierte Holzschnitte oder komplizierte Kupferstiche. Das wiederum macht deutlich, dass immer auch von ihrer Zeit geprägte Vorstellungen und Gegebenheiten das eine in den Vordergrund, anderes in den Hintergrund rücken lassen.

Sehr kunstvoll erscheint heute etwa der Dreifarbdruck mit Mezzotinto auf Büttenpapier „Madonna mit Kind“ (nach Tizian) von Jakob Christoffel Le Blon (1667 – 1741) aus dem Singer-Band. Auch ein Sammelalbum mit Zeichnungen aus verschiedenen Schulen und Jahrhunderten, das einst Gottfried Wagner (1652 – 1725) anlegte, weist auf solche historisch determinierte Bedeutungszuschreibung, die letztlich etwas zum Besonderen macht. Dazu gehören in der Kunstgeschichte zweifellos Raffaels Gemälde – nicht zuletzt, weil sie die meist reproduzierten sind. Eins davon ist das 1514 geschaffene Altarbild der „Heiligen Cäcilie“ in Gesellschaft der Heiligen Paulus, Johannes, Augustinus und Maria Magdalena, das in Bologna zuhause ist und von dem das Kupferstich-Kabinett zahlreiche unterschiedliche Reproduktionen – oft im Detail verschieden – von verschiedenen Künstlern aus verschiedenen Zeiten besitzt. Natürlich wählen Künstler auch bei einem ihrer wichtigsten Materialien aus: dem Papier.

Und so kann man in der Schau einen Blick auf unterschiedliche Papiere werfen, ja sie sogar anfassen. Zugleich sind ausschließlich aus Papier geschaffene Arbeiten zu sehen: Prägedrucke von Günther Uecker, gerissene Blätter von Dresden-Kunstpreis-Trägerin 2017 Ursula Sax. Und eine überaus feste Bank aus Papier bereichert die Ausstellung ebenfalls. Auch dies alles zwangsläufig „Unika“. Von hier ist der geistige Weg zur Moderne nicht weit. Denn auch ihr ist ein Kapitel dieser Schau gewidmet. Ein Aspekt gilt dem Innovationsdrang moderner Kunst, der dazu führte, dass sich die reproduktionstechnischen Möglichkeiten insbesondere durch die Fotografie erweiterten und die alten Druckverfahren völlig neu eingesetzt wurden.

Letzteres gilt etwa für die „Brücke“-Künstler, die den Holzschnitt neu belebten, ihm zugleich ein neues Gesicht gaben, ja eine enorme bildnerische Qualität. Dies belegen in der Schau Kirchners „Schiffe auf der Elbe“ (1910). Gezeigt werden zudem fotografische Arbeiten auf der Basis ganz unterschiedlicher Verfahren, darunter Gummidruck und Fotogramm. Hinzu kommen Montagen beziehungsweise Collagen auf Basis von Zeitschriftenfotos, die ebenfalls Unikate sind – hier Marianne Brandts Arbeit „Ihre wirksame Mithilfe“ (1926). Christiane Baumgartner, Martin Honert oder auch Gerhard Richter wiederum hinterfragen mit ihren Arbeiten das Verhältnis von Reproduktion und Original, so wenn die Erstgenannte aus digitalen Filmaufnahmen aufwändige Holzschnitte fertigt („Nachtfahrt“, 2009). Nach all diesem auf unterschiedliche Weise Interessantem und Anregendem folgt schließlich noch ein genuin auf Dresden bezogener Höhepunkt: einer der riesigen Kartons, auf die die Vorlage für den Fürstenzug gezeichnet ist. Er ist erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen. Das Kupferstich-Kabinett bewahrt die Vorlagenzeichnungen in vier Rollen auf, die insgesamt 100 Meter lang und vier Meter hoch sind. Die Kartons zeichnete zwischen 1868 und 1872 der Dresdner Maler Wilhelm Walther. Auf deren Grundlage entstand 1876 ein Sgraffito-Gemälde, das allerdings rasch verwitterte – wie schon ein Triumphzug, der im 16. Jahrhundert geschaffen wurde. 1907 wurde dann der den Dresdnern und ihren Gästen wohl bekannte Fürstenzug aus bemalten Meissner Porzellankacheln angebracht, der auch den Angriff vom 13. Februar 1945 weitgehend überstanden hat. Und auch die gut gehüteten Kartons konnten 2002 vor der Elbe-Flut bewahrt werden.

Diese vielseitige, kurzweilige Ausstellung kann man allen, die in den Ferien und darüber hinaus auf der Suche nach Entdeckenswertem – auch mit Kindern – sind, empfehlen.

bis 25. September, 10 bis 18 Uhr, dienstags geschlossen, Studiensaal: Mo, Mi 10 bis 13 und 14 bis 16 Uhr, Do 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 13 Uhr, jeden ersten Sa im Monat 10 bis 13 Uhr,Museumsnacht am 16. September, ab 19 Uhr

weitere Informationen über Führungen (nächster Termin heute, 16.30 Uhr), Rundgänge, Kunstpausen unter besucherservice@skd.museum; www.skd.museum.de

Von Lisa Werner-Art

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